Aus der Idee heraus, einige Künstler bzw. Menschen aus dem öffentlichen Leben anzusprechen und diesen lieben Menschen einige Fragen zu deren Musikinteressen bzw. ihrem Verhältnis zur Musik im Allgemeinen zu stellen ist ja nun bekanntermaßen die Rubrik „Handwritten meets…!“ geworden, welche letzt Woche mit dem überaus netten Marcus Wiebusch gestartet ist!

Heute präsentiere ich das Interview mit dem liebenswürdigen OLE PLOGSTEDT, der dem einen oder anderen als TV-Koch aus dem Fernsehen bekannt sein wird. Aber viel wichtiger ist sein Cateringservice „Rote Gourmet Fraktion“, mit welchem OLE in den letzten beinahe 25 Jahren gemeinsam mit seiner Crew Bands wie Die Ärzte, Die Toten Hosen, Fettes Brot, die Broilers, Die Fantastischen Vier, Rammstein und unzählige weitere nationale und internationale Künstler auf deren Touren verköstigt hat!

Also dann… lasst euch überraschen! 🙂

 

Moin Ole, schön dass du uns heute für ein Interview unserer neuen Reihe „Handwritten meets…!“ zur Verfügung stehst und dir ein wenig auf den Zahn fühlen lässt…!

Apropos Zahn, oder besser gesagt Mund – um das Ganze direkt als Einstieg zu nutzen… du bist den meisten Leuten ja als TV-Koch aus verschiedenen Formaten bekannt und wer sich näher mit dir und deinem Schaffen beschäftigt hat weiß, dass du außerdem Chef des eher ungewöhnlichen Cateringservices „Rote Gourmet Fraktion“ bist. Was hat es eigentlich damit auf sich?
Wieso ungewöhnlich?
Deshalb ungewöhnlich, da es als ihr das Ganze damals gegründet habt, so eine Form des Catering noch nicht gegeben hatte…
Naja, ganz so war`s auch nicht. Es gab schon Tour-Catering, aber ich glaube das wir zumindest die ersten Caterer waren, die aus reiner Naivität heraus auf Tellern angerichtet haben und das Essen serviert haben, so wie wir das aus Restaurants kannten. Das war, glaube ich, neu bei Tourneecatering! Vorher kannte man wohl nur Buffets oder Essensausgaben. Es gab bestimmt auch vorher schon gute Caterer, so ist das nicht… wir haben das halt einfach irgendwie anders angepackt, aber das auch nicht weil wir das anders machen wollten, sondern weil wir gar nicht wussten, wie es funktioniert. Deswegen haben wir`s so gemacht wie wir dachten, dass es cool ist und irgendwie kam das ganz gut an!

Wenn man das so runterbricht haben wir auch bloß eine Kantine – eine Kantine für die, die auf Tournee arbeiten – wir reisen halt mit und bauen da unsere Küche auf und wieder ab und das mittlerweile ja schon fast seit 25 Jahren.

Angefangen hatte es ja mit The Cult, die dann irgendwie eine Anfrage hatten bzw. deren Management…
Mit The Cult sind wir nicht getourt, sondern haben nur die Show in Hamburg/Docks becatert.
Und dann kamen ja schon recht schnell die Ärzte auf euch zu, zu denen du Kontakt hattest – somit wurde das Ganze ja dann quasi ziemlich schnell zu einem Selbstläufer, oder?!
Also es gab vorher natürlich schon Catering… die Ärzte hatten auch schon Tour-Catering dabei, bevor sie ihre Pause hatten und uns mitgenommen haben.

Foto by Ole

Das Ganze ging irgendwie so los, dass wir in Hamburger Kneipen rumgehangen haben und uns dort wohl recht lautstark 🙂 über unser Vorhaben unterhalten hatten. Das hat jemand mitbekommen, der uns dann für das Local-Catering für Ian Astburys The Cult gebucht hat. Unser allererster Job. Da wir noch gar keine Flightcases hatten in denen unsere Tourküche heute verpackt ist, haben wir unsere Sachen also in Brotkisten und Kartons angeschleppt. Wir haben viel zu viel gekocht, weil wir überhaupt nicht wussten was abgeht. Aber immerhin haben wir nichts drauf gelegt, wir sind plus/minus Null raus gegangen… das finde ich für den ersten Job gar nicht so schlecht, oder?

