Eines steht nach dem Lesen der – vom ihm selbst verfassten – Biografie Bruce Dickinsons fest: Es gibt sicherlich langweiligere Personen, über die man ein Buch schreiben könnte! Auf den rund 440 Seiten entpuppt sich der Sänger der Metal-Giganten Iron Maiden als wahrer Tausendsassa, für den die Musik nur ein Teil seines Lebens ist. Und nicht mal der größte.

Autor, Drehbuchschreiber, Fechter, Pilot, Motivationsredner, Unternehmer, Familienvater, Radiopräsentator, Brauer, Dokumentarfilmer. Alles Tätigkeiten, die er neben seiner Musikkarriere ausführt, bzw. ausgeführt hat. Und von allem erzählt er sein bisschen in seinen Memoiren. Nur Frauengeschichten, seine Familie und das Waschen von Schmutzwäsche lässt er komplett außen vor. Lieber gibt er die Rolle das etwas arroganten, englischen Gentlemans, der der einem in der Kneipe bei einem gemütlichen Bierchen (am besten bei einer Flasche Trooper Ale) gegenüber sitzt und im lockeren Ton aus seinem Leben erzählt. Hört man ihm genau zu, weiß man auch recht bald, was der Titel des Buchs soll. Dickinson ist nämlich ein reichlich unruhiger und neugieriger Geist, der Stillstand nicht zu kennen scheint und alles ausprobieren muss.

Beginnend mit seiner Kindheit und Schulzeit (die relativ ausführlich behandelt wird) hangelt er sich durch die Jahre und handelt sie wichtigsten Stationen ab. Bis er erstmals zu einer ersten „richtigen“ Band Samson kommt, ist bereits ein Viertel der Seiten durchgelesen. Besonders in die Tiefe geht Bruce dabei nie. Der Ausstieg bei Iron Maiden? Hatte halt keine Lust mehr. Warum dann wieder eingestiegen? Die hatten mich halt einfach gefragt. Erhellende Erkenntnisse über einzelnen Songs und Alben braucht man sich auch nicht erwarten. Einzelne Klassikerplatten kommen höchstens in Nebensätzen vor. Wer sich somit tiefere Einblick in die Musik und das Wesen von Iron Maiden erwartet, sieht sich wahrscheinlich etwas von „What does this button do?“ enttäuscht.

Aber schließlich handelt es sich hier nicht um eine verkappte Bandbio. Derartiges gibt es ja schließlich schon. Dafür bekommt man umso mehr übers Fechten und vor allem übers Fliegen erzählt. Teilweise sogar recht haarsträubende und gefährlich Begebenheiten. Zum Beispiel sein Trip mit seiner Soloband Mitte der 90er ins sich im Kriegszustand befindliche Sarajevo. Dazu erfährt man ausführlich wie es dazu kam, dass sich der Sänger in einer geregelten Anstellung als Pilot wiederfand. Übrigens der erste „richtige“ Job von Dickinson. Und das mit über 40.

Das Buch ist ein flotter Durchmarsch durch das Leben. Richtig nahe kommt man der Person Paul Bruce Dickinson allerdings nur einmal. Und das erst gegen Schluss, als er ausführlich und sehr emotional über seine Krebserkrankung und der anschließenden Heilung berichtet. Wirklich emotionale Einblicke in das Wesen eines Menschen mit mannigfaltigen Leidenschaften. Genug Interessantes gibt es hier definitiv zu lesen. Launig und kurzweilig, manchmal auch etwas sarkastisch, präsentiert. Der lockere Plauderton wirkt teilweise aber auch etwas gehetzt und bevor man sich versieht, ist man auch schon wieder mitten im nächsten Thema, wenn sich Anekdote an Anekdote reiht. Dafür liest sich das Ganze aber auch ziemlich leicht.

„What does this button do?“ ist keine erschütternde Lebensbeichte wie zum Beispiel das Buch von Ministry-Boss Al Jourgensen, dafür eine unterhaltsame Biografie einer faszinierenden Person, deren Stoff aber sicher noch viel mehr hergegeben hätte. Laut eigenem Bekunden setzte Bruce Dickinson ziemlich oft den Rotstift an. Vielleicht gibt es dann mehr davon in einem zweiten Teil. Der Mann wird schließlich erst 60 und steht noch mitten im Leben.