So ein Buch war längst überfällig! Ein Buch über den im April 2010 verstorbenen Peter Thomas Ratajczyk alias Peter Steele, der mit Carnivore und Type O Negative Musikgeschichte schrieb.

Journalist Jeff Wagner nahm sich dieser Aufgabe an. Dabei war ihm selbst klar, dass der Protagonist des Buchs zu Lebzeiten wohl nicht besonders darauf erpicht gewesen wäre, sein Leben Schwarz auf Weiß geschrieben zu sehen. So wundert es auch nicht, dass seine ehemaligen Bandkollegen von Type O Negative sich nicht daran beteiligen wollten. Lediglich Steeles längster Wegbegleiter Josh Silver ließ sich immerhin zu einem E-Mail-Statement hinreißen. Ansonsten bezog Wagner seine Informationen aus Gesprächen mit Peter Steele, die er noch zu Lebzeiten führte. Schließlich verfolgte er den Bassist und Sänger von seinen Anfängen mit Fallout bis zum Ende. Weiter kommen zahlreiche andere Wegbegleiter und Familienangehörige zu Wort. Nicht alles stammt dabei aus erster Hand. Das angefügte Quellenverzeichnis ist allerdings sehr umfangreich, so dass man annehmen kann, dass das Geschriebene durchaus authentisch ist.

Peter Steele stammt aus einer Arbeiterfamilie und verbrachte mit seinen fünf größeren Schwestern eine behütete Kindheit. Er wurde also stets von Weiblichkeit geprägt. Seine Heimat war Brooklyn, das er eigentlich bis zu seinem Ende nie verlassen wollte. Seine Basis der Keller seines Elternhauses. Und was aus diesen unterirdischen vier Wänden erwuchs, ist das Thema dieses Buchs.

Jeff Wagner erzählt sehr genau den Lebensweg von Peter Steele nach. Dabei überrascht es immer wieder wie weit das Bild der Öffentlichkeit und der der private Mensch auseinander gehen. Denn die Zeiten von Carnivore und dem Beginn von Type O Negative waren von Anfeindungen und Boykotten geprägt. Ob es nur an dem etwas seltsamen Humor- und Werteverständnis von Peter Steele oder doch an zahlreichen unbedachten Äußerungen liegt, das kann nach dem Lesen jeder für sich selbst entscheiden. Privat waren dem hoch gewachsenen Mann jedenfalls Dinge wie Ehrlichkeit, Fleiß und Hilfsbereitschaft sehr wichtig. Er war beliebt bei seinen Nachbarn und genoss den Job beim New Yorker Department of Parks and Recreation. Eher zufällig und widerwillig rutschte er ins Profimusiker-Dasein.

Natürlich bleiben auch Frauen- und Drogengeschichten ebenso nicht außen vor, wie sein labiler seelischer Zustand, durch den er sich selbst stets im Weg stand. „Soul on Fire“ ist aber weit davon entfernt ein Skandalbuch zu sein. Jeff Wagner beschreibt mit viel Gefühl, aber auch ziemlicher Deutlichkeit die Lebensgeschichte Steeles. Das Buch ist locker geschrieben und flüssig zu lesen, so dass die rund 300 Seiten in einem Rutsch reinfließen.

Nach dem Lesen hat man das Gefühl Peter Steele ein ganzes Stück besser kennen gelernt zu haben. Und welch besseres Kompliment kann man einer Biografie schon machen? Für Fans ein Muss!

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