Und irgendwann kam Felsenheimer (Bela B.) auf uns zu, mit dem wir befreundet waren und er sagte, er würde uns auch gerne für das Local-Catering in Hamburg haben – dann ging die erste Tour nach der Reunion aber so ab, dass die Ärzte uns gleich für das komplette Tour-Catering mitnehmen wollten und wir haben uns schnell Kisten gekauft und uns auf der Straße wieder gefunden.

So war das eigentlich, und so ging`s los! Das hat dann irgendwie seinen Lauf genommen…. Das haben dann andere mitgebekommen und wir sind weiter empfohlen worden, weil es vielleicht geschmeckt hat :). In den Jahren haben wir uns ganzschön weiterentwickelt. Wenn ich überlege was wir damals zu zweit für Jobs gemacht haben, wo man heute mit fünf oder sechs Leuten steht. Also das ist schon echt gewachsen und professionalisiert worden.
Ja genau… wie viele Mitarbeiter habt ihr mittlerweile?
Ich plane nur mit Freelancern. Momentan sind wir gerade auf zwei Touren unterwegs, auf der einen sind drei Leute und auf der anderen fünf Leute – und ich sitze hier und mache mit dir ein Interview – habe ich gar nicht so schlecht hingekriegt!  (Gelächter)
Nee richtig, alles richtig gemacht!

Wenn ich überlege, mit den Toten Hosen, Rammstein, Jan Delay, Fettes Brot, Die Fantastischen Vier das sind ja schon die ganz großen Nummern in Deutschland  – ich denke es läuft gut! Hat man neben der vielen Arbeit auf Tour überhaupt Zeit für Kontakte zu den Bands und Künstlern?
Das ist ja wie überall, also erstmal bist du ja Dienstleister und kochst für die Crews und Bands. Wir verstehen uns eigentlich mit allen immer gut. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir uns mit irgendeinem nicht verstanden haben. Bei manchen entstehen dann auch Freundschaften, das ist durchaus so.

Wir sind ja auch immer mit der Crew im Bus. Es ist quasi wie auf Klassenfahrt. Man lernt sich natürlich ganz gut kennen. Aber das ist ja in jedem Kollegium so, bzw. baust du ja auch in anderen Jobs zu deinen Kunden eine Beziehung auf. Klingt vielleicht ein bisschen spannender, weil die Leute auf der

Foto by RGF: Misfits – Jerry Only

Bühne stehen und Musik machen. Ich betrachte das immer ziemlich nüchtern und es macht für mich kein Unterschied, ob ich für einen Superstar, Tontechniker oder Busfahrer koche. Es ist auch nicht wichtig ob uns die Musik gefällt, sondern das denen unser Essen schmeckt! Ja stimmt… richtig!

Also das heißt du entscheidest auch nicht so aus Liebe zur Musik oder aus dem Bauch heraus mit welcher Band ihr zusammen arbeitet, sondern da seht ihr euch – wie du schon sagst – eher als Dienstleister?!
Naja, sagen wir es mal anders herum. Es gibt Bands, bei denen würde ich eine Anfrage ablehnen, wenn das so in Richtung Nazi-Dreck geht oder so! Ja okay, das ist keine Frage! Die müssen dann leider ohne uns touren! Sowas ist aber auch noch nicht wirklich vorgekommen!

Wir hatten irgendwann mal eine Anfrage vom Booker von Andreas Gabalier. Den kannte ich vorher gar nicht, aber der wollte dann unbedingt heimisches österreichisches Catering haben hat sich gegen uns entschieden. Zumindest war das die Aussage des Bookers, warum wir nicht dabei sind. Nachdem ich dann mal ein Plattencover von ihm gesehen habe, auf dem er quasi als Hakenkreuz posiert lassen – war vielleicht nicht so gemeint von ihm, weiß ich nicht – fand ich es dann ganz gut, dass der Kelch an uns vorbeigegangen ist. Passt nicht so zu uns :). Es gibt ja auch genug Bands die gut passen! Wir sind gerade mit den Broilers und den Beginnern unterwegs, das ist ein Traum, besser gesagt zwei Träume :). Das kann ich mir vorstellen und das neue Broilers-Album ist ja auch ziemlich geil geworden

