Passend zum Solo-Jubiläum hatte Daniel Wirtz im April sein „Best Of 2007-2017“ Album herausgebracht und damit einen guten Querschnitt aus zehn Jahren WIRTZ-Musik geliefert.

Mitte November hatte er dann sein fünftes Album „Die fünfte Dimension“ veröffentlicht und hiermit spontan den 3. Platz der Deutschen Album-Charts erreicht.

Was sonst sollte uns da einfallen, als dem Frankfurter ein paar Fragen zur aktuellen Scheibe und dem Leben eines Rockstars zu stellen…

… na dann mal viel Spaß!

 

Hallo Daniel, schön dass du dir ein wenig Zeit für unser kleines Magazin genommen hast! Wie geht’s dir, was macht die Kunst? Hast du dich schon von den Feierlichkeiten rund um das neue Album erholt?

Hey Jens, ja, inzwischen ist ja schon ein bisschen Zeit vergangen, so lange hängt einem das auch wieder nicht nach. (lacht) Aber um ehrlich zu sein: Es war ja alles recht gediegen, bis auf unser kleines Releaseevent am Erscheinungstag gab es auch keine Feierlichkeiten.

 

Ach sorry, erstmal Glückwunsch! Der 3. Platz in den deutschen Albumcharts ist ja schon mal eine Nummer, hast du damit gerechnet bzw. daran geglaubt, dass die Scheibe so weit oben landen könnte? Eigentlich könnte man sich ja jetzt nach dem Erfolg auch zur Ruhe setzten – oder strebst du jetzt auch noch mit deinem nächsten Album den Gipfel zu erklimmen?

Platz drei, das ist schon der Wahnsinn. Hätte man uns das damals vor zehn Jahren gesagt, hätten wir nur den Kopf geschüttelt. Aber am Ende des Tages ist eine Chartsplatzierung auch nicht der Maßstab, der bei uns über Freude oder Enttäuschung entscheidet. Vor allem ist es aber ein schönes Zeichen, dass wir weiterhin eine grandiose Fanbase haben, die uns immer weiter unterstützt und einfach immer auf dem Schirm hat, was wir so machen – auch, wenn wir nicht deutschlandweit plakatieren, dass ein neues Album am Start ist. Das ist ein grandioses Gefühl.

 

Für alle Leser, die „Die fünfte Dimension“ bisher noch nicht gehört haben… kannst du vielleicht in kurzen Worten etwas über dein fünftes Studioalbum sagen?

Sehr gerne. Ich habe es schon an anderer Stelle mal gesagt: Das, was dieses Album für uns so besonders macht, ist, dass wir unsere Ideen noch nie so exakt auf eine Platte gebracht haben. Das, was wir uns vorgestellt haben, hört man genau so auf „Die fünfte Dimension“. Das ist erstmal eine subjektive Freude für den Musiker. (lacht) Aber wenn ich höre, dass unser Gitarrist Kai sagt, dass er die Platte für das stärkste Album hält, das wir je aufgenommen haben, dann fühlt sich das natürlich richtig gut an. Also: Wir sind sehr stolz auf das Album.

 

Mir ist beim Hören aufgefallen, dass die neue Scheibe sehr persönlich ausgefallen ist, persönlicher als noch bei früheren Alben. Du trägst in den Songs quasi deine Seele spazieren – wie kam es dazu?

Findest du? Das haben wir doch schon immer so gemacht. Wir können auch gar nichts anderes als alles, was drin ist, nach draußen zu kehren. Das macht WIRTZ ja auch aus. Würde man uns die Vorgabe geben, nur über Weltpolitik, die große Liebe und Katzenbabys zu schreiben, würden wir vermutlich dramatisch scheitern.

 

Du hast ja (wie ich auch) nun ebenfalls die 40 überschritten. Wird man da beim Songwriting automatisch melancholischer und nachdenklicher, wie zum Beispiel bei „Wer wir waren“ oder „Bilder von damals“? Ich selber schaue gedanklich immer häufiger ein paar Jährchen zurück… wie geht’s dir damit, dass man auch als gestandener Rockmusiker die Uhr nicht anhalten oder zurückdrehen kann?

Ach, Zahlen sind doch Schall und Rauch. Um mal in die Phrasenkiste zu greifen: Man ist nur so alt, wie man sich fühlt. Und im Moment fühlt sich alles eher nach Ende 20, Anfang 30 an – nur mit mehr Erfahrung, was einem gut tut und was eher nicht. (lacht) Also nein, ich glaube nicht, dass mich das Alter irgendwie beeinflusst, eher die Summe der Erfahrungen.

 

Besonders die „Liebe“ hat einen nicht unerheblichen Platz auf dem neuen Album gefunden. Wenn ich mir Songs wie „Gib mich nicht auf“ oder „Ich bleibe hier“ anhöre, dann scheinst du ja hier einiges aufgearbeitet zu haben, oder?!

