Die im oberbayerischen Freising ansässigen Artrocker RPWL sind eine Institution. Nicht nur aufgrund ihrer über zwei Jahrzehnten andauernden Karriere und der dort produzierten Musik, sondern auch wegen ihres geschmacksicheren Labels Gentle Art Of Music, bei dem stets künstlerisch besondere Bands ihre Heimat finden (z.B. Schizofrantik, Subsignal, Pinski, Simeon Soul Charger/Aaron Brooks, Panzerballett etc.).

Musikalisch steckt man das Quartett dabei gerne in die Pink-Floyd-Ecke. Kein Wunder. Yogi Langs Gesang klingt schwer nach David Gilmour. Gitarrist Kalle Wallner (auch Blind Ego) hat dessen Delay-Sound genauso gut drauf. RPWL aber alleine darauf zu beschränken, würde viel zu kurz greifen. Man klingt auch wesentlich moderner, ebenso „rockiger“. Genauso wie die ebenfalls früher in die Floyd-Schublade gepackten Porcupine Tree. Also, halten wir uns nicht viel länger damit auf und konzentrieren uns lieber auf die neue Platte der Band.

„Tales From Outer Space“ ist das erste Studioalbum seit fünf Jahren (dazwischen gab es aber diverse Live-Veröffentlichungen). Und es ist ein Konzeptalbum – oder auch wieder nicht. Zumindest keins, welche eine durchgehende Geschichte erzählt, sondern eines mit sieben in sich geschlossenen Erzählungen. Das verbindende Element ist der Hang zur Science-Fiction, auch wenn sich die Texte dann doch im Kern zeitgemäß und bodenständig geben. Wie zum Beispiel im konsumkritischen „What I Really Need“.

 

 

Ansonsten genießen es RPWL mit den Weltraumklischees zu spielen und scheuen sich nicht davor verschiedene Sounds auszuprobieren oder auch mal klischeehaft „weltraumartig“ zu klingen. Allerdings immer songdienlich. Der neue Streich ist über weite Strecken recht getragen, in den richtigen Momenten hat das Ding aber auch Drive, wie der Opener „A New World“ zeigt. Fein ausgelegte Melodien treffen auf leicht Spaciges und die Gitarren-Riffs von Wallner. Toller Einstieg. Jedes Stück hat im weiteren Verlauf seinen eignen Charakter, auch wenn sie doch irgendwo ähnlich klingen. Macht in dem Fall aber nichts. Ob der lebhafte Pop-Rock von „What I Really Need“ oder das überlange, ein Gefühl von Weite verbreitende „Light Of The World“ – das Spektrum ist angenehm ausgedehnt.

„Tales From Outer Space“ ein warm klingendes Album zu Genießen. Keines das einen sofort umhaut, da es absolut unaufdringlich ist. Aber eines das wie der sehnsuchtsvolle Blick in den Nachthimmel klingt. Eine Platte, zu der man die Seele baumeln lassen kann. Und so etwas braucht es in unserer hektischen Zeit doch auch immer wieder.

 

Trackliste:
1. A New World 8:38
2. Welcome To The Freak Show 6:15
3. Light Of The World 10:08
4. Not Our Place To Be 6:06
5. What I Really Need 5:20
6. Give Birth To The Sun 8:58
7. Far Away From Home 4:33

 

 

Ab Anfang April sind RPWL auf Tour. Zu sehen hier:
08 Apr 2019 Bremen, Meisenfrei
09 Apr 2019 Hamburg, Logo
14 Apr 2019 Reichenbach, Artrock-Festival
16 Apr 2019 Berlin, Maschinenhaus
18 Apr 2019 Isernhagen, Bluesgarage
22 Apr 2019 CH – Pratteln, Z7
23 Apr 2019 Stuttgart, clubCANN
24 Apr 2019 Rheine, Hypothalamus
25 Apr 2019 Oberhausen, Zentrum Altenberg
26 Apr 2019 Aschaffenburg, Colos-Saal
27 Apr 2019 Freising, Lindenkeller

 

RPWL - Tales From Outer Space (Gentle Art Of Music, 22.03.2019
4.0Gesamtwertung