Gibt es denn bei der einen oder anderen Band auch mal ungewöhnliche Wünsche, auf die ihr reagieren musstet? Oder gibt es bei dir auch kulinarisch Grenzen bzw. Wünsche, wo du streiken würdest… wo du sagst „nee komm, das mache ich jetzt nicht!“
Also erstmal ist der Kunde ja König… wenn er was haben möchte, dann probieren wir das zu erfüllen! Aber von uns aus gibt`s z.B. keinen Thunfisch oder wir sehen zu, dass wir nicht das schlimmste gequälte Fleisch verarbeiten,

Foto by Ole

versuchen Nestlé-Produkte zu vermeiden und gucken da wo es geht, dass wir Bio einkaufen. Auch bei Fisch zum Beispiel, die Meere sind so überfischt das man da auch gucken muss, welche Fischsorten man verwendet und wo sie her kommen.

Die Frage nach besonderen Wünschen bekomme ich ganz oft gestellt – ich kann das gar nicht so sagen, weil es ja immer alles irgend einen Grund hat, warum jemand irgendwas haben möchte. Vielleicht weil einem irgendwas nicht bekommt oder weil ein Ernährungsberater gesagt hat „das ist gut für dich, das mach mal jetzt wenn du auf Tour bist und überhaupt, du muss ja fit bleiben!“. Dann stellt man sich drauf ein und besorgt das und dann ist das für mich kein ungewöhnlicher Wunsch, dann ist das halt deren Wunsch! Dass da jetzt Leute kommen und sagen „Ich möchte jetzt unbedingt Gummibärchen mit Hummerschwänzen und Knoblauch drüber gerieben haben“, erlebe ich eigentlich nicht.

Da war höchstens mal eine amerikanische Band – ich weiß gar nicht mehr wer das war, ganz lange her – die wollten gerne, dass wir vom ungetoasteten Toast den Rand abschneiden, weil er ihnen zu hart (!) war. Das fand ich dann doch lustig! (leichtes Gelächter!)
Also sie sind dann wahrscheinlich ohne Zähne unterwegs gewesen die Jungs?! Amis halt! 🙂

Ja, das wäre auch meine nächste Frage gewesen… ob es irgendwelche lustigen Erlebnisse auf Tour gab, die dir immer im Gedächtnis bleiben werden.
Das Ding ist ja auch, dass uns die Leute mit denen man unterwegs ist vertrauen. Es gibt halt Sachen die passieren, wo

Foto by Ole

die Leute gar nicht wollen, dass die Sachen in die Öffentlichkeit geraten. Aber da wird natürlich die Privatsphäre der Künstler total respektiert.

Aber nette Sachen passieren schon mal. Da war zum Beispiel Tricky. Er spielte mit seinem Tourmanager im Catering Schach. Als Tricky am Zug war kam er zu uns, sagte der „macht mal irgendwas Jamaikanisches, das möge Tricky so gerne.“ – Tricky, der das hörte, kam daraufhin zu uns und meinte: „Nee, nee – macht mal alles so wir ihr meint, das ist schon cool so!“

Als wir damals noch viel Festivalcaterings gemacht haben, fürs Hurricane zum Beispiel, kam mal ein Tourleiter an und wollte rumzicken. Er wollte dies und das und jenes haben und uns offensichtlich schikanieren. Wir haben grinsend vor ihm gestanden und konnten ihm jeden Wunsch erfüllen und haben sogar noch einen draufgelegt. Dann ist ihm die Kinnlade runtergefallen, er hat uns die Hand geschüttelt und ist gegangen! Eins zu null für uns :).

Interessanterweise teilen wir beide die Liebe zum Kochen (mein erster Berufswunsch, wo mir meine Gesundheit dazwischen gefunkt hat), zum FC St. Pauli und zur Punkmusik… witzigerweise war eine meiner ersten Punkscheiben die „Opel Gang“ von den Hosen.
Meine erste Punkplatte war Pure Mania von den Vibrators danach ging es dann mit Slime und dem ganzen Punk-Kram, der dann in den 80ern gerade angesagt war, weiter.

