Aus der Idee heraus, einige Künstler bzw. Menschen aus dem öffentlichen Leben anzusprechen und diesen lieben Personen einige Fragen zu deren Musikinteressen bzw. ihrem Verhältnis zur Musik im Allgemeinen zu stellen ist ja vor nicht allzu langer Zeit bekanntermaßen die Rubrik „Handwritten meets…!“ geworden, welche unlängst mit den überaus netten Marcus Wiebusch und Ole Plogstedt gestartet war!

Heute wird es extrem sportlich und als alter Bewegungsmuffel präsentiere ich passend dazu das Interview mit dem liebenswürdigen MARCEL MARTENS, der sein bewegtes und bewegendes Hobby regelmäßig zum Anlass nimmt um Geld für benachteiligte Kinder zu sammeln. Da MARCEL vor Jahren gemeinsam mit mir die Dortmunder Sportplätze beackert hat und er – im Gegensatz zu mir – nicht im Boden, sondern beim Sport hängen geblieben ist, war es nun Zeit ihm endlich mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen… nun also viel Spaß mit dem Interview:

 

Moin Marcel, schön dass du uns heute für das Interview unserer Reihe „Handwritten meets…!“ zur Verfügung stehst und dir ein wenig auf den Zahn fühlen lässt…!
Servus „Bing“ – Sehr gern, ich bin gespannt, was Du Dir hast einfallen lassen… 😉

Den meisten hier wirst du wahrscheinlich noch nicht so bekannt sein, daher wollen wir unsere Leser mal kurz aufklären. Von Hause aus bist du eigentlich Polizeioberkommissar, hast aber neben deiner Familie ein nicht alltägliches Hobby, denn seit 2008 bist du quasi auf der ganzen Welt als Extrem-Sportler unterwegs… erzähl doch mal kurz, wie es damals dazu gekommen ist!
Zunächst mal würde ich das nie als „Extrem-Sportler“ betiteln… da gibt es echt andere. Ich habe nach einer Wette mit meiner Frau zunächst aus dem Stand einen Halbmarathon bestritten – es folgte der erste komplette Marathon und dann hatte es mich ein wenig erwischt… Hindernis-Läufe, Ultras, Triathlon, Radrennen & Co. sind heute nicht mehr wegzudenken!
„Damals“ war ich polizeilich grad mit dem 2-jährigen Studium fertig…

Schaut man die Vita auf deiner Homepage an, dann stehen dort ja schon einige namenhafte Veranstaltungen (ca. 100 Wettbewerbe), bei denen du in den letzten Jahren aktiv dabei warst und den einen oder anderen Erfolg feiern konntest… welche davon sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Etwas Besonderes waren natürlich die drei Starts beim Zugspitzulltra über 100km – mein 2. Start dort z.B. war formtechnisch schon sehr genial und vermutlich nah an meinem Optimum. Die Trips zum ToughGuy in England waren als Erlebtes auch kaum in Worte zu fassen – es ist schwer, da überhaupt Highlights herauszupicken! Und dann sind da meine beiden Triathlon-Langdistanzen. Frankfurt letztes Jahr, wo eine Zeit von 10:17 Stunden vermutlich gar nicht mal so übel ist – vor allem für den (Minder-) „Aufwand“, den ich betreibe – und die Premiere in Roth, die mich emotional sehr aufgewühlt hat. Ich habe im Ziel in den Armen meiner Frau geweint, wie ein Schlosshund…

Apropos Events… wie lässt sich das Ganze eigentlich mit deinem Hauptjob als Polizist und besonders mit deiner Funktion als Familienvater (mit zwei noch recht jungen Kindern) vereinbaren? Das bedingt ja schon ein besonderes Organisationstalent damit niemand zu kurz kommt, oder?!
Auf jeden Fall – Meine Tochter ist frisch 4 geworden und unser Sohnemann ist grad mal 5 Monate. Da gehören eine tolle Ehefrau & eigene Kreativität, alles zu managen, natürlich dazu. Oft schlafe ich recht wenig, weil ich so gut wie nichts verpassen will – aber wir sind auch relativ perfekt strukturiert und aufgabentechnisch gibt es da kein „Dein“ und „Mein“ – wir wuppen alles gemeinsam und jeder „schafft“, wozu er grad kommt… Immerhin haben wir auch noch 2 Hunde & viele aktive Interessen im Angebot…

