Man musste sich erst mal durch den Schnee kämpfen, bevor man im süddeutschen Giengen an der Brenz, der Heimat des Kuscheltierherstellers Steiff und des Feuerwehrzulieferers Ziegler, aufschlagen konnte. Brainstorm hatten sich also vielleicht doch nicht ganz den richtigen Tag ausgesucht, um den Release ihres neuen Albums „Scary Creatures“ zu feiern. Aber wer konnte schon ahnen, dass der Winter ausgerechnet an diesem Wochenende seine hässliche Fratze so richtig zeigte… Da hatte man jedoch umso mehr Bock auf heißen Heavy Metal!

Dieses Mal hatte man sich die Walter-Schmid-Halle, eine äußerst geräumige Mehrzweckhalle, anstatt einem kleinen, schwitzigen Rockclub für die Livepremiere der neuen Songs ausgesucht. In Sachen Stimmung vielleicht nicht gerade die taktisch beste Wahl, da sich das Publikum hier recht verlief. Doch man wollte sich auch auf die Tour mit Primal Fear in Kürze vorbereiten und hatte ein entsprechendes Bühnenbild vorbereitet das erst auf einer großen Bühne so richtig zur Geltung kommt. Und für eine zukünftige DVD wurde der Abend ebenfalls aufgezeichnet.

bs16-plakat

Doch bevor es mit den Gastgebern losging, durften erst mal zwei befreunde Gruppen ran. Die ersten waren die Allgäuer Stepfather Fred, die sich anfangs sichtlich schwer taten. Dabei hatten sie eigentlich den richtigen Partysound dabei: fetten, moderne Groove-/Alternative-Metal mit kantigem Flair, irgendwie zwischen The New Black und Down. Die Band war engagiert und zeigte von Sekunde 1 an, dass sie rocken will. Doch so leicht sprang der Funke nicht über. Peinliche Mitsingspielchen und das Auspacken einer überkommenen 90er-Jahre-Rapmetal-Nummer (manche Dinge liegen zurecht auf dem Müllhaufen der Musikgeschichte…) waren nicht gerade taktisch klug. Stimmiger war da schon, als das Quartett eine Ballade im Zuschauerraum spielte. Ganz schlecht war es nicht. Aber man hatte schon Aufregenderes gesehen.

IMG_7173

Bei den folgenden Undertow ging schon mehr. Kein Wunder, sind die doch alte Bekannte, die ebenfalls aus der Gegend stammen. Dementsprechend wurde Schwäbisch geschwätzt. Härtetechnisch legte das Quartett ein paar ordentliche Briketts nach. Was man präsentierte, war ein ganz schönes Brett zwischen Thrashcore und sludgigem Doom á la Crowbar. Und so ergab sich ein dynamisches Set, bei dem es vor allem die schweren, langsameren Songs waren, die das Auditorium systematisch zermalmten. Vielleicht nicht jedermanns Sache. Doch zweifellos sind Undertow eine starke Liveband, selbst wenn das Stageacting relativ statisch ist. Also trotz großen Unterschieden zu den Gastgebern: eine ordentliche Performance!

IMG_7217

zur Bildergalerie von Undertow

Um mal gleich mit der Tür in den Raum zu fallen: Brainstorm sind eine der stärksten Liveacts im Metalsektor, Punkt! Daher ist es immer wieder schön, die Jungs live zu bewundern. Der Start war schon mal ziemlich witzig. Statt ein pathetisches Intro gab es „Nellie the Elephant“ der Toy Dolls zu hören, bevor das Quartett einem den Opener von „Scary Creatures“ entgegen knallte. „Firesoul“ und „Fire Walk With Me“ sorgten im Anschluss für ordentlich Alarm und zumindest in den ersten paar Reihen kreisten die Haare. Ja, nicht schlecht. Guter Groove, knackige Songs und ein Sänger, dem der Ruf als deutscher Bruce Dickinson vorauseilt. Alles noch da.

Auch bei weiteren neuen Titeln wie „How Much Can You Take“ oder dem stimmungsvollen, harten Titeltrack des neuen Albums. Nur das in der Studioversion großartige „We Are“ lief hier noch nicht ganz rund. Dafür entschädigten aber die vielen alten Nummern. Denn Brainstorm hielten sich mit vier Kostproben von „Scary Creatures“ überraschend zurück und packten dafür lieber ein paar Überraschungen aus. „End In Sorrow“ oder „Surrounding Walls“ von „Downburst“ zum Beispiel, bei dem Andy B. Franck selbst nicht so sicher war, ob man sich je vorher gespielt hatte. Auch der Knaller „Inside The Monster“ kam mal wieder zu Liveehren. Ansonsten gab es natürlich immer wieder beliebte Standards wie „Shiva’s Tears“, „Highs Without Lows“, „Falling Spiral Down“, „Hollow Hideawy“ oder „Blind Suffering“.

IMG_7368

zur Bildergalerie von Brainstorm

Nach „How Do You Feel“ kam das übliche Zugabenspiel und mit dem zackigen „Shiver“ und der unvermeidlichen Hymne „All Those Words“ machte man dann endgültig den Sack zu. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass das Publikum bei letzterer Nummer nochmals alle Reserven mobilisierten und kräftig mitsang. Wie immer: fett!

Am Ende bekam der Fan also wieder einen starken Auftritt einer starken Band. Schade, dass nicht ein paar Nasen mehr vor Ort waren. Aber vielleicht haben sich diese auch etwas vom Wetter abschrecken lassen. Denn als sich die Tore nach draußen wieder öffneten, musste man erst mal sein Auto suchen das (mal wieder) unter einem großen Schneehaufen begraben lag… Aber es hat sich gelohnt – auf jeden Fall!

Setlist Brainstorm:
Intro (Nellie the Elephant)
The World To See
Firesoul
Fire Walk With Me
How Much Can You Take
Falling Spiral Down
Worlds Are Comin‘ Through
We Are
Shiva’s Tears
End In Sorrow
Scary Creatures
Highs Without Lows
Blind Suffering
Surrounding Walls
In The Blink Of An Eye
Hollow Hideaway
Inside The Monster
How Do You Feel

Shiver
All Those Words