Ich habe gelesen, dass du schon von klein auf den Wunsch hattest Koch zu werden und mit 17 die Ausbildung im Berliner „Steigenberger“ begonnen hattest…
Gut informiert! Ich kann mich nicht erinnern, dass ich irgendwann einmal etwas anderes hätte machen wollen. (außer zwischendurch mal gar nichts 🙂 ). Ich bin aber auch froh, dass mein Job als Koch mittlerweile nicht mehr nur darin besteht, in der Küche zu stehen. Ich habe es immer genossen, dass außer dem Kochen auch immer vieles anderes dabei war. Die Tour an den Start bringen, irgendwann hat man ein Buch geschrieben und dann kam das Fernsehen. Das ist dann alles schon ziemlich bunt, sonst wäre mir das Ganze vielleicht auch auf die Dauer, so sehr ich es auch mag, etwas zu langweilig  gewesen. Ich brauche Abwechslung.

Hast du eigentlich trotz deines zeitintensiven Berufs – oder davor – irgendwann mal die Zeit gefunden selber aktiv Musik zu machen?
Ich habe es mal probiert. Wir haben uns irgendwann mal im Proberaum wieder gefunden. Da war einer dabei der wirklich Musik machen konnte, der hat dann die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, aber ich sah total gut aus mit der Klampfe in der Hand, aber konnte überhaupt nicht spielen! (allgemeines Gelächter!) Wir haben nie eine Gig gehabt, aber einen geilen Namen: Whorehouse :).

Foto by RGF

Foto by RGF

Dafür durfte ich ja bei den Mimmis mal mitsingen :). Die haben ja den „A.C.A.B.“-Song („All Cooks Are Bastards“) auf ihrer letzten Platte, mit Dicken, dem Slimesänger ebenfalls als Gastsänger. Von Slime ist der Song (A.C.A.B.-All Cops Are Bastards) ja im Original. Seit Elf ihn vor ein paar Jahren für uns, bzw. Köche, umgeschrieben und auf YouTube veröffentlicht hat, ist er unter Köchen, die dem Punkrock nahe stehen, zu einer Art Hymne geworden. Du hast ja vielleicht auch darüber gelesen, so gut wie Du Dich auf das Interview vorbereitet hast :)… ja genau, da gab es ja dann auch Diskussionen drum… Auf der letzten Mimmis-Scheibe durfte ich dann dazu also auch mitgrölen, oder besser gesagt mitprollen :). Sogar live haben mich die Jungs auf die Bühne geholt… das war ziemlich schrecklich :). Als Entschädigung habe ich dem Publikum dann „Mexikaner“ mitgebracht und von der Bühne aus ausgegeben.

Von deinem Privatleben weiß man nicht viel… außer das du verheiratet bist und drei Kinder hast. Wenn deine Kinder ankommen würden und sagen „Papa ich möchte Koch werden“…
Würden die nicht! Jeder muss ja selber sehen, was er machen will. Es ist ja wichtig, dass du den Beruf findest an dem du Spaß hast. Die Zeit um das heraus zu finden hast du ja. Entweder im Praktikum, oder in der Lehre und wenn du dann merkst „Ey cool, das gefällt mir“, dann ist das ja das Richtige. Ein schlauer Mensch hat mal gesagt „Wenn du den Beruf hast der dir Spaß macht, dann brauchst du nie wieder zu arbeiten!“

Ich bin natürlich auch immer mal wieder genervt bei der Arbeit, aber am Ende des Tages ist es cool – das ist mein Ding. Ich mache halt auch nur Sachen die mir gefallen, oder hinter denen ich stehen kann. Ich habe keinen Bock mich zu verbiegen. Das ist mir bisher immer gelungen – wie zum Beispiel mit dem Fernsehen!

Mit dem Fernsehen war es dann immer so – du hast ja verschiedene Formate gemacht – dass du, solange es Spaß gemacht hat, dabei warst und wenn es nicht mehr ging den Absprung gesucht hast?
Ganz genau… ich habe das Ganze (Die Kochprofis) jetzt knapp sieben Jahre am Stück gemacht und nun bin ich ausgestiegen. Am 6. April wird meine letzte Sendung ausgestrahlt. Ich möchte mal was anderes machen. Die Arbeit mit den Kochprofis hat mir immer Spaß gemacht und es war ein ehrliches Format. Es hat aber extrem viel Zeit gekostet. Ca. 35 Drehs im Jahr à meistens 3 Tage. Ich war also über 100 Tage im Jahr verteilt am Drehen. Da bleibt dann viel auf der Strecke.

