Seit gut 40 Jahren ist der britische Singer, Songwriter und linke Aktivist Billy Bragg mittlerweile unterwegs, um uns seine Vorstellung einer besseren und gerechteren Welt aufzuzeigen.

Viele Stunden meines feucht fröhlichen Zivi-Lebens verbrachte ich Anfang der 90er mit „Back To Basic“ – besonders das neoliberale Getue und der Umgang mit der Arbeiterklasse durch die Thatcher-Regierung war Billy Bragg damals ein Dorn im Auge. So entstanden zu dieser Zeit solch wunderbare Nummern wie „To Have And To Have Not“, „Richard“ oder mein absoluter Lieblings-Song (ich weiß, sagt jeder!) „A New England“.

Über dreißig Jahre später – nach nunmehr 18 Studioalben und unzähligen weiteren Veröffentlichungen, zu denen auch das Buch „The Progressive Patriot – A Search for Belonging“ aus 2006 gehört – liegt nun mit „Die drei Dimensionen der Freiheit“ ein hochpolitisches Buch vor mir, in welchem Billy seine persönlichen Gedanken zum (nun leider vollzogenen) Brexit, zur Niedergang einer gleichberichtigten Gesellschaft und zur aktuell bemitleidenswerten Lage der Welt im allgemeinen kund tut.

Wer also in diesem 140 Seiten starken Machwerk einen nur irgendwie musikalisch angehauchten Inhalt sucht, der sollte die Finger von „Die drei Dimensionen der Freiheit“ lassen. Billy taucht vielmehr in die Tiefen der politischen und wirtschaftlichen Irrungen und Wirrungen ein, kümmert sich intensiv um Begrifflichkeiten wie den bereits seit Jahrzehnten bestehenden Neoliberalismus, zeigt auf erschütternde Weise die negativen Begleiterscheinungen der Globaliserung auf und macht einem auf schonungslose Art und Weise klar, dass wir alle nur ein ganz kleines (und kontinuierlich austauschbares) Rädchen im großen Spiel der Reichen und Mächtigen sind. Der allgemein in den Industriestaaten vorliegende Wohlstand kann ja schließlich dauerhaft nur auf dem Rücken derer ausgetragen werden, die keine Möglichkeiten haben sich dagegen aufzulehnen und zu wehren.

Auf der anderen Seite spricht Bragg davon, dass wir alle mittlerweile zu Marionetten gemacht wurden und es für Demagogen eine Leichtigkeit ist, uns durch gezielte Nadelstiche zu manipulieren bzw. in eine bestimmte (gerade gewollte) politische Richtung zu bekommen – aktuell braucht man sich ja nur den Brexit oder das Erstarken der „Neuen Rechten“ in Europa bzw. der AfD hier in Deutschland anschauen.

Neben der Liberalität geht es ihm auch um die Gleichheit… wobei wir aber spätestens seit dem Niedergang des Realsozialismus wissen, dass es immer wieder Menschen gibt, die gleicher als anderen sein wollen. Abschließend kümmert sich Billy Bragg dann noch um die von ihm genannte dritte Dimension, nämlich um die Verantwortlichkeit – und jetzt mal ehrlich, wo sind sie denn bitte alle geblieben…? Was macht zum Beispiel ein George W. Bush heute, der Anfang des neuen Jahrhunderts eine kriegerische Ära eingeleitet hat, die für absolute Instabilität und Chaos im Nahen Osten gesorgt hat? Oder welche Verantwortung für Menschen und deren unerträgliche Arbeitsbedingung übernehmen denn die riesigen Wirtschaftskonzerne, denen es ausschließlich um Gewinnoptimierung und Wachstum geht – da sind Menschenleben doch eher in Kauf zu nehmende Kollateralschäden, oder?!

Was hier extrem krass klingt, ist garantiert auch so gemeint – hat der Buchtitel doch nicht von ungefähr den Zusatz „Ein Politischer Weckruf“!

„Die drei Dimensionen der Freiheit“ ist garantiert kein Buch das man mal einfach so nebenbei liest – es ist hart, aufwühlend und regt auf vielen Ebenen (bzw. „Dimensionen“) zum Nachdenken an, denn…

 

»Wir leben in einem Zeitalter der Wut. Viele Leute haben das Gefühl, dass ihre Stimmen ignoriert werden von distanzierten Eliten, die nicht länger bereit sind, für ihre Handlungen Verantwortung zu übernehmen. Dass dies geschehen ist, war kein Versehen. Es ist die Kulmination von jahrzehntelangen Rückzugsgefechten, um die Demokratie zu neutralisieren und jene auszugrenzen, die die drei Dimensionen der Freiheit einfordern: Liberalität, Gleichheit und Verantwortlichkeit.«

 

Für mich sind Menschen wie Billy Bragg eine große Bereicherung für die Welt in der wir leben müssen… Menschen die seit Jahrzehnten unermüdlich dafür kämpfen, dass nicht alles im Sumpf der Gleichgültigkeit und Resignation versinkt und die einen selber immer wieder motivieren, auch weiterhin über den Tellerrand zu schauen und nicht alles, was „die da oben“ von sich geben bedingungslos zu schlucken – es ist noch nichts verloren… aber die Luft ist mittlerweile besorgniserregend dünn geworden!

Billy Bragg auf FACEBOOK und auf seiner eigenen HOMEPAGE.