Kurz nach der Veröffentlichung vom neuen AlbumAcross the Borders habe ich die Gelegenheiten genutzt und Anchors & Hearts ein paar Fragen per Mail zukommen lassen, die Sänger und Schreihals Manuel auch beantwortet hat.

 

 

Hey, ich kenn die eine oder andere Vorgängerband schon eine ganze Weile. Wer von euch hat vorher bei welcher Band gespielt?

Danke für das Interview erstmal. Es waren insgesamt 3 Bands: Timo (Gitarre) und Torben (Schlagzeug) spielten vorher bei Tiny Y Son, Sebastian (Gitarre) und Tim (Bass) bei The Downfall Ends und ich habe bei A Chinese Restaurant gespielt. Aus 3 lokalen Bands mal eben eine gemacht und es funktioniert sehr gut.

Wie kam es dann zu Anchors & Hearts in dieser Zusammenstellung? Kanntet ihr euch alle vorher?

Wir kannten uns alle gefühlt ewig schon privat und haben einige Shows zusammen gespielt. Teilweise wurde untereinander hier und da auch schon auf der Bühne ausgeholfen oder der eine war bei der anderen Band als Crew mit dabei. Ungefähr zeitgleich waren die 3 Bands an einem Punkt wo man einen stillstand bemerkt hat. Ein paar Monate später waren wir Anchors & Hearts.

Ihr macht Melodic Hardcore. Ihr fühlt euch also eher in der Punk-/Hardcoreecke zu Hause? Kommt ihr alle aus der Richtung?

Tatsächlich sind wir alle mit einer großen Portion Punkrock aufgewachsen. Ich denke das hört man durchaus auch heute in unseren Songs. Wir wurden vor kurzem sogar als Metalcore mit Pop-Punk-Refrains betitelt. (Anmerkung: Das war in meiner Review!)  Das kommt davon.  Ansonsten haben wir 5 ganz verschiedene Musikgeschmäcker in der Band, was gerade im Tourbus immer wieder sehr interessant ist.

Momentan wird viel über Sexismus in der Konzertlandschaft, vor allem auch im Punk und Hardcore, gesprochen. So haben sich ganz aktuell Wolf Down nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihren Gitarristen aufgelöst. Habt ihr bewusst Vorfälle mitbekommen? Als Gast oder auch bei euren Shows?

Davon haben wir auch nur auf Facebook gelesen. Das Thema ist für uns so sehr ein No-Go, dass man nicht mal darüber sprechen muss. Es wird nicht totgeschwiegen, es führt einfach zu Betroffenheit und Sprachlosigkeit, wenn man sowas mitbekommt. Wir kennen Wolf Down nicht persönlich und haben sie nie auf Konzerten getroffen, was aber auch nichts an unserer Meinung gegenüber Gewalt und Sexismus ändern würde.

Ihr engagiert euch für Sea Shepherd und seid auch in euren Texten engagiert. Wie wichtig ist euch politisches Statement und Aussage in der Musik. Bei eurer eigenen und bei Bands die ihr hört?

Wir haben klare Linien und wissen wofür/wogegen wir sind, sehen uns jedoch nicht als politische Band! Eher sozialkritisch. Wir nutzen unsere Reichweite gerne für Dinge die uns am Herzen liegen, verteufeln aber niemanden der nicht komplett unserer Meinung ist. Es gibt viele gute, politische Bands, die wir auch selbst hören. Und es ist verdammt wichtig, dass es sie gibt. Ich denke, dass unsere Texte kritisch zum Nachdenken anregen, jedoch zu allgemein formuliert sind, um als politisch bezeichnet zu werden.

Aktuell habt ihr „Across the Borders“ draußen. Worum geht es textlich in euren Songs?

„Across the Borders“ ist vielseitige Sozialkritik, Lebenserfahrung, Kompromisslosigkeit und besserwisserische Ironie. Da gibt es den Titeltrack, der sinnlose und in die Jahre gekommene Abgrenzungen zwischen Menschen einreißen soll. Es gibt Songs, die dich aufwecken sollen, dich in deinem Daily-Job nicht ausbeuten zu lassen. Es gibt den kritischen Song, über „Germanys Next Topmodel“ oder den über Gerede hinter dem Rücken. Ich glaube, das klingt interessant genug um mal reinzuhören.

Kaum jemand kann heute von der Musik alleine leben. Was macht ihr neben Shows spielen und Platten aufnehmen sonst beruflich?

Bei uns sind alle noch voll berufstätig. Wir lassen das Geld was die Band verdient auch in der Band. Das klappt seit Jahren sehr gut und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: Dieser Weg ermöglicht uns ein entspannteres Bandleben, als wenn am Ende eines Monats 5 Typen plus Family, plus Crew, plus laufende Kosten der Band bezahlt werden müssen. Wir machen alle schon sehr lange Musik. Leider geht der Trend derzeit dahin, dass kleinere Touren unseres Genres, ohne dicken Headliner und dem großen Merch Händler mit „I“ auf der Eintrittskarte kaum besucht sind – alles auf eine Karte zu setzen und rein von der Musik zu leben wird dadurch immer schwieriger.

Zu Plänen brauch ich mit dem neuen Album und vielen Liveterminen wohl gerade nicht fragen, oder?

Dazu sage ich nur: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel! Hinter den Kulissen gibt es keine Pause. Vielen Dank für eure schönen Fragen und bis demnächst auf Tour!

 

 

Foto: Lost Realist Photography / Peter Detje