Es erscheint mir fast als wäre es erst gestern gewesen, dass die schwäbischen Metaller Brainstorm live den Release ihres aktuellen Albums „Scary Creatures“ in Giengen mit 600 Fans feierten (s. Konzertbericht). Aber halt, damals musste man sich durch Schneemassen kämpfen. Wird wohl doch schon ein paar Tage her sein… Ja, fast auf den Tag genau neun Monate sogar. Mittlerweile befindet man sich mit Winterstorm zusammen auf „Night of the Storm“-Tour. Und an diesem Freitagabend macht das Paket in Aalen halt. Im kleinen, schnuckeligen Rock It. Das ist dann quasi schon ein Heimspiel. Hier ist die Stimmung immer noch eine kleine Schippe besser als sonst. Sollte man sich also nicht entgehen lassen. Taten wir auch nicht. Also, ab ins Getümmel!

 

brainstorm-aalen-plakat-2016

 

Der Laden war noch spärlich gefüllt, als der lokale Support Enslave The Chain die kleine Bühne enterte. Leicht angeproggten Metal gab es hier auf die Ohren. War schon nicht schlecht, was die vier Herren und die Dame hier verzapften und man hob sich zweifelsohne von den anderen beiden Bands des Abends ab. Auch wenn die Instrumentalisten gute Arbeit ablieferten, war es doch Sängerin Steffi die am meisten auffiel. Zuerst mal negativ, als sie ihre gutturalen Laute auspackte. Dabei hat sich eine tolle Gesangsstimme, welche die Songs trägt und fein abschmeckt. Sollte man wohl im Auge behalten, diese Truppe.

 

 

Danach folgten die Franken Winterstorm. Melodischen, europäischen „Power“ Metal gab es hier auf die Ohren, der von seinen folkigen Gitarrenmelodien und hymnischen Refrains lebt. Das hatte schon einen gewissen Lala-Schunkel-Faktor. Vor allem wenn wieder etwas Keyboard-Kleister vom Sampler dazu kam. Die Truppe, und vor allem Sänger Alex mühte sich das Stimmungslevel etwas anzuheben. Das gelang ihnen beim auf Party geeichten Publikum auch. Aber doch war das Ganze arge Geschmackssache. Und so richtige Bühnentiere waren die Musiker auch wieder nicht. Am Ende blieben auf jeden Fall zwei Erkenntnisse zurück:
1. Instrumente vom Band brauch keine Sau,
2. bei einer beschränkten Spielzeit so zu tun, als würde man eine Zugabe spielen und man das Publikum regelrecht anbettelt sie dafür auch noch anzufeuern, ist reichlich peinlich.
Also irgendwie doch eine etwas durchwachsene Sache, auch wenn viele ihren Spaß mit den Jungs hatten.

 

 

Ganz anders ist die Sache natürlich beim Headliner Brainstorm. Hier haben wir es mit einer gut geölten und brachialen Livemaschine zu tun, auf die stets Verlass ist. Bereits der kräftige Opener „Falling Spiral Down“ lief mächtig gut rein und schüttelte einen mal so richtig durch. DAS und nichts anderes ist Power Metal, meine Freunde! Die Band befand sich zwar gerade auf Tour zu ihrer aktuellen Platte „Scary Creatures“. Aber es fanden sich nur wenige Tracks davon in der Setlist wieder. Dafür war das Programm eher auf das Motto „Best Of“ gepolt und es wurde ein guter Querschnitt durch die letzten 15 Jahre Brainstorm mit einigen Fanfavoriten gespielt. Ein paar Überraschungen hatte man aber auch ausgegraben. Zum Beispiel „Forsake What I Believed“ (erstaunlich mächtig im Livesetting!) vom wiederentdeckten „Memorial Roots“ sowie ganz am Ende „Under Lights“ vom Highlight-Album „Metus Mortis“, das man als schicke Vinyl-Neuauflage am Merchandising-Stand dabei hatte.

Die Stimmung war durchgehend prächtig und flachte kaum ab – egal ob neuer oder alter Song. Die Konzerte in Aalen sind aber jedes Mal etwas Spezielles. Die Musiker sind noch etwas ausgelassener und euphorischer als sonst, genauso wie das Publikum. Allen voran Meister-Sänger Andy B. Franck, der nicht nur ziemlich gut bei Stimme war, sondern es sichtlich genoss mal wieder „Schwäbeln“ zu dürfen. Das macht den Mann, dessen Charisma für die kleine und niedrige Bühne mal wieder viel zu groß war, noch etwas sympathischer.

Rund zwei Stunden rockte das Riffmonster Brainstorm das Rock It zu Aalen. Als die große Bandhymne „All Those Words“ angekündigt würde, war klar, dass das Konzert langsam in die Zielgerade einbog. Wieder mal war absoluter Gänsehautalarm angesagt und die Fans fast noch lauter als das Quintett auf der Bühne, als es es den Refrain anstimmte. Dieser wurde beherzt weiter gesungen, als die Schwaben zum Abschied winkend die Bühne verließen. Groß!

Klar, da gab es natürlich eine kleine Zugabe. Aber irgendwann war es dann doch vorbei. Leider. Man hätte durchaus noch ein paar weitere Nummern vertragen können. Vielleicht beim nächsten Mal. Denn wir sind sicher beim nächsten Mal auch wieder mit dabei. Und ihr solltet es auch sein, wenn es heißt: Heimspielzeit in Aalen!

Setlist Brainstorm:
Falling Spiral Down
Worlds Are Comin‘ Through
The World To See
Firesoul
Forsake What I Believed
Highs Without Lows
We Are…
Entering Solitude
Shiver
Shiva’s Tears
Fire Walk With Me
How Do You Feel
Blind Suffering
All Those Words

Erased By The Dark
Under Lights