Es dürfte mittlerweile kein großes Geheimnis mehr sein, dass ich ein bekennender und gestandener Thrice-Fan bin. Als die Nachricht durchsickerte, dass die vier Kalifornier nun bei Epitaph unter Vertrag stehen und dort ihren neuen Langspieler veröffentlichen werden, war ich also naturgemäß gespannt wie ein Flitzebogen was wohl dabei herauskommen würde.

Bereits im Juni dieses Jahres durfte ich die Band zum zweiten Mal seit ihrem Comeback in der Live Music Hall zu Köln erleben. Doch an diesem Abend spielte das Quartett mit „The Grey“ lediglich einen einzigen neuen Song vom neuen Album, der mich zugegeben auch nicht sonderlich vom Hocker riss, Live allerdings immer noch mehr zu gefallen wusste denn als Studioversion.

Das verschaffte der Vorfreude und Erwartungshaltung dann doch einen Dämpfer. Retrospektiv betrachtet aber vielleicht gar nicht so schlecht, das Schlimmste was man einer neuen Platte antun kann, ist mit vollkommen überzogenen Erwartungen an sie heranzutreten. Das ist bei mir im Falle von „Palms“ nun nicht so.

Eine Feststellung ist geblieben. „The Grey“ ist in meinen Ohren der absolute Schwachpunkt der Platte und klingt nach einem Song, der gezielt als Single geschrieben wurde, unaufgeregt gefällig wirken soll und sich so gar nicht in das Konzept des neuen Langspielers einfinden will. Denn das ist nicht gerade konform oder homogen, ganz im Gegenteil.

Während das Comeback-Album „To Be Everywhere Is To Be Nowhere” noch ein vergleichsweise straightes Rockalbum war, das zunächst wohl vorsichtig versuchte, eine ältere Fanbase erneut anzusprechen und zurück ins Boot zu holen und dabei möglichst keine großen Wagnisse einzugehen, schlägt „Palms“ einen anderen Weg ein.

Direkt der Opener „Only Us“ macht deutlich: Dieses Album wird vielseitiger und experimentierfreudiger ausfallen als der Vorgänger. Mächtige und sehr präsente Synthesizer, die mich spontan an „In This Light And On This Evening“ von den Editors erinnern, begrüßen die Zuhörerschaft zu einer Achterbahnfahrt über elektronische Elemente („The Dark“), unauffällig-gefälligem Indie („The Grey“), hymnischen Melodien und treibendem Grunge („A Branch In The River“), einer lupenreinen Ballade, die an Kings Of Leon erinnert („Everything Belongs“), verträumten Dream-Pop-Momenten („My Soul“), hin zu den mittlerweile fest im Thrice-Repertoire verankerten Hommagen an Radiohead („Blood On Blood“).

Dabei folgen die abrupten Stimmungs- und Genrewechsel teilweise Schlag auf Schlag. Ob einem die Holzhammer-artige Inszenierung des breiten Spektrums nun zusagt oder nicht: Man kommt nicht umher, „Palms“ eine gewisse Kurzweil zu attestieren.

Meine Befürchtungen aufgrund der schwachen ersten Single lösten sich während der Achterbahnfahrt glücklicherweise Stück für Stück auf. Denn die gelungene Mischung aus verschiedensten Elementen aus dem Repertoire der Kalifornier, gepaart mit neuen Vorstößen in elektronische Klangwelten, sind zu einem würdigen Debüt für das Kultlabel Epitaph verwachsen, das zwar sicherlich nicht jeden Fan zufriedenstellen und für die/den eine_n oder andere_n ein wenig zu experimentell sein wird, auf der anderen Seite dürfte in der Carta Thrice aber auch spätestens seit „The Alchemy Index“ deutlich sein, dass diese Band nun mal das tut, worauf sie gerade Lust hat. Und das war in diesem Fall ein bunter Blumenstrauß, auf dessen Live-Implementierung ich schon jetzt gespannt bin.

01. Only Us
02. The Grey
03. The Dark
04. Just Breathe
05. Everything Belongs
06. My Soul
07. A Branch In The River
08. Hold Up A Light
09. Blood On Blood
10. Beyond The Pines

Thrice - Palms (Epitaph, 14.09.2018)
4.8Gesamtwertung