Rock am Beckenrand 2018 – mir fehlen immer noch die Worte, was für ein Feierbiest du warst! Worte müssen wir dennoch darüber finden – denn es ist so unglaublich viel passiert bei einem Festival der Superlative. Wir berichten darüber in einer fünfteiligen Serie!

Starten wir mit Tag 1, dem Freitag. Einige Besucher haben zwar am Vorabend bereits ein Beer-Pong-Turnier hinter sich gebracht – für die war es dann schon Tag 2. Das Hauptprogramm aber begann um 15:00 Uhr auf der Poolstage – die Band REACH eröffnet das Festival mit „Song 2“, mathematisch gesehen ein Widerspruch, aber trotzdem irgendwie passend als Aufbruch in ein unvergessliches Festival.

Die Mainstage wurde im Anschluss von den Alternative-Rockern von Kyles Tolone eröffnet, deren aktuelles Werk “Of Lovers & Ghosts” bereits im Vorjahr von uns empfohlen wurden. Mit einem sympathischen Auftritt bestätigten sie den gewonnen Eindruck auch eine sehenswerte Live-Band mit tollem Sound zu sein!

Die Ska-Punker von Boxing Fox haben sechs Jahre Auftrittspause hinter sich – da kann man ja mal am Pool für gute Laune sorgen und das Publikum für spätere Ska-Acts warmtanzen lassen! Das gelang – ich persönlich habe mich hierzu ins kühle Nass begeben! Gut, dass man diesen Auftritt auch aus dem Wasser verfolgen konnte – wenn es auch trotz Jahrhundertsommer ein wenig kalt war, die Wassertemperatur war es nicht und auch die 13 m lange Wasserrutsche und der Riesen-Spinner mussten doch erprobt werden!

Auf der Hauptbühne wurde es laut – die ikrainische Metalband Jinjer versetzte das Publikum doch ins Staunen. Das liegt an der Sängerin Tatiana Shmailyuk – und hier ist nicht ihr Lack- und Leder-Outfit gemeint, sondern Growls mit dermaßen tiefer Stimme, dass sich viele im Publikum fragten, wie sie das nur anstellt, zumal der Unterschied zum Klargesang doch recht krass war. Ein sehr druckvoller Auftritt für Freunde der harten Töne!

Headliner auf der Poolstage waren die Berliner von Smile and Burn! Diese nutzten einfach mal die Location, um ein paar Rekorde der Bandgeschichte aufzustellen! Noch nie hatten sie einen Mosh-Pit im Pool – zugegeben, ich hatte bis dahin auch noch keinen gesehen – aber Smile and Burn hatten diesen auch verdient. Die Band feierte mit dem Publikum und animierte zudem noch das Badepublikum dazu, einen Weltrekord im Rutschen aufzustellen: “Wie oft kann das Publikum während eines Smile-and-Burn-Songs die kleine Rutsche runterrutschen?” – Die Antwort lag irgendwo um die 38. Ganz klar: Weltrekord! Der einzige der nicht baden ging (zumindest nicht in den kalten Pool) war Sänger Philipp, obwohl ihn das Publikum gerne dorthin befördert hätte! Dennoch mal wieder ein toller Auftritt, der mega Spaß machte!

Mega Spaß hatte im Vorfeld des eigenen Gigs offenbar auch die Band Liedfett! Es wurde langsam Abend, die Sonne senkte sich und Liedfett begann sehr stimmungsvoll. Gerüchten zufolge wurde wohl auch schon im Vorfeld dem Alkohol gefrönt – jedenfalls sorgte Sänger Daniel dann doch für erstaunen, als er nach zwei Songs verkündete, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist und dann die Bühne verließ – offene Münder! Diese schlossen sich jedoch wieder und die Band kehrte bald zurück – toller Gag und auch toller Gig, was daran zu erkennen ist, wie voll es inzwischen vor der Bühne wurde! Die Kleidung auf der Bühne wurde auch weniger und hier wurde doch ordentlich reingebügelt!

Denn eines ist Rock am Beckenrand 2018 ebenso gelungen: viele viele verkaufte Tickets, so dass man das Gelände voll hatte und gar nicht mehr soviel zum Ausverkauf fehlte.

Co-Headliner des Freitags waren Montreal. Yonas, Hirsch und Max Power hat es erstmals an den Beckenrand verschlagen und was für ein Auftritt das mal wieder war! Schlagzeuger Max Power wurde nicht nur zu seinem Song – wie bei Montreal-Konzerten als Running-Gag üblich – abgefeiert, er musste auch stagedivend Schnaps vom Getränkestand holen – das war kein kurzer Weg, den er zurücklegen musste. Sondaschule-Sänger Costa Cannabis musste als Uhrenhalter zum Stoppen der 120 Sekunden herhalten – eine Punktlandung! Mit Charme und Witz hatte Montreal das feierwütige Publikum im Griff – nach eine Stunde und 15 Minuten musste dann aber das Zepter an die Sondaschule übergeben werden. Yonas erzählte zuvor, dass ein Festival mit Sondaschule und Liedfett eine Art Familientreffen ist – man hörte, dieses Treffen ging wohl auch recht lange….

Aber zurück zur Musik: die ersten Töne von Sondaschule – damit ist nicht nur Band, sondern auch das gleichnamige Lied gemeint – und schon dreht das Publikum durch, “weil wir von der Sondaschule sind”! Die Stimmung war riesig, die Tanzzone entsprechend groß und in Zeiten von pöbelnden LKA-Beamten hat “Waffenschein bei Aldi” eine ganz neue Relevanz, wie auch Costa Cannabis richtigerweise feststellte – “wir haben ein Problem: Wutbürger!” Das Akkustik-Set wurde aufgrund der Spielzeit von 1:15 std. auf “Rip Audio” begrenzt – den Gesangspart wurde vom Publikum ergänzt. Wie immer lieferte Posaunist Chris Altmann eine ordentliche Show ab! Yonas und Hirsch revanchierte sich für den Gastauftritt zuvor und kamen ebenso auf die Bühne zurück, allerdings haben sie auf dem Weg ihre Kleidung verloren – übrig blieb ein formschöner Hodenwärmer in Form einer Ringelsocke! Großartig!

Ansonsten ist es mir noch nie zuvor passiert, dass ich in die Pogo-Zone springen und glitzernd wieder herauskomme – passte irgendwo auch zu diesem Abend! Was für ein Abend! Müde und erschöpft ging es dann ins Bett – es folgt ja noch Tag 2 und für euch liebe Leser, noch ein weiterer Artikel.

 

Fotos:  Tanja Krell – RuhrWurf-Fotografie

 

Folgt:

Rock am Beckenrand – Tag 2

Rock am Beckenrand – Juniorreportage aus dem Camp Awesome inkl. Scampis-Bustour

Fotoserie

Interview mit Annisokay