2015 warst du dann gemeinsam mit Neven Subotic (ehemaliger Fußballer von Borussia Dortmund und Schirmherr der „Neven Subotic Stiftung“) in Nepal, um dort das vorher bei verschiedenen Event erlaufene Spendengeld direkt vor Ort zu übergeben. Wie ist es damals zu dieser Kooperation gekommen und was habt ihr dort erlebt?
Neeeein – da hast Du etwas missverstanden! Ich wollte schon immer etwas tun und habe mir meinen ursprünglich in Nepal geplanten 250km-Ultra dazu ausgesucht, um für die gute Sache eine Basis zu haben. Hier fiel schnell die Wahl auf Neven und seine Stiftung, weil die sich in Äthiopien schon lange um diverse und nachhaltige Trinkwasserprojekte kümmert.
Der Umstand, dass Nepal als eh schon krisengeschütteltes Land das Erdbeben erleiden musste, führte leider u.a. zur Absage des Laufs – allein schon aus Sicherheitsgründen für die Läufer… ich entschloss mich, trotzdem aus eigener Tasche zu fliegen. Und muss sagen – sehr schöne Tage hatte ich in Kathmandu, konnte für die Neven Subotic Stiftung 2450€ sammeln und in Nepal haben meine Frau und ich seitdem eine Patenschaft für ein Kind und finanzieren über die Lischa e.V. dessen Schulbildung. Außerdem besuchte ich vor Ort das Auswärtige Amt und versuchte, eigenes Spendengeld direkt im Krisengebiet anzubringen. Im Nachgang etwas „unglücklich“ die Konstellation, aber ich habe mich bewusst gegen eine Änderung nach dem Beben entschieden…

Aktuell gibt es mit der „Challenge Roth für Neven“ erneut einen Event, bei welchem du wieder Geld für die „Neven Subotic Stiftung“ sammelst… dieses Mal geht es um den Bau eines Brunnens in Äthiopien – klär uns doch bitte ein wenig auf!
Um das Errichten von Brunnen und Toiletten o.ä. geht es der Stiftung im Prinzip immer – Neven war selbst die letzten Jahre immer selbst in Äthiopien vor Ort und hat seine Projekte dort aktiv verfolgt – die Brunnen müssen ja mit Personen im Nachgang auch sauber gehalten und Instandgehalten werden. Und ja – die Idee meiner neuen Aktion ist, pro Wettkampf-Kilometer in Roth (rund 4km Schwimmen – 180km Fahrrad & 42km Laufen) 1 Cent Spendengeld zu erwirtschaften – sprich 226 Cent pro Spender – Ähnlich wollte ich es „damals“ bei dem abgesagten Nepal-Ultra auch machen – leider kam es ja nie dazu. Nun in Roth bin ich mir zu 99% sicher, dass es ein erfolgreiches Finish geben wird. Nur die Menschen, die auf eine Zeit unter 10 Stunden „setzen“, zu befriedigen – wird tatsächlich nicht einfach – aber ich werde es versuchen bzw. hoffe ich, sie zahlen vielleicht trotzdem eine Summe X, wenn es „nur“ 10:10 Stunden oder ähnliches werden… Motiviert bin ich jedenfalls für einen tollen 9. Juli!

Einige Leser werden sich mittlerweile gefragt haben, warum wir in einem Interview für ein Online-Musik-Magazin nicht über Musik sprechen. Da die Frage berechtigt ist kommen wir direkt auf den Punkt! Wie sehr inspiriert bzw. motiviert dich Musik um dich selbst immer wieder zu Höchstleistungen anzustacheln?
Kurzum sehr – ich trainiere quasi NIE OHNE Wumms im Ohr – Deutschrock, Linkin Park, Klassiker wie Rage Against the Machine – es schlummert über Jahre quasi immer ähnliches auf meiner Tracklist. Leider ist es im Triathlon auch nur in Roth auf der Laufstrecke erlaubt, sich Musik ins Ohr zu legen. Bei diversen Ultras war Musik aber auch schon der letzte Notnagel, um mich zu pushen – Außerdem erinnere ich mich an einen Zieleinlauf beim Berlin-Marathon 2012 – ich wusste, ich werde Vater, das Wetter war toll, die Zeit egal – und ich hörte durch das Brandenburger Tor laufend „SKY & SAND“ – den Kalkbrenner-Song aus „Berlin Calling“ – Zufall, aber trotzdem genial & mit eklatanter Gänsehaut…

Laut Homepage bevorzugst du laute Musik und man trifft dich gelegentlich auch auf Konzerten. Was war damals deine erste Platte an die du dich erinnern kannst und wie hat sich im Laufe der Jahre dein Musikgeschmack verändert?
Oh, das ist gemein: Meine erste Platte war irgendein Sammel-Klassiker von 86… von meinem Bruder. Da war ich grad 7 Jahre alt. Mit „Live is Live“ von Opus und anderen „Schätzchen“.
Meine erste CD zur Grundschulzeit war Ofra Haza – da hatten sich meine Eltern glaub` ich vergriffen… Mama war im Nachgang nicht über das Poster mit dem Kopf in Flammen vom Rage-Album begeistert – Müsste deren Debüt-Album gewesen sein!
Konzerttechnisch habe ich ähnliche wirsche Konstellationen, wie auf dem Wettkampfsektor. Viel gesehen & fast „Junkie“ – wie ein Teller bunte Stifte. Ich habe PINK, die Spice Girls, Robbie Williams, Janet Jackson und die Fanta 4 schon live gesehen – umgekehrt kann ich mich über mehrmals Linkin Park, Rammstein, Marteria, Broilers, GreenDay, Pearl Jam & diversen anderen wie zum Beispiel die Red Hot Chili Peppers, Eddie Vedder oder 30 Seconds to Mars auch nicht beklagen – Rammstein hat hier meist die absoluten Maßstäbe gesetzt. Vor allem, was Bühnenauftritt und Lautstärke angeht.
Ich kann aber auch zu Kärbholz, Onkelz & auch Frei.wild schöne Pogo-Abende zu Bier verbringen, ohne jegliche Tendenzen „rechter Texte“ zu ergründen, sondern einfach nur um Spaß mit guten Freunden zu haben.

