Der Samstag (Teil 1, sieher hier)beginnt für viele mit Regeneration vom vorangegangen Freitag. Wir besuchen zunächst das Camp und begutachten das Bieryoga – Bericht hierzu folgt

Musikalisch geht es eigentlich schon mittags auf dem Camp los – die Awesome Scampis trommeln die Besucher zusammen, es geht anlässlich des 10. Geburtstags vom Rock am Beckenrand als Geburtstagsparade zum Festivalgelände. Gezogen von einem Trecker sitzen die Scampis auf einem Anhänger und smashen ein paar Songs – mit „Dau Dau“ wird letztlich das Festivalgelände erreicht, wo ein Kindergeburtstag – schließlich ist man 10 geworden  – ansteht. Will gar nicht wissen, wie der 18. Geburtstag vom Rock am Beckenrand aussehen wird – bei dieser Gelegenheit bekamen auch die zwischenzeitlich verletzten Camper einen prominenten Sitz auf dem Anhänger und konnten so an vorderster Front mitgrölen.

Wettertechnisch war es leider ein wenig kühl, es regnete zwischendurch, aber dafür war der Boden weniger staubig als am Vortag – und immerhin stand man nicht im knietiefen Matsch wie im Jahr 2017! Es hielt jedenfalls viele dennoch nicht vom Badevergnügen und Unterwassershooting ab!

Das musikalische Bühnenprogramm beginnt mit Mick Baff mit einem frischen Crossovermix, den ich allerdings nur aus der Ferne vernommen habe.

Mit Marta Jones beginnt das Rockprogramm auf der Hauptbühne mit einer lokalen Band – wo ich mich persönlich fragte, ob ich nicht den Sänger im Vorjahr am Grillstand gesehen habe? Wahrscheinlich ja.

Kurios wurde es anschließend auf der Poolstage: Hasenscheiße stehen auf der Bühne mit ihrem wilden Mix aus Comedy, Folklore, Theater und viel Witz! Das Publikum fand’s gut und feierte gemeinsam mit den Kötteln ein witziges Fest!

Die Freunde der harten Töne hatten dann ihren Programm auf der Hauptbühne – Annisokay aus Halle/Saale standen auf der Bühne. Sie brachten ihre neue Scheibe “Arms” mit an den Beckenrand und zeigten, dass sie auch live eine ungeheure Energie auf die Bühne und in die ersten Moshpits des Tages bringen konnten, denn das Gelände füllte sich zu Annisokay so langsam. Zum Schlusspunkt „Unaware“ streikte kurz die Technik, davon ließ sich die Band jedoch nicht abbringen – singt man halt nochmal, schließlich waren doch einige für Annisokay gekommen. Toller Auftritt einer sehr sympathischen Band! Wir konnten im Anschluss ein Interview mit der Band führen, welches in Kürze hier erscheinen wird.

Den Pokal für die weiteste Anreise gebührt am Samstag den Allgäuern von Stepfather Fred mit tollen basslastigen Rockstücken. Sie blieben den ganzen Abend in Erinnerung, den sie brachten große Wasserbälle mit Melonenoptik mit, die den restlichen Abend als Spielzeug nur zu Stepfather Fred für gute Laune sorgte.

Vor der Hauptbühne wurde es voll – Chefboss unterhielten das Publikum mit ihren Rap/Dancefloor-Auftritt. Ich muss zugegeben, diese Art Musik überhaupt nicht zu mögen, aber was soll’s, fürs Auge wurde hier echt was geboten. Hey, das ist ein Festival – kucken erwünscht! – und das Publikum ging voll mit.

