Momenten habe ich das Gefühl wieder in die 90er gereist zu sein. In letzter Zeit erreichten mich einige Promos, die ich Grund der Beschreibung immer schnell als „Retrowelle“ abgetan und vernachlässigt habe. Das führte vermutlich auch dazu, dass ich erst jetzt die Zeit für die Paceshifters aus den Niederlanden hatte. Und wie ich das bereue!

Ganz klar kann man bei dem Alternative Rock der Band aus Wijhe die musikalischen 90ern in Form von Grunge und Co. raushören, aber die Band bringt eine Menge mehr mit.

Schon bei Opener „Dead Eyes“ ballert so gut nach vorne und lässt mich vor dem Blick nach Seattle eher Richtung Osnabrück und Union Youth gucken. Großartig druckvoller Alternative Rock, bei dem immer eine Prise Grunge, verzweifelter Gesang und trotz allem große Melodien mitschwingen.

In den letzten Jahren hatte ich echt wenig Spaß an dem Prädikat „Alternative Rock“, weil einem meistens in Promomails Hoffnung gemacht wurde und am Ende kam eine nervige Revolverheldband nach er anderen um die Ecke. Aber mit Paceshifters habe ich endlich mal wieder meinen Kopf beim Autofahren geschüttel, auf dem Lenkrad getrommelt und gleichzeitig aber den Blick schweifen lassen. Großes Emotionskino!

Auch Songs wie „Someday“ tragen zur angenehm abwechslungsreichen Überraschung aus dem Nachbarland bei. Stimmung aufbauen und dann mit krachigen Gitarren die ganze Bude einreissen. Das hört sich an wie die Zutaten für eine große Platte aus den 90ern? Stimmt. Ist auch so. Aber für mich persönlich ist das auch heute genau das, was ich von einem guten Rockalbum erwarte. Herzblut, Krach und Stromgitarren.

 

 

 

Die größte Überraschung an meinem runden, neuen besten Freund im CD-Regal ist definitiv „Boundaries“.  Hier packen die Herren die schönsten Zutaten aus Post-Rock, hymnische Parts wie aus alten Pumpkins-Songs und den von den Songs davor gewohnten Arschtritt in mehr als 5 Minuten Alternative Rock Hymne. Neuer Lieblingssong! Schwör!

 

Allen Freunden von guter Rockmusik lege ich dieses Album mehr ans Herz als z.B. eine neue Foo Fighters. Diese Typen sind frisch, haben Bock und das hört man in jedem Akkord. Danke und jetzt Paceshifters für alle!

 

 

  1. Dead Eyes
  2. Stranger
  3. Unfolded Pieces
  4. My Getaway
  5. Someday
  6. Yearning Desire
  7. Draw a Blank
  8. Adore
  9. Cut n Run
  10. Axhausted
  11. Boundaries
Paceshifters - Waiting to Derail (Hassle Records, 06.10.2017)
5.0Gesamtwertung