Wenn man sich das Musikbusiness anschaut, dann haben die Künstler und Bands (zumindest während der Touren) ja eher wenig Zeit sich um ihre Kondition und Fitness zu kümmern. Worauf sollten sie aus gesundheitlicher und sportlicher Sicht deiner Meinung nach besonders achten, damit sie den harten Tour-Alltag so unbeschadet wie möglich überstehen?
Oh wei – da bin ich als täglicher Nutella-Brot-Konsument und Genussmensch MIT Bier-Konsum wohl kaum der richtige Ansprechpartner.
Ansonsten sind die Klassiker, wie VIEL WASSER trinken, auf den Schlaf achten usw. sicher die Richtigen.

Ich musste leider nach diversen Problemen mit den Knien und Gelenken meine aktive Fußball-Laufbahn damals recht abrupt an den Nagel hängen, du erinnerst dich 😉 ?! Wann wäre für dich der Moment aufzuhören bzw. gab es in den letzten Jahren schon einmal den Moment, dass du am liebsten alles sofort hingeschmissen hättest?
Ich weiß, dass die Wettkampfjahre mit 12-14 Rennen diverser Art im der Tendenz schon langsam ausklingen – ich stehe auch kurz vor der 40, habe mit Familie genug um die Ohren und ja auch 2 „neue“ Kreuzbänder – da werde ich solche Jahre wie meinetwegen 2012, als ich 5 Marathons und meinen 1. Ultra bestritten habe, wohl nicht mehr hinlegen. Dieses Jahr werden es dosierte 8-10 – Ich mache mir da aber ansonsten keinen Stress und genieße auch, wenn es noch weiter so „rund“ läuft… Sich vom Fußball zu trennen, war bei mir jedenfalls genau das Richtige!

Wie sieht die Zukunft von Marcel Martens aus – welche sportlichen Ziele hast du noch, welchen Event möchtest du unbedingt noch bestreiten?
Ich wollte über Jahre den UTMB machen, ein Ultra am MontBlanc, für den man sich qualifizieren muss – Verbissen hatte ich dafür mal alle Punkte parat – nun ist das vermutlich erstmal „durch“! TRI-Technisch bewerbe ich mich Ende des Jahres zum 3. Mal für den Norseman – Mal sehen, ob es da mal mit der Auslosung klappt… Ein relativ kranker Triathlon in Norwegen mit ZIEL auf dem Berg in einer kleinen Hütte… Oder im Alter klappt es mal mit Kona – aber vermutlich ist das utopisch.

Zum Ende des Interviews würde ich dir gerne ein paar Sätze in den Mund legen, die du vielleicht liebenswürdigerweise zu Ende beantworten möchtest?!

Dortmund ist die schönste Stadt der Welt…
Ist das so??! Nach fast 20 Jahren Dienst dort kann ich das nur schwer glauben…
Durch mein Hobby hat sich mein Leben nachhaltig verändert…
Auf jeden Fall – ich durfte bis dato vor allem viele interessante Leute kennenlernen!
Wenn ich irgendwann einmal ganz viel Zeit habe werde ich…
Eine Wohnmobil – Tour durch Skandinavien machen mit meinen Liebsten!
Wäre ich Musiker, dann würde ich gerne (welches Instrument)… spielen!
Schlagzeug vermutlich!
In meiner Freizeit darf es auch gerne mal Fast-Food & Bierchen sein, weil…
…ich`s kann! Und Bierchen mit Freunden ist immer gut…
Folgende Person beeindruckt mich und ich würde daher gerne einmal kennenlernen…
Nick Vujicic!
Der BVB ist dieses Jahr leider kein Meister geworden, weil…
…zu unkonstant gespielt wurde – dafür werde ich beim Pokalsieg in Berlin dabei sein!

Vielen Dank für das ausführliche und interessante Interview! Möchtest du unseren Lesern noch etwas auf den Weg mit geben?
Immer machen, Leute! Nicht grübeln, hadern oder nur drüber reden…

 

Wer noch ein wenig mehr über Marcel erfahren mag ist hier auf seiner Homepage oder auf Facebook gut aufgehoben…

… und hier noch schnell der LINK, der zur Homepage der „Neven Subotic Stiftung“ führt, um sich genauer mit der Thematik zu befassen!