Fabio und ich sind verabredet, um uns für das handwritten-mag über das Kölner Melodica Festival, seiner besonderen Atmosphäre und der Idee dahinter zu unterhalten.
Wir treffen uns nachmittags im Weltempfänger, dem Wohnzimmer des Festivals. Heute sitzen hier ein paar Café- und Hostelgäste bei Getränken und Kuchen – in ein paar Tagen, kann man um diese Uhrzeit bereits den Klängen erster Künstler lauschen. Und auch wenn es am Samstag und Sonntag um ein vielfaches voller sein wird, Tische und Stühle weichen, ist es hier nun lauter, als es am Wochenende wird.
Wobei lauter vielleicht auch falsch ausgedrückt ist. Es gibt ja am Wochenende Musik. Diese ist natürlich lauter. Dafür weicht aber der heutige Gesprächspegel einer andächtigen Stille aus Interesse an der Musik und Respekt vor den Künstlern. Es ist leise genug, dass die Musiker auch einzelne Lieder unplugged inmitten des Cafés spielen können. Und es ist oftmals sogar so leise, dass bereits das Auslösen meiner Kamera mich nervt und ich es als zu laut empfinde. Die Gesprächslautstärke der anderen Gäste behindert auch unser Interview, so dass wir in den Aufenthaltsraum des Hostels ausweichen.


Erst einmal ein Lob für euer diesjähriges Line Up. Es erfreut und überrascht mich jedes Mal, wen ihr alles für das Kölner Melodica Festival aus den Hut zaubert.

Wir haben den Anspruch möglichst wenig Wiederholungen im Programm zu haben. Dieses Jahr hat lediglich Bernhard Eder bereits schon einmal auf dem Kölner Melodica Festival gespielt. Es macht uns Spaß, neue Künstler zu entdecken und für das Festival zu begeistern. Neben der musikalischen Qualität ist uns aber super wichtig, dass es menschlich passt. Daher laden wir nur Künstler ein, die wir auch persönlich kennen.

Wie kam es überhaupt zu dem Kölner Melodica Festival?
Maik, Stefan und ich hatten alle bereits auf Melodica Festivals gespielt und uns in die Atmosphäre verliebt. Stefan und ich spielten gemeinsam in Hamburg und hatten dort den selben Gastgeber. Hier lernten wir uns dann richtig kennen und schätzen. Zeitgleich war Maik viel mit Svavar Knutur (Melodica Reykjavik) unterwegs und wurde von ihm mit dem Melodica Gedanken infiziert. Unabhängig voneinander wuchs bei Maik sowie bei Stefan und mir der Wunsch, auch ein Melodica Festival in Köln zu veranstalten. Kai Müller (Melodica Berlin) und Torben Storck (Melodica Hamburg) stellten dann den Kontakt untereinander her, es passte mit uns dreien und das erste Kölner Melodica Festival war sehr schnell auf die Beine gestellt.

Wie seid ihr dabei auf eure Locations, den Weltempfänger und das Rubinrot gekommen?

Im Weltempfänger feierte 2012 meine Freundin ihren Geburtstag. Es war schön und wir lernten dabei die Inhaber kennen. Wenig später veranstaltete ich hier mein Releasekonzert und arbeitete seit Herbst des Jahres dort. Fortan hatte ich die Möglichkeit hier ab und wann Konzerte zu veranstalten.
Bei vielen anderen Melodica Festivals gab es bereits eine Warm Up Night. Diese wollten wir gerne auch für Köln. Da ich früher bereits Konzerte im Rubinrot veranstaltete, gab es entsprechende Kontakte und da beide Locations fussläufig sind, passte es gut.
Mittlerweile hat sich der Freitag im Rubinrot als Teil des Festivals etabliert. Weniger Bands, die größere Bühne und weniger Probleme mit der Lautstärke bieten uns hier die Möglichkeit auch größere Bands (im Sinne der Bandgröße) spielen zu lassen. Beide Locations ergänzen sich schön.

Du hast ja schon auf vielen Melodica Festivals gespielt. Gibt es so etwas wie einen gemeinsamen Nenner?
Die Atmosphäre eint alle Melodica Festivals. Als kleinsten gemeinsamen Nenner würde ich Freundschaft nennen. Melodica ist wie eine Familienfeier. Man kennt und schätzt sich, nutzt das Festival zum Netzwerken und gemeinsam Musizieren. So werden vorab bereits Kontaktdaten getauscht. Während des Festivals gibt es immer Rückzugsmöglichkeiten zum gemeinsamen Üben. Town Of Saints gründeten sich auf einem Melodica Festival. Die Mighty Oaks ebenfalls. Und auch die Idee der Tour of Tours (einer Truppe bestehend aus Mitgliedern von Honig, Jonas David, Tim Neuhaus, Ian Fisher und Town Saints) wuchs beim Melodica.

Gibt es etwas was du noch gerne loswerden willst?
Bitte verhaltet euch leise und respektvoll. Mittlerweile haben wir im Weltempfänger „Please be quiet while the artist is playing“ Schilder. Es zeichnet unser Festival aus, dass wir ein respektvolles, treues und ruhiges Publikum haben. Wir hoffen, dass dies auch weiterhin so toll bleibt.
Auch möchte ich darauf hinweisen, dass spendenbasiert nicht gleich kostenlos ist. Wir wollen jedem die Möglichkeit geben am Festival teilzunehmen. Allerdings wollen wir auch darauf hinweisen, dass das Festival ehrenamtlich organisiert wird und wir für 16 Künstler (teilweise in Bandstärke) Anreise und Unterkunft (teilweise für alle drei Tage), Essen und Trinken stellen. Und wenn darüber hinaus noch etwas für die Künstler bleibt, ist dies nur fair. Überlegt euch einfach, was ihr sonst für ein Konzert bezahlt und was ihr am Melodica Wochenende geboten bekommt.
Zuletzt möchte ich noch Dank loswerden: den Mitarbeitern vom Rubinrot und Weltempfänger, unserem Team (sie helfen bei Technik und Sound, kümmern sich um Gäste und Musiker, stellen Schlafplätze und sorgen für das leibliche Wohl der Musiker) und allen Gästen.

 

Das Kölner Melodica Festival findet am 17. und 18. März 2018 im Weltempfänger statt. Die Warm Up Party ist am 16. März 2018 im Rubinrot.

Melodica Festival Cologne || Hello Piedpiper