Gore war (bzw. kurzzeitig wieder ist) ein holländisches Trio, welches eine Art avantgardistischen Instrumental-Hardcore spielte, der sich mannigfaltigen Einflüssen bedient. Egal ob Metal, Industrial oder allgemein düstere Sounds. Immer wieder taucht der Name Gore als Einflussgeber für Genres wie Sludge, Stonerrock, Drone Doom oder Mathrock auf. 1997 strich man erst einmal die Segel.

Ganz los ließ Gitarrist Johann van Reede das Thema Gore über die Jahre nicht. So begann er 2016 damit „Lifelong Deadline“, das fünfte Album der Band, und so etwas wie der eigene Meilenstein, zu überarbeiten, was letztlich in „Revanche“ mündete. Die ursprüngliche Doppelplatte wurde verdichtet und auf zehn Stücke und rund 40 Minuten Spielzeit zusammen gestaucht. Heraus kam eine komplette Neubearbeitung, bzw. eigentlich Neuinterpretation mit einem neuen Mix des renommierten Knöpfchendreher Terry Date sowie dem Mastering von Howie Weinberg. Ergebnis ist: „Revanche“ klingt wie anno 2019 und nicht 1992. Deswegen auch ein neuer Name, auch wenn sich das gezeichnete Cover ans Original anlehnt.

Wirklich kategorisierbar ist die Musik von „Lifelong Deadling“ bzw. „Revanche“ auch heute noch nicht wirklich. Hier wird teilweise mit mathematischer Präzision gegroovt, man gibt sich kantig, die Wildheit ist kontrolliert, aber zweifellos vorhanden. Der Sound mit den zahlreichen Oberton-Riffs klingt klar nach den frühen 90ern und ruft Erinnerungen an eine Band wie Prong hervor. Das klingt dann mal wie ein wildgewordener Gorilla, dann wieder überraschend filigran. Geräusche- und Stimmsamples sorgen für interessante Effekte. Man nehme nur mal das angenehme Vogelgezwitscher von „Battle Of Stones“, welches von metallischen Grooves und tänzelnden Math-Sounds konterkariert wird. Genauso das asiatische Sprachsample im überlangen „Isis“.

Wer auf klare Strukturen bis zur letzten Konsequenz steht, ist hier vielleicht etwas fehl am Platz. Manches klingt wie ein spontaner Ausbruch (z.B. „No Respect“), anderes ist dagegen aber ziemlich durchdacht („Rustproff Rape“, „Isis“). Die Spiellaune von damals blieb jedenfalls erhalten. Auch heute noch ist Gore etwas für den besonderen Geschmack. Und „Revanche“ sicher eine Neu-Version die Sinn macht.

 

Trackliste:
1. Bad Ideas Obession
2. Battle Of Stones
3. Treat
4. No Respect
5. Rustproof Rape
6. The Concentration Connection
7. Isis
8. Waste Taste
9. Cleared By Recognition
10. Morrowland

 

 

Begleitet wird die Veröffentlichung von einer Handvoll Shows. Unter anderem beim Jubiläumsfestival von Exile On Mainstream in Leipzig und beim Roadburn in Tilburg. Hier die kompletten Tourdaten:

29.03.2019 BEL Bruxelles, Les Atelier Claus
02.04.2019 Berlin, Zukunft Am Ostkreuz (w/ Darsombra & Jehacktet)
03.04.2019 Hamburg, Hafenklang (w/ The Winchester Club)
05.04.2019 Leipzig, UT Connewitz, 20 Years Exile On Mainstream
13.04.2019 NL Tilburg, Roadburn Festival

Gore - Revanche (Exile On Mainstream, 22.03.2019)
3.5Gesamtwertung