Gerade auf der Erfolgswelle taumelnd hat der liebe Thees Uhlmann nach seinem Chart-Stürmer Album “Junkies und Scientologen” direkt mal einen nachgelegt und am letzten Freitag das wunderbare und mehr als lesenswerte Machwerk “Die Toten Hosen” herausgebracht.

Ich will es direkt am Anfang mal so sagen: besser hätte ich es auch nicht schreiben können!

Aber bevor ich noch von übergeordneter Stelle einen auf meinen mittlerweile recht lichten Deckel bekomme, da halte ich doch lieber meine Klappe! Thees ist ja schließlich im Auftrag des Herrn unterwegs – zählt doch ein gewisser Herr G.Ott zu seinen engsten Freunden. Da wäre die Messlatte dann doch ein wenig zu hoch.

Außerdem ist es mir bisher noch nicht gelungen einen Bestseller wie “Sophia, der Tod und Ich” zu platzieren, was garantiert auch ein wenig mit Talent und Ausdrucksform zusammenhängen könnte.

Apropos Talent, hier möchte ich mich vor dem lieben Thees nicht nur einmal verneigen. Die Art, die Form, die Ausdrucksweise, der Humor… was soll ich da noch aufzählen? Ach ja, der Inhalt – alles ist mal wieder am rechten Fleck, da wo ich mich persönlich wohl fühle und es einem leicht fällt, “Die Toten Hosen” quasi in allen Lebenslagen zu konsumieren.

Für mich zeichnet sich ein gutes Buch eigentlich immer auch dadurch aus, dass man es mal eben so nebenbei lesen kann, ohne den Faden zu verlieren. Wenn man also mal eben zwischendurch vorm Schlafengehen, vor der Arbeit, im Bus, beim Duschen (ähhh, Baden) und auf dem stillen Örtchen zur Lektüre greifen kann und sofort wieder gefesselt ist… dann hat ein Autor etwas Gutes, ja eigentlich sogar etwas Großes geschaffen. Passend dazu kommt einem natürlich auch das Format entgegen – schick in DIN A5 gehalten passt es in jede Gesäß- bzw. Handtasche… somit quasi ein guter Begleiter auf jeder noch so unsinnigen Reise.

So, genug der Lobhudelei… auf den Inhalt kommt es schließlich an!

Und der ist, wie sollte man es auch anders erwarten, durchaus genial. Vor allen Dingen die Tatsache, dass ich sofort (im positiven Sinne) angetriggert bin und mich an meine eigene Jugend erinnere – an die Zeit, wo ich meine Eltern mit den ersten bunten Haaren, den ersten Löchern in den Ohren und durch die lautstarken Dauerbeschallung mit der “Opel Gang” (sorry Thees, aber bei der “Auf dem Kreuzzug ins Glück” war ich schon fast wieder raus – wobei die Scheibe zugegebenermaßen noch einige Highlights hatte!) damals das Leben durchaus zur Hölle zu machen versuchte.

Auch an mein erstes DTH-Konzert in der Westfalenhalle Dortmund kann ich mich noch sehr gut erinnern – und ja, auch uns ist damals ein Begleiter abhanden gekommen… und ja, auch er musste damals nach der Vorband den Rest des Gigs dank eines gezielten Tritts gegen seinen vom Alkohol vernebelten Kopf aus dem Sani-Bereich weiterverfolgen. Ich meine mit 3 Atü auf dem Kessel sind Reaktionen auch nur noch Glückssache. Leider ist der Gute schon einige viele Jahre nicht mehr unter den Lebenden… schnell mal mit einem Kirschwasser in der Hand und mit dem Blick nach oben gerichtet ein gepflegtes Prosit auf Vince und den guten alten Wölli – “Wannsee”hen wir uns wieder?

Und wie schön auch die Geschichten aus der Phase des Heranwachsens, irgendwo in der niedersächsischen Provinz – Parallelen zu meiner Jugend sind hier wohl eher zufällig, unbeabsichtigt, aber absolut treffend.

„Früher hör auf mit früher, ich will es nicht mehr hören – damals war es auch nicht anders, mich kann das alles nicht stören!“

Sind Thees und ich wohlmöglich Zwillinge im Geiste…? Bzw. anders gesagt, fühle ich mich so sehr an meine Pubertät erinnert, dass ich mir direkt mal die “Unter Falscher Flagge” aus meinem CD-Regal fische und in der Vergangenheit schwelge. Und ja, wir sind die Leute geworden vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben – naja, zumindest ein ganz kleines bisschen…!

Was mich mit Thees verbindet? Die Liebe zum FC St. Pauli, die Liebe zum Punk- und Metal, die Liebe zu Dortmund & Düsseldorf, wo ich während meiner Brauer-Ausbildung unzählige Hektoliter dunkles malzhaltiges Getränk verköstigt und gleichzeitig ganz viele liebe Menschen kennengelernt habe… und natürlich die heimliche Liebe zu den Toten Hosen, die mich in meiner Jugendzeit begeistert, zwischenzeitlich irritiert und mittlerweile – altersweise wie man nun einmal kurz vor der 50 ist – aufgrund der jahrzehntelangen Beständigkeit immer wieder auch ein wenig fasziniert!

Irgendwie sind Thees und ich ja dann quasi dank der, bzw. durch Die Toten Hosen zu dem geworden, was wir heutzutage sind – es gibt schlimmeres, oder?!

Leider war es mir nie vergönnt, dass ich Campino & Co. je näher kennenlernen durfte und dass man so ein paar gemeinsame Biere und gute Gespräche verpasst hat, aber “Die Toten Hosen” von Thees entschädigen mich für einiges… und so musste ich zwar einerseits leider auf einige geile Konzerterlebnisse inkl. durchzechten Nächten verzichten, konnte mir aber auf der anderen Seite auch diverser Kater ersparen – danke hierfür, letztere vermisse ich nämlich nicht wirklich.

30 Jahre Freundschaft ist grundsätzlich eine tolle und erstrebenswerte Sache, in Musikerkreisen aber dennoch oft unerreichbar. Daher ist es noch beeindruckender, wenn so etwas beständig gelingt – Daumen hoch Leute!

Keine Ahnung ob “Die Toten Hosen” es wieder auf irgendeine Besteller-Liste schafft, aber für mich zeigt sich in diesem feinen Büchlein erneut, was für ein guter Schriftsteller neben seinem musikalischen Talent in Thees Uhlmann steckt und das man immer wieder mit Überraschungen
seinerseits rechnen darf.

Sollte ich irgendwann einmal mein eigenes Buch fertig haben, dann soll es ein klein bisschen so gut sein, wie die neue Thees-Lektüre – nicht mehr und nicht weniger… mein lieber Herr G.Ott! 😉

Lesetour 2020:
08.01. Osnabrück, Rosenhof
09.01. Bremen, Modernes
10.01. Köln, Gloria
11.01. Berlin, Astra
12.01. Dresden, Schauburg
13.01. Düsseldorf, Savoy
14.01. Hamburg, Laeiszhalle
15.01. Hannover, Pavillion
16.01. Stuttgart, Im Wizemann
17.01. München Muffathalle
18.01. Erfurt, Buchhandlung Peterknecht
19.01. Leipzig, Werk 2
20.01. Wiesbaden, Schlachthof
15.04. A-Linz, Posthof
16.04. A-Wien, Rabenhof
17.04. A-Graz, Literaturhaus
18.04. A-Dornbirn, Spielboden
20.04. CH-Langenthal, Old Capitol
21.04. CH-Zürich, Kosmos
22.04. CH-Thun, Cafe Mokka

Foto: © Ingo Pertramer