Ein interessantes Projekt, welches sich der niederländische Musiker Thomas van der Vliet und seine Band The Bullfight hier vorgenommen haben. Ein Buch mit Tonträger, ein Tonträger mit begleitendem Buch? Gar nicht so genau zu sagen. Im Endeffekt beides. Im Mittelpunkt steht die Mörderballade, welche als Dichtungsform, welche ihren Ursprung im traditionellen Folk hat und der Nick Cave mit seinem Album „Murder Ballads“ ein äußerst erfolgreiches Denkmal setzte.

Van der Vliet ist nicht der einzige, welche sich von düsteren Geschichten über Mord und Totschlag inspirieren lässt, was man auch deutlich an den Liedern seiner Band hört. Nein, bildende Künstler ebenfalls. Und so hat der Musiker viele konzeptuell dazu passende Bilder zusammengetragen, welche das Grauen kunstvoll interpretierten. Die meisten noch relativ aktuell, aber auch Werk, die auch mal mehrere hunderte Jahre alt sein können. Dabei ist die Bandbreitet der Stile und Ausdrucksformen recht groß. Seien es Zeichnungen, aufwändige Gemälde, aber auch Fotografien und Comic-Strips. Verbindend ist nur das Thema, nicht die Art der Umsetzung.

Und so enthält das Buch „The Art Of The Murder Ballad“ auf rund 120 Seiten viel Abgründiges, aber auch viel Schönheit. Die Vielfalt der Künstler und ihr Ausdruck ist beeindruckend. Auch wenn manchmal der Ekel etwas überwiegt, wird niemals ein gewisses Niveau unterschritten. Das Motto lautet eher: bildliche Poesie statt Splatter.

Ergänzt werden die Bilder durch begleitende Texte, Essays und Gedichte. Leider sind die meisten davon auf Niederländisch. Da der oben erwähnte Nick Cave immer irgendwo präsent zu sein scheint, passt auch das abgedruckte Interview mit dessen Gitarrist Mick Harvey bestens ins Konzept.

 

 

Am Ende des Buchs sind auch zehn Songtexte von The Bullfight abgedruckt, dem musikalischen Vehikel des Konzepts. Ihr neuestes Album „Eggs & Morrowbone“ stellt nebenbei eine Art Soundtrack dar. Zehn neue, selbst komponierte Stücke, voller Morbidität und Anmut. Musikalisch meist balladesk und erzählend angelegt. Die teilweise anklingende Fröhlichkeit lockt den Hörer auch mal auf die falsche Fährte täuscht darüber hinweg, dass die Worte dazu in der Regel abgründig und auch mal hundsgemein sind.

Gerade die swingend tänzelnde „The Ballade Of Aurely“ oder fast mit einer Kinderliedmelodie daherkommende „The Supergrinder“ sind geradezu verstörend. Der mit croonender Stimme singende Nick Verhoeven wird oft von Sängerinnen begleitet, manchmal auch verdrängt, was für durchaus interessante Akzente sorgt.

Musikalisch bleiben The Bullfight ansonsten ihrem zurückhaltenden Noir-Pop treu, bei dem Orgeltöne, Geige, Kontrabass, Akustikgitarre und oftmals bedächtig gestreicheltes Schlagzeug den Ton bestimmen und bei dem Theatralik auf Düsternis trifft. Klangliche Vorbilder von Nick Cave oder Tom Waits sind stets präsent, auch wenn sich The Bullfight längst davon emanzipiert und ihre eigene Art von beklemmend-makaberer Kammermusik geschaffen haben.

Als Kombination sind beiden Veröffentlichungen – Buch wie Tonträger – durchaus interessante, gelungene Dinge. In der Kombination entstand sogar ein tolles Stück Außenseiterkunst!

Zu bestellen auf den offiziellen Seiten von Projekt und Band.

 

Trackliste Soundtrack:
1. Lullaby
2. Doomsdy Prepping
3. Lying In Your Arms
4. Alexander!
5. The Ballad Of Aurely
6. Therefore I Run
7. The Supergrinder
8. The Lamenteer
9. The Hazeldonk Shuffle
10. Eggs & Marrowbone

 

Na, neugierig geworden? Dann hier einige Eindrücke zum Inhalt – Artworks und Musik:

 

Internet-Links:
http://www.thebullfight.nl
http://www.themurderballad.com
https://de-de.facebook.com/thebullfight
https://www.facebook.com/balladsofpassion

 

The Bullfight - Eggs & Morrowbone: The Art Of The Murder Ballad (Brandy Alexander Recordings, 07.11.2019)
4.5Gesamtwertung