Zeit für die Headliner: Am Pool waren das keine geringeren als die zukünftigen Rock-Am-Beckenrand-Dauerkarteninhaber Awesome Scampis. Die Scampis gaben offen zu, dass es der Auftritt des Jahres für sie ist – schließlich sind sie selbst mit zwei Reisebussen voll mit Fans angereist! Vor der Bühne war es so voll, dass das Publikum rings um den Swimming-Pool stand, so dass Sänger Björn ziemlich häufig den Kopf drehen musste, um das gesamte Publikum zu erfassen! Die Scampis brachten auch einen neuen Song und den neuen Posaunisten Sushi mit, der zum Ende des Konzertes auch stagedivend in den Pool befördert wurde. Er war da nicht der einzige, aufgrund der Enge ist sogar ein Zuschauer in den Pool gefallen! Wie eigentlich immer gaben die Scampis alles und brachten ihr komplettes Party-Programm auf der Bühne: vom Trompeten-Solo mit beleuchteten Pfeilen – die Taubenmaske und die Anti-Tauben-Fahne, die zu “Tauben vergiften” zum Einsatz kommt. Das Rock am Beckenrand-Team steuerte zudem noch aufblasbare tanzende Dinosaurier zu – großartig! Zum Abschluß – nachdem natürlich „Dau dazu“ gesmasht wurde –  machte sich Posaunist Sushi “Seven Nation Army” auf der Posaune spielend – zur Mainstage auf – er wurde dorthin getragen! Der Versuch von Sänger Björn auf dem Einhorn zu reiten, ging allerdings schief und gab leider eine böse Bruchlandung – gute Besserung dem Rücken! Eine megatoller Auftritt. Die Band lud noch zum Meet + Greet am Merchstand ein, bei dem es auch einen Pfeffibrunnen gab in Form eines Pfeffi-spuckenden Einhorns – sehr, sehr großartig, liebe Scampis. Wir verneigen uns vor diesem Auftritt!

Es folgt der Headliner des Abends – Sirenen sind zu hören und Madsen betritt mit selbigem Song die Bühne! Zugegeben, ich habe Madsen schon öfters gesehen, an diesem Abend, als Headliner eines kleinen Festivals, aber sie brachten die komplett gefüllte Liegewiese zum Tanzen – inklusive eines Moshpit nur für Frauen. Leute, das ist nix für schwache Nerven, mit Männern war es harmloser (Ergänzung der Fotografin) – “Du schreibst Geschichte”! Auch in der Historie des Festivals schreib dieser Auftritt Geschichte, denn die Band sagte selbst “wir sind eigentlich prädestiniert für dieses Festival“. Was meinten sie nur damit? Sänger Sebastian Madsen machte jedoch klar, dass es nicht akzeptabel ist, dass die NPD den Song “Du schreibst Geschichte” für sich verwendet hat – mit klarer Distanzierung! Gut so! Madsen hatten alle Hits “in Perfektion” im Programm. “Love is a Killer” – aber auch das ruhige “so cool bist Du nicht” durfte nicht fehlen. Toller Auftritt, der jedoch noch eine ganz besondere Note hatte.

Es ist dunkel, es ist spät und die Band hat doch einen Song der sich “Nachtbaden” nennt und wir sind bei “Rock am Beckenrand” – jedem klar, was nun passiert?

Richtig, IN DEN POOL!

Obwohl es wirklich kalt war, entledigten sich viele ihrer Kleidung und die Party wurde so kurzerhand in den Pool verlagert – einige hatten hierfür die Badesachen druntergelassen, einige sprangen halt in Unterwäsche rein, nicht wenige haben aus Nachtbaden zudem noch Nacktbaden gemacht und begaben sich auch auf dem gut sichtbaren Riesen-Spinner.

Natürlich war für ausreichend Sicherheit gesorgt, die Lichter unter der Wasseroberfläche gingen pünktlich an und genug Rettungskräfte waren vor Ort – die Wasserrutsche war natürlich gesperrt, ups wen haben wir den da erwischt – was für eine Party!

Zum Ausklang dieses megatollen Festivals spielten Reis against the Spülmaschine ihr Akkustik-Programm auf der kleinen Wohnzimmerbühne am immer noch  prallgefüllten Biergarten. Ein toller Ausklang – leider haben wir es nicht mehr nah an die Bühne geschafft, so dass wir hierzu nichts bebildertes haben – aber auch die Songs waren nette Unterhaltung an den Ständen – “You got the Fight for your Reis” und “in the Netto” sorgten doch für ordentlich Vergnügen! Auch die Tische und Bänke hielten, denn hier standen teilweise die Leute drauf, um noch ein Blick auf die Bühne erhaschen zu können!

Bleibt nur Danke zu sagen, an die tolle Crew, die sich für Bands und Presse richtig den Hintern aufreißt! Ihr seid top! Eine nette und zurückhaltende Security und vielen tollen Bands!

Rock am Beckenrand 2018 – Du warst einfach nur der Hammer! Bis nächstes Jahr!

Fotos: Tanja Krell – RuhrWurf-Fotografie

Folgt:

  • Fotoserie
  • Juniorreportage aus dem Camp Awesome
  • Interview Annisokay