Liebe ist doch das wichtigste Thema überhaupt, oder? Ich bin jetzt in der glücklichen Situation, an dieser Front mein Glück gefunden zu haben und meine kreative Energie und unmittelbare Kompetenz nicht mehr aus dramatischem und schmerzhaftem persönlichen Scheitern ziehen zu müssen (lacht). „Gib mich nicht auf“ ist zum Beispiel aus der Warte eines engen Freundes geschrieben, aber diese Situation des völlig Ausgeliefertseins kennen ja wahrscheinlich die meisten von uns.

 

Wenn ich mir dann „Das verheißene Glück“ anschaue, dann lese ich auch einen leicht politischen Hintergrund heraus – geht es doch im übertragenen Sinne um den Aufbruch in die Freiheit und der Verzweiflung die dabei entstehen kann.

Einige Künstler haben sich ja bei aktuellen Debatten zur politischen Lage in unserem Land schon eindeutig positioniert… du hältst dich in der Öffentlichkeit eher zurück – gibt es besondere Gründe dafür?

Du liegst natürlich richtig, das ist das politische Lied auf der Platte. Es geht vor allem darum, dass es sich auch und gerade für unsere Generation lohnt, wachsam zu sein und das, was wir als selbstverständlich sehen – Informationsfreiheit, Demokratie, politische Stabilität, eine freie Gesellschaft – eben immer wieder gelebt und verteidigt werden muss. Weil ich Musiker bin, sage ich das am liebsten mit einem Song. Wenn man mich fragt, äußere ich mich gerne auch persönlich dazu. Eigentlich bin ich immer etwas vorsichtig, zu offensiv mit einer politischen Haltung umzugehen, aber besondere Situationen erfordern eben bisweilen ein besonderes Engagement. Und das hielten wir hier für angebracht, denn gerade ist hier etwas am kippen. Ansonsten halten wir es aber textlich lieber eine Nummer kleiner und ermuntern dazu, immer an sich und dem persönlichen Umfeld zu arbeiten.

 

Ich sage mal so, die musikalische Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo oder Andreas Gabalier wurde aufgrund deren teilweise fragwürdiger Äußerungen in der Öffentlichkeit durchaus kritisch gesehen… gab es da in der jüngsten Vergangenheit auch Anfeindungen gegen dich, da ihr ja in letzter Zeit gerade medial gemeinsam ziemlich unterwegs wart?

Ich durfte gerade Xavier in den letzten Jahren näher kennen lernen – und zwar als einen Menschen, der sehr neugierig und interessiert an seinen Mitmenschen ist. Ich habe ihn nur mit Hochachtung und viel Zuneigung von allen möglichen Lebensentwürfen sprechen hören. Meine Erfahrungen im persönlichen Gespräch widersprechen da schon stark dem, womit er immer wieder in den Medien zitiert wird oder was man natürlich aus dem einen oder anderen Text heraus lesen kann.  

 

In diesem Zusammenhang fällt mir der Song „10 Jahre“ ein, in welchem du über deine Solo-Karriere singst und eigentlich nichts bereust. Gibt es da wirklich nicht die eine oder andere Aktion – unabhängig von oben genannter Thematik – wo du im Nachhinein sagst, „das hätte ich mir lieber schenken sollen“?

Nein, da gibt es tatsächlich nichts. Natürlich gab es manche Fehlentscheidung, aber die wurde dann immerhin aus voller Überzeugung heraus getroffen und hat dann wieder irgend etwas anderes nach sich gezogen. Niemand macht in seinem Leben alles richtig, aber mit Blick auf den Status, den wir uns völlig unabhängig von einer großen Plattenfirma erarbeitet haben, dürfen wir schon selbstbewusst sagen: Es war nicht alles richtig, aber das, was wir erreicht haben, macht uns schon stolz.

 

Anderes Thema… du bist ja nun auch seit gut vier Jahren Papa. Wie sehr hat sich dein Leben seitdem geändert – wie bekommt man als vielbeschäftigter Musiker und „Fernseh-Mensch“ die Familie und seine Karriere unter einen Hut?

Da hat sich vor allem eines geändert: Die Priorität hat sich verschoben. Heute ist mein Sohn, meine Familie das Allerwichtigste im Leben. Um sie herum findet der Rest statt. Früher wurde alles um die Musik arrangiert, heute muss sich das Musikmachen am Rest orientieren. Da hat sich schon ein bisschen was an den Arbeitsabläufen getan, denn früher gab es durchaus mal die Idee, irgendwann bis weit in die Nacht an einem Welthit zu schreiben, um dann irgendwann mittags total durch ins Bett zu fallen. (lacht) Aber wir haben dann irgendwann – unabhängig von der neuen Situation – gemerkt, dass es sich mit einem klaren Kopf und ausgeruht bisweilen eben doch besser und effektiver Musik schaffen lässt. So haben wir uns dann in einem ordentlichen Ablauf eingerichtet, mit familienfreundlichen Bürozeiten. (lacht) Also: So groß ist die Herausforderung nicht mehr – zumindest was das Synchronisieren von Familien- und Arbeitszeit angeht.

