Die Touristen sind wieder unterwegs. Das sympathische Folk-Quartett aus Köln-Ehrenfeld feierte jüngst am 21. September die Veröffentlichung ihres neuen Albums „The benefit of doubt“ und gehen mit eben jenem nun auf mittelgroße Deutschland-Tour. Ich traf drei der vier am 3. Tag der Tour im Heimathafen, Duisburg. Der vierte im Bunde, Konstantin, war leider krank, sodass Isa, Ben und Martin als Trio spielten. Vorher jedoch standen sie mir Rede und Antwort

 

T: Hey ihr drei, schön, dass ihr da seid. Glückwunsch zum neuen Album. Ihr seid auf Release-Tour, 3. Tourtag. Wie war es denn bisher?

B: Vielen Dank. Bislang war es wirklich sehr schön. Sehr unterschiedlich, aber sehr schön. Leider ist Konstantin krank geworden gestern, deswegen haben wir in Haldern nur zu dritt gespielt und heute spielen wir auch nur zu dritt. Aber ab voraussichtlich morgen sind wir wieder zu viert.

 

T: Zum neuen Album. Inwiefern unterscheidet es sich von seinen Vorgängern? Gibt es überhaupt Unterschiede?

B: Oh ja, sehr viele, glaub ich.

I: Ja, also, ein ganz prägnanter Unterschied ist die Zeit, die wir uns dafür genommen haben. Beim letzten Album waren wir in Berlin im Studio, wo wir 10 Tage am Stück aufgenommen und das Album „durchgeprügelt“ haben. Diesmal hatten wir einen langen Prozess, haben uns regelmäßig in einem Raum getroffen, konnten Sachen verwerfen, neu machen. Einfach etwas mehr für uns ins Detail gehen. Es war ein deutlich intensiverer Prozess, sonst war es eher reingepresst in einen Zeitraum. Jetzt hatten wir viel Zeit, was wiederum aber auch stellenweise dazu führte, dass man sehr detailverliebt wird und an den kleinsten Sachen noch herumschrauben möchte. Dann merkt man aber – hey, dass ist cool so, das lassen wir so, wir müssen auch weiterkommen und wollen ja irgendwann fertig werden.

B: Martin ist auch neu dabei, das ist auch ein Unterschied.

 

T: Martin, wie ist es so als neues Bandmitglied?

M: Es ist meine erste Band-Erfahrung und es ist sehr spaßig. Ich brauchte zwar eine Zeit um reinzufinden, aber hat unglaublich viel Spaß gemacht, die Songs so schnell zu lernen.

 

T: Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet und welchen Stellenwert hatte dabei das Crowdfunding?

I: Insgesamt haben wir etwa ein halbes Jahr aufgenommen. Davor standen die Songs so gut wie komplett. Wir haben dann während des Prozesses hier und da noch an den Songs gefeilt. Wenn man die Songs dann aufgenommen hört, gibt dies einem eine ganz neue Sicht auf das Werk und man merkt, was tut den Songs eigentlich gut und was eher nicht, damit sie wirklich ihre volle Größe entfalten können.

B: Ich glaube während wir an dem Album gearbeitet haben, hatte das Crowdfunding erstmal keinen Stellenwert. Was ich auch schön fand, weil wir uns während der Aufnahmen keine Gedanken darum gemacht haben wie wir das Ganze bezahlen. Das kam erst am Ende, wo wir gedacht haben „Oh, wir haben jetzt sehr viel aus eigener Tasche bezahlt. Nichts aus der Bandkasse genommen, nicht das erarbeitete Geld, sondern aus den eigenen Ersparnissen geschöpft.“ Da kam uns die Idee, dass es ja ganz cool wäre wenn man das Geld irgendwie wieder reinholt und dies mit einer Sache wie Crowdfunding, wo die Leute vorbestellen können und selbst was davon haben, verknüpfen kann. Das ist, glaub ich, ein schöner Kompromiss.

 

T: Leute, ich geh in ein Restaurant. Schau in die Karte. Und da gibt’s eine Menüempfehlung namens „The benefit of doubt“. Was erwartet mich und warum?

B: Dich erwartet… ein leckerer Braten, der sehr sehr lange gegahrt – aber trotzdem, oder gerade deswegen, unglaublich zart ist. Garniert ist er mit viel buntem Gemüse, knackig, aber trotzdem nicht roh. Also es passt alles richtig gut zusammen, es zergeht dir im Mund und du denkst dir, du möchtest nie wieder was anderes essen. (lacht)

M: Das Dessert wäre dieses frittierte Eis. Wobei du einfach nicht genau verstehst, wie es funktioniert und wobei du nicht genau weißt, was drin ist.

 

T: Ich möchte meiner Oma gerne erklären, was ihr für Musik macht. Was sag ich ihr?

B: Sie soll sich am besten mit meiner Oma treffen. Ich glaube die kann das inzwischen ziemlich gut erklären. Dann können die sich ein bisschen über die Musik unterhalten und nach 5 Minuten würden sie sich gemeinsam darüber aufregen, dass wir nicht auf Deutsch singen. Meine Oma möchte nämlich immer gerne wissen worüber ich so singe und ich bin dann immer ganz froh, dass ich nicht auf Deutsch singe.

I: In Omasprache?

B: Ein bunter Strauß schöner Melodien.

I: Wahrscheinlich würde man dann irgendwann dazu übergehen und sagen „Ja, die haben Gitarren und die singen mehrstimmig. Das klingt total harmonisch. Und ein Klavier ist auch manchmal dabei. Und ein Harmonium. Das ist ein ganz tolles Instrument, das sieht so aus wie ein Akkordeon – nur anders.“

 

T: Okay, letzte Frage. Wenn ihr auf der feierlichen Amtsenthebung des aktuellen amerikanischen Präsidenten spielen dürftet und ihr dürftet 4 Coversongs spielen, welche wären es?

K: (wurde telefonisch befragt) The Beatles, „Hello Goodbye“.

B: Jeder Song mit „Goodbye“ wäre gut. „Time to say goodybye“ – ach nee, der ist zu traurig.

I: Es sollte etwas feierlicheres sein.

B: „Oh happy day“ fände ich gut. Und ein großer Gospel-Chor begleitet uns.

M: Paul Simons „American Tune“, er hat eine ähnliche Stimmung wie „Don’t worry, be happy“.

I: Schwierig. Ich kenn ja nur so Schmusehits und Kuschelrockballaden. Aber ich glaube ich würde ich für „American Pie“ entscheiden.

 

T: Vielen Dank, es hat mir eine große Freude bereitet. Viel Spaß beim Konzert und eine schöne Tour euch. Und an Konstantin an dieser Stelle noch eine GUTE (und schnelle) BESSERUNG!

 

 

7. Oktober – Pension Schmidt, Münster
16. Oktober – Café Einstein, Emden
17. Oktober – Ex-sparr, Hamburg
18. Oktober – Lagerhalle Spitzboden, Osnabrück
19. Oktober – Sissikingkong, Dortmund
20. Oktober – Wohnzimmer, Halle
21. Oktober – Wohnzimmerkultur, Potsdam
23. Oktober – Alter Roter Löwe Rein, Berlin
24. Oktober – Filmwerk Helmbrechts, Helmbrechts
25. Oktober – heimathafen, Wiesbaden
26. Oktober – BAR am Funkeneck, Freiburg
27. Oktober – Café Galao, Stuttgart

 

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