Und schon geht es weiter mit den Wiederveröffentlichungen der alten Noise-Alben von Running Wild. Vor zwei Wochen waren die Alben Nr. 1 bis 5 dran, jetzt folgen die vier Platten, welche zwischen 1991 und 1995 erschienen sind. Damit befinden wir uns immer noch mitten in der stärksten Phase der Band um Rolf „Rock’n’Rolf“ Kasparek, die mit ihrem rustikalen Heavy Metal damals eine echte Hausnummer und eine äußerst verlässliche Größe war. Man wusste was einen beim Kauf einer Platte von Running Wild erwartet, und dass es gut sein wird.

Die Aufmachung ist dieselbe wie bei der ersten Rutsche. Die Platten kommen als handelsübliche Digipacks mit interessanten Linernotes im Booklet daher. Die Artworks wurden nicht „aufgefrischt“ oder sonst wie verschandelt. Der Sound wurde bedächtig remastert. Hier ist der Unterschied aber nicht mehr wirklich zu hören. Anfang der 90er war die Studiotechnik eben schon auf einem ziemlich hohen Stand. Zu jedem Studioalbum hat man ein paar Bonustracks gepackt, die aber in den wenigsten Fällen wirklich ein Kaufargument sind.

 

Rock’n’Rolf & Co. legten weiter ein beachtliches Tempo in Sachen Veröffentlichungen vor. Ein Jahr nach „Blazon Stone“ erschien 1992 „Pile Of Skulls“. Mit einem schmucken Cover von Andreas Marschall versehen, bietet es natürlich wieder Running Wild in Reinkultur. Zehn neue Songs (plus Intro) und eine Spielzeit von fast einer Stunde sind schon mal eine Ansage. Geändert hatte sich nur mal wieder Besetzung. Der langjährige Bassist Jens Becker hatte sich verabschiedet und Interims-Schlagzeuger AC war ebenfalls passé. Dafür kehrte Stefan Schwarzmann hinter die Schießbude zurück und brachte von U.D.O. gleich Thomas „Bodo“ Smuszynski mit.

Eröffnet wird das Ganze von einem pathetischem Intro und dem schmissigen Stampfer „Whirlwind“. Da fühlt man sich als Fan natürlich gleich zu Hause. Auch die Piratensongs waren wieder da. Die Eröffnungsnummer war nicht die einzige. Weiter folgen die schmissige Vorab-Single „Lead Or Gold“, das launige „Jenning’s Revenge“ mit seinem großen Mitsing-Refrain und sowie „Treasure Island“, ein regelrecht epischer Longtrack, der alleine schon die Anschaffung der Platte rechtfertigt. Gleichzeitig traten Running Wild hiermit zwischendurch den Beweis an, dass sie nicht nur hymnische Stampfer und rasante Uptempo-Tracks drauf haben, sondern es auch etwas atmosphärischer können.

Natürlich standen die Kernkompetenzen auf „Pile Of Skulls“ absolut im Vordergrund. An sich schrieben Kasparek und seine Spießgesellen schon seit Jahren irgendwie immer wieder denselben Song. Aber eben auf einem gleichbleibend hohen, unterhaltsamen Niveau. Und auf der anderen Seite gibt es eben keine Metalband die wirklich genauso klingt wie Running Wild. Also alles richtig gemacht, mit diesem unverwechselbaren Stil mit jede Menge Charakter. Und wer konnte auch auf Album Nr. 7 Songs wie dem ratternden Titeltrack, dem kernigen, etwas schleppenden „Black Wings Of Death“, dem Midtemp-Stampfer „White Buffalo“ oder „Lead Or Gold“ widerstehen?

„Pile Of Skulls“ hat man eine ganze Bonus-CD mit sechs Stücken spendiert, die in der Mehrzahl auch schon auf anderen Editionen der Platte verfügbar waren. „Hanged, Drawn And Quartered“ und „Win Or Be Drowned“ waren die B-Seiten zur Single „Lead Or Gold“ und tönen ganz nett. Die mit der damaligen Besetzung neu eingespielten Nummern „Beggar’s Night“ und „Uaschitschun” kennt man auch schon. Nicht zuletzt sind die auch auf den aktuellen Re-Releases von „Port Royal” und „Under Jolly Roger“ zu hören. Und zum guten (?) Schluss hat man auch noch zweimal die Best Of von 2003 geplündert.

 

Trackliste:

CD1:
1. Chamber of Lies
2. Whirlwind
3. Sinister Eyes
4. Black Wings of Death
5. Fistful of Dynamite
6. Roaring Thunder
7. Pile of Skulls
8. Lead or Gold
9. White Buffalo
10. Jennings‘ Revenge
11. Treasure Island

CD2:
1. Beggar’s Night (’92 Alternative Version)
2. Hanged, Drawn and Quartered
3. Win or Be Drowned
4. Uaschitschun ’92
5. Whirlwind (Re-recorded Version 2003)
6. Treasure Island (Re-recorded Version 2003)