 

Passend dazu die Frage zur im April 2018 startenden „Die fünfte Dimension“-Tour… wird dein Sohn dich das eine oder andere Mal auf der ausgedehnten Tour zu Gesicht bekommen – quasi als Ehrengast? 😉

Im Moment läuft ziemlich viel WIRTZ bei uns zu Hause, weil gerade die Vorbereitung für die Tour anläuft. Er ist also auf alle Fälle schon hart am Proben und hat kürzlich ziemlich selbstbewusst verkündet, dass er jetzt langsam so weit sei, den Kram mit mir zusammen auf die Bühne zu bringen. Aber das werden wir wohl eher mal beim Soundcheck machen, bevor wir abends dann das Jugendamt am Start haben. (lacht) Aber bei dem einen oder anderen Termin wird er dem Papa schon zuschauen.

 

Jetzt wo ich dich quasi gerade neben mir sitzen habe, rückblickend auf deine Zeit mit Sub7even… wie sehr hat es dir zu Beginn von WIRTZ eigentlich geholfen, vorher schon als Musiker in der Öffentlichkeit gestanden zu haben – konntest du die Kontakte von damals nutzen?

Natürlich habe ich viele spannende, einflussreiche Menschen während meiner Zeit bei Sub7even kennen gelernt – vor allem allerdings dann, als es noch gut lief. Es war eine bewusste Entscheidung, mit dem Start von WIRTZ eben nicht wieder in diese alten Strukturen zurück zu gehen. Denn dann wäre es wieder losgegangen: „Da ist kein Hit. Das Radio spielt das nicht. Mach das mal so und so, dann wird das was. Und – ach ja – die Tattoos müssen natürlich weg und dann das Ganze bitte einmal auf Englisch.“ Nö. Ein paar alte Wegbegleiter sind aber geblieben.

 

Zum Ende eines Interviews schmeiße ich immer gerne noch ein paar Worte in den Raum, was fällt dir denn eigentlich ein zu…

… Frankfurt? Zuhause. Ein Weltdorf, das alles bietet zwischen Ankommen und Abfliegen.

… Sachen die auf ausgedehnten Touren am meisten nerven? Warten.

… Äppelwoi, oder ein gepflegtes Pils? Mit Überzeugung: Äppelwoi.

… Sex, Drugs & Rock´n´Roll… Mythos oder das harte Leben eines Rockmusikers? Sowohl als auch. Das muss als Antwort reichen. (lacht)

… was sollen deine Enkel später einmal über dich sagen? Er hat“s durchgezogen.“

 

Möchtest du unseren Lesern abschließend vielleicht noch etwas mit auf den Weg geben?

Ja, ich möchte noch eine Weisheit teilen, die mir neulich untergekommen ist und die einen im Leben vor viel Ärger bewahren kann. Denn es gibt zwei Dinge, die man zwar über Wein, aber keinesfalls über seine Freundin sagen sollte. „Es gibt bessere, aber zum Kochen reicht’s“ und zweitens „Billig, aber knallt gut!“. Also: Bitte nicht durcheinander bringen. (lacht) Ansonsten: Hört mal rein, schaut auf der Tour vorbei – und vielen Dank für euer Interesse!

 

Vielen Dank, das war‘s schon! Dann bleibt mir eigentlich erstmal nur, dir weiterhin Erfolg zu wünschen!

Danke dir – euch auch! Beibt dran und uns gewogen. Habt ein spannendes und gesundes Jahr 2018.

 

WIRTZ – Die fünfte Dimension – Tour 2018

13.04.18 Münster, Jovel
15.04.18 Bremen, Aladin
17.04.18 Hamburg, Große Freiheit
20.04.18 Leipzig, Haus Auensee
21.04.18 Ulm, Roxy
22.04.18 München, Muffathalle
24.04.18 A-Wien, Ottakringer Brauerei
25.04.18 Dresden, Alter Schlachthof
26.04.18 Berlin, Columbiahalle
28.04.18 Erfurt, Stadtgarten
29.04.18 Dortmund, FZW
30.04.18 Freiburg, Musikklub
02.05.18 Stuttgart, Im Wizemann
03.05.18 Saarbrücken, Garage
04.05.18 Köln, Palladium
06.05.18 Hannover, Capitol
07.05.18 Wiesbaden, Schlachthof
08.05.18 Frankfurt, Batschkapp

Fotos: Dana Blex

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