Gefühlt alle fünf Jahre verschlägt es mich nur noch ins Rattenloch nach Schwerte – da wo alles begann… wo ich zu einem der Menschen wurde, vor denen mich meine Eltern früher immer gewarnt hatten.

Was haben wir früher für Partys gefeiert, Filme gedreht, politsche Arbeit geleistet, oder einfach nur Konzerte veranstaltet und abgerissen… wir waren jung, wir waren unverbraucht… und wir waren natürlich unsterblich!

Ob …but Alive, EA80, die Boxhamsters, Dritte Wahl, oder so geile Ami-Bands wie Jawbreaker, Mr. T Experience, Yuppicide… und wie sie nicht hießen – wir hatten sie damals alle!

Zur ersten Generation der Kunterbunt-Verantwortlichen gehörend, habe ich quasi im Rattenloch gewohnt und hätten mich so unangenehme Dinge wir Arbeit usw. nicht irgendwann zu einer gewissen Seriösität gezwungen… ich würde möglicherweise immer noch dort abhängen.

Seitdem die Küste meine Heimat geworden ist, geht es also nur noch selten in die „Heiligen Hallen“ und am letzen Wochenende war es nun endlich mal wieder so weit… war ich doch dank meines Geburtstages eh in der Nähe und da kann man doch seiner alten Wirkungsstätte mal eben einen entspannten Besuch abstatten, oder!?

Schon nach wenigen Minuten sah ich mich in ausschweifenden Gesprächen mit früheren Weggefährten vertieft und man verfiel direkt im Schwelgen in der Vergangenheit… immer mit dem guten Gefühl, dass die bereitgestellte Kaltschale an dem Tag aber auch ganz besonders gut mundet und man ja eh schon unsagbar lange kein KRONEN EXPORT mehr zu sich genommen hatte – wie hätte Ditsche so schön gesagt, eine optimale Verperlung war quasi vorprogrammiert!

Nach und nach füllte sich der Laden zusehens und schon jetzt fiel auf, dass neben den üblichen Verdächtigen – die sowieso immer anwesend sind – auch ein guter Schwung Gäste reinstolperte, die der Gruppe der ehemals aktiven „Alt-Kubus“ zugeordnet werden konnten und den anstehenden Abend zu einem ganz besonderen Moment mit Klassentreffen-Charakter werden lassen sollten.

Nachdem ich gefühlt mindestens zwanzig alte Mitstreiter umarmt, mit ihnen gelabert und auch mit selbigen unzählige Male angestoßen hatte, sollte es dann endlich gegen 21:00 Uhr mit der ersten Band des Abends, den Jungs von TWEAK MACHINE, los gehen. Ab der ersten Minute schlug mir lupenreiner experimenteller Rock um die Ohren und neben der Tatsache, dass mir die Band musikalisch eh zusagt, – hatte ich doch schließlich die Debüt-EP schon im letzten Jahr positiv im Rahmen einer Rezi abgenickt – so freute ich mich vielmehr über die bekannten Gesichter auf und vor der Bühne… dank der „Zuruf-Verlosung“ der neuen CD konnte das Publikum – welches mittlerweile auf gut über 50 Gäste angestiegen war – dann sogar nach vorne gelockt werden.

Aber wie es nunmal so ist, die Kiste mit CDs war nicht mal zur Hälfte leer, da wurde bereits das letzte Lied angekündigt und die mittlerweile gut in Wallung gekommen Gäste gaben noch einmal alles, bevor es dann nach gut einer Stunde wieder zurück an die Theke ging – wo sich nun erstaunlicherweise noch mehr altbekannte Gestalten rumtrieben und man aus dem gegenseitig Abfeiern und den „wann haben wir uns eigentlich das letzte mal gesehen„, oder den „ach du lebst ja auch noch?!“ und den „ach was, du hast mittlerweile auch Kinder?“ Gesprächen beinahe gar nicht mehr an die Bekämpfung der Dehydrierung dachte.

Nachdem man diesem Fauxpas schnell entgegen gewirkt hatte, ging es dann zu recht später Stunde mit dem umfangreichen musikalischen Spektakel der Münsteraner Truppe von SPIN MY FATE weiter, deren Album ich erst vor nicht allzu langer Zeit rezensiert hatte und ich aufgrund des fetten CD-Sounds dann schon sehr gespannt auf den Gig war. Rein musikalisch gab es aus meiner Sicht auch wenig zu meckern, aber scheinbar hatte man im Vorfeld nicht darüber gesprochen, wieviel Zeit jede Band zur Verfügung hatte. Irgendwie hauten die Jungs eine Nummer nach der anderen raus und das mitgebrachte und auch das heimische Publikum hatte sichtlich Laune an den Songs. Aber mal ehrlich, als nach 1 1/2 Stunden immer noch kein Ende in Sicht war, machte ich mir langsam Gedanken, wann denn die Jungs von PIGS CAN FLY nun wohl endlich die Bühne stürmen würden?!

Ich meine, es war schon beinahe 00:00 Uhr und als Headliner dann so spät zu starten birgt ja die Gefahr, dass der eine oder andere bereits auf dem Heimweg war bzw. eh nicht mehr ganz Herr seiner Sinne sein würde – ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die Bandmitglieder über den Abend verteilt ja nunmal auch nicht nur Milch getrunken hatten. Aus gut unterrichteter Quelle – danke Enne 😉 – bekam ich zusätzlich den Hinweis, dass man für den Gig eh nur zweimal gemeinsam geprobt hatte und schauen müsse, was denn da an dem Abend so geht!

Zu später Stunde gaben die vier Jungs von PIGS CAN FLY dann nochmal alles – sogar die liegen gebliebenen CDs von TWEAK MACHINE wurden bereitwillig ans Publikum transferiert – und jeder Song wurde noch von den in hoher Zahl vorhandenen Gästen abgefeiert… waren die Herren doch zuletzt vor zwei Jahren aufgetreten, sodass man schon von einem kleinen Revival-Gig sprechen konnte!

Wie das Ganze am Ende ausgegangen ist kann ich nicht genau sagen, da ich leider um kurz nach 01:00 Uhr abhauen musste, da ich sonst in der elterlichen Wohnung nicht mehr reingekommen wäre… so manches ändert sich halt nie! Tja, selbst schuld wenn man den Schlüssel für seine Unterkunft vergisst! 😉

Natürlich kam ich erst aus dem Rattenloch raus, nachdem ich gefühlt eine halbe Stunde lang Hände geschüttelt, Umarmungen ausgehalten und Verabredungen für die nähere Zukunft eingetütet hatte – also verabschiedete ich mich dann irgendwann mit einer Träne im Augenwinkel vom immer noch feiernden „Rattenloch Allstar-Team“… nicht jedoch ohne lauthals auf das am 24.02.2018 geplante HANDWRITTEN ROCKFEST im Rattenloch hinzuweisen, zu welchem ich natürlich wieder auftauchen werde und wo Bands wie KEELE (Punk/Hamburg), die AWESOME SCAMPIS (Ska-Punk/Bergkamen) und ANOTHER SUGGESTION (Punk/Schwerte) dann hoffentlich eine abgefahrene Abriss-Party zelebrieren werden…

… aber dazu demnächst mehr!

 

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