Nach Bruce Dickinson hat ein weiterer Musiker einer britischen Metallegende ein Buch über sein Leben geschrieben. Und zwar K.K. Downing, der ehemalige Gitarrist und Gründungsmitglied von Judas Priest. Anders als bei der äußerst umtriebigen „Air Raid Siren“ war die Band der einzige bestimmende Lebensinhalt. Dementsprechend kennt das Buch eigentlich auch nur ein Thema, welches ganz dick als Titel auf dem Umschlag prangt: „Mein Leben mit Judas Priest.“

Schnell wird klar, dass Ken sein Herz auf der Zunge trägt. Er ist aber kein Laberer. Und so geht es auf 224 beschwingt zu lesenden Seiten im flotten Tempo durch die 67 Jahre seines Lebens und im Prinzip auch durch die Geschichte seiner seit 2011 ehemaligen Band. Der erste Blick zurück richtet natürlich auf die Kindheit des Gitarristen. Geboren 1951 mitten im „Black Country“, den West Midlands, war Downing kein privilegiertes Leben vergönnt. Ein typisches Arbeiterklassenkind, in dessen Familie Geld immer genauso knapp war, wie die Liebe des unter Zwangsstörungen leidenden, meist arbeitslosen Vaters. Die Beziehung seiner Eltern war schwierig und diese Familienverhältnisse prägten sein späteres Leben sehr, wie Downing unumwunden zugibt.

Mit 15 der Rauswurf von zu Hause, der Beginn einer Lehre als Koch, welche ihm zwar gefiel, er sich aber auch nicht wirklich Regeln unterwerfen konnte und letztendlich die Liebe zur Musik, waren letztendlich die nächsten Stationen. Sein großes Idol war Jimi Hendrix, den er auf zahlreichen Seiten immer wieder huldigt. Erste Versuche in Bands, in denen bereits auf den späteren Priest-Bassisten Ian Hill stieß. Gemeinsam heuerten Sie in der Gruppe von Sänger Al Atkins an, aus der letztlich 1969 Judas Priest wurde.

 

 

Von nun an nahmen die Dinge ihren Lauf. Die ersten Jahre waren hart, das Geld knapp. Aber die erste große Liebe fand auch ihren Platz im Leben. Aber im Fokus stand stets die Band, so dass es in dieser Hinsicht immer wieder zu Zerwürfnissen kam. Ein großes Bedauern in dieser Richtung erfolgt in den letzten Kapiteln. Wer sich dann eher für die Musik interessiert, ist hier richtig. Denn der Mann, der Judas Priest von den bunten Klamotten in Richtung Lederimage trieb, hat einiges zu erzählen. Aber allzu tiefgreifende Analysen sollte man mit dem lockeren Plauderton nicht erwarten. Das gibt die Musik von Judas Priest vielleicht auch nicht her. Ihr Metal war früher wohl genauso bodenständig wir die spielenden Protagonisten. Dass sich dies speziell Mitte der 80er änderte, kommt durch die Zeilen immer wieder durch.

Eindringlich wird es, als Downing vom Gerichtsprozess im Jahr 1990 berichtet, als Judas Priest angeklagt wurden, sie hätten zwei Teenager mit ihrer Musik in den Selbstmord getrieben. Das liest sich auch heute noch absurd. Und ein beständiger Begleiter sind auch die Reibereien mit Gitarrenkompagnon Glenn Tipton. Beide fanden auf persönlicher Ebene nie einen gleichen Nenner, was letztendlich auch zum Zerwürfnis mit dem Rest von Judas Priest führte. Das ganze Buch steuert unaufhaltsam auf diesen „Höhepunkt“ zu und das ist für die Fans wohl auch das Interessanteste an der ganzen Sache.

Natürlich kennt man am Ende nur eine Seite des Ganzen. Aber diese bietet schon mal einen erhellenden Eindruck vom Wesen der stilprägenden Band. Für Fans ist das kurzweilige Büchlein somit durchaus eine lohnenswerte Sache. Als Musikerbiografie stellt es kein strahlendes Highlight dar. Und mit welcher Motivation es geschrieben wurde, wird relativ schnell klar…

 

Titel-Photo Credit: Ross Halfin