Deutsche Bands und der Begriff Power Metal – da denkt man (leider) zu oft an Nähmaschinenrhythmen, lächerliche Kinderliedmelodien und an mit viel zu heller Stimme flötende Sänger. Bäh, kann man mögen, muss man aber nicht. Tief im Süden gibt es allerdings eine Band, die diesem Terminus viel besser gerecht wird und eher in Gewässern fischt, in denen sich sonst amerikanische Vorbilder wie Metal Church oder Vicious Rumors tummeln: Brainstorm.

Auf diese Band ist auch im 27. (!) Jahr ihres Bestehens Verlass. Durchschnittlich alle zwei Jahre legt man eine Platte vor und bisher hat keine so richtig enttäuscht. Hiervon macht auch der neueste Langdreher namens „Scary Creatures“ keine Ausnahme. Wo früher vermehrt die Bombastkeule geschwungen wurde, regiert 2016 noch verstärkter das allmächtige Riff. Wenn die Band loslegt, wird einem erst mal kräftig die Frisur nach hinten geföhnt.

Natürlich geht trotzdem nix ohne einen ordentlichen „Fäusterecktrefrain“ vom deutschen Bruce Dickinson, Andy B. Franck, der mal wieder eine gute Leistung an den Tag legt. Gleich der dramatisch beginnende Opener „The world to see“, „Where angels dream“ und vor allem das von einem Chor unterstützte „We are“ tun sich hier besonders hervor. Beim düsteren Titeltrack spielt man eine etwas atmospährischere Karte und lässt an alte Großtaten wie „Maharaja Palace“ oder „Shiva’s tears“ denken. Hitqualitäten besitzt auch das mit einem überraschend melodischem Refrain gesegnete „Twisted Ways“.

Trotzdem lenken Brainstorm nicht ganz davon ab, dass sie vielleicht schon ihre größten Hits und Ohrwürmer in jüngeren Jahren geschrieben haben. Denn nicht umsonst stehen Alben wie „Metaus Mortis“ und „Soul Temptation“ in der Fangunst ganz weit oben, deren Songs die Stützpfeiler ihrer nach wie vor äußerst mitreißenden Konzerte sind.

Trotzdem ist auch „Scary Creatures“ wieder eine gutes Album geworden, auch wenn es nicht dieses Klassikerpotenzial erreicht. Kraft und Leidenschaft strömen aus jeder Pore und Klangtüftler Achim Köhler (mit dem schon die größten Highlights der eigenen Diskografie aufgenommen wurde) hat es abermals geschafft die Musik der Band adäquat auf Datenträger zu bannen.

Brainstorm - Scary Creatures

Trackliste:
1. The World To See
2. How Much Can You Take
3. We Are
4. Where Angels Dream
5. Scary Creatures
6. Twisted Ways
7. Caressed By The Blackness
8. Scars In Your Eyes
9. Take Me To The Never
10. Sky Among The Clouds

Brainstorm - Scary Creatures (AFM Records, 15.01.2016)
4.0Gesamtwertung