Den mit dem Älterwerden einhergehenden Weltschmerz begegnet mit am besten mit einer Wagenladung purem Rock’n’Roll – das scheint zumindest das Credo der fünf Musiker von X Raiders zu sein, welche allesamt 1989 geboren sind. 30 geworden, aber noch nicht ganz weise macht man weiterhin Krach und brüllt seine Gedanken ungefiltert raus.

Musikalisch ist das dann so simpel wie mitreißend. Punkiger Hardrock, wie er Ende der 90er in Skandinavien gespielt wurde (alleine der schnodderige Gesang lässt an Turbonegro denken) steht auf dem Programm. Zu filigran um echter Punk zu sein, zu schmutzig, um sich ins Hardrock- und Metallager zu integrieren. 1, 2, 3, 4 und ab geht die Luzie. Ohne Vorwarnung legt man mit „Chop Some Wood“ los. Zuerst noch etwas schlicht. Aber die Songs werden mit zunehmender Spielzeit besser.

„Meat Market“ groovt angenehm hart, der lässige „Ice Cream Truck“ dürfte sich zum Livehit mausern, „Oedipus“ steht dem in nichts an, die etwas düstere Heavy-Nummer „Funeral Crusher“ sorgt für Abwechslung, genauso wie das abschließende, balladesk beginnende „Dangerzone“. Man freut sich über das Auftauchen einer Cowbell („Thrust Me“), genauso wie einfache Sauf-Mitrölnummer namens „Wasted“.

Doch am Ende bleibt man etwas hungrig zurück. Das ist Musik, die man zu Hause für ne Aufwärmrunde auflegt und live erst so richtig explodiert. Man bietet rund 36 Minuten angenehm dreckige Unterhaltung und macht zumindest die letzte Tat der einst übergroßen Turbonegro vergessen.

Und ist doch schon mal was!

 

Trackliste:
1. Chop Some Wood
2. Meat Market
3. Funeral Crusher
4. Ride East
5. Ice Cream Truck
6. Fleshwolf
7. Wasted
8. Oedipus
9. Train Man
10. Thrust Me
11. Dangerzone

 

X Raiders - Weltschmerz ’89 (Suburban Records/Membran, 31.01.2020)
3.8Gesamtwertung