Ich bin ja auch noch bei Oxfam, das hast du ja bestimmt auch gesehen, als Kampagnen-Botschafter engagiert. Aktuell zur Kampagne „Make Fruit Fair“.

Ich bin ein sehr politisch denkender Mensch. Ich glaube, ich habe ein sehr starkes Gerechtigkeitsempfinden. Mit meiner, durch das Fernsehen erreichte bescheidene C-Prominenz kann ich ja vielleicht den einen oder anderen erreichen.

Aber ich habe mich auch nie wirklich als Fernsehkoch definiert, das werde ich auch nie tun. Mein Baby ist die „RGF“, ganz klar. Das ist das Kerngeschäft und darf nicht vernachlässigt werden und da habe ich Bock drauf. Und natürlich auf Oxfam, etc.

Dann bist du ja auch durch dein soziales („Kochen gegen Aids“), politisches („Kochen gegen Rechts“) und ökologisches Engagement („Foodwatch“) bekannt…
Es ist im Prinzip eine Sache der Synergieverknüpfung. Ist doch großartig, wenn du merkst da kannst du was machen, da kannst du Leute mobilisieren und Aufmerksamkeit erreichen und vielleicht noch ein paar Spenden zusammen sammeln.

Letztes und vorletztes Jahr hat mein Kumpel, der Fotograf Tim Hackemack, für „Sea-Watch e.V.“ den „Plattenladen für einen Tag“ in Münster veranstaltet, bei dem ich ihn unterstützt habe. Wir haben viele Musiker, Plattenlabel, etc. aktiviert, die uns dann T-Shirts, Platten, Bücher und alles Mögliche geschickt habe. Die Sachen wurden dann quasi flohmarktmäßig verkauft und da haben wir 2015 über 11.000 € (!) zusammen gekriegt, dieses Jahr ein bisschen weniger, etwa 6.000 €, aber immerhin! Das finde ich schon cool, wenn man zusammen etwas auf die Beine stellen kann!

In Zukunft werden wir dich also auch weiterhin irgendwie im Fernsehen sehen?
Da wird schon noch was passieren. Ich habe da schon meine Fühler ausgestreckt, aber da ist noch nichts in trockenen Tüchern. Aber da habe ich schon Bock weiter zu machen!

Ansonsten, ein eigenes Lokal hast du im Moment nicht mehr, oder?
Nee, das OLSEN habe ich zu gemacht. Das war mir neben dem Tourgeschäft und so viel zu viel Arbeit und außerdem musst du eigentlich selber in deinem Laden stehen, buckeln und

Foto by Stefan Klein

für drei arbeiten, damit du irgendwie auf plus/minus Null kommst. Zumindest wenn du ein kleines Lokal hast und nicht über Leichen gehen willst und deine Leute ausbeutest und den letzten Scheiß auf den Teller packst. Das habe ich gleichzeitig durch meine Erfahrungen aus der Kochprofi-Sendung und in meinem eigenen Lokal festgestellt.

Es ist auch irgendwie ein Tabu-Thema. Gastronomen reden nicht darüber. Man gibt ja auch nicht gerne zu, dass der Laden nichts abwirft und schon gar nicht, dass man womöglich gezwungen ist, was an der Steuer vorbei zu machen, damit man überlebt. Es gibt sehr, sehr viele Gastronomen, die kämpfen und schwitzen und leben nur für den Laden und haben am Ende nichts über.

 

Zum Ende des Interviews würde ich dir gerne ein paar Sätze in den Mund legen, die du vielleicht liebenswürdigerweise zu Ende beantworten möchtest?!
Alles klar, schieß los!

Hamburg ist die schönste Stadt der Welt, weil…
Ja, weil ich hier wohne! (schallendes Gelächter)
Hamburg ist tatsächlich die schönste Stadt der Welt. Wobei ich auch zugeben muss, dass Hamburg auch eine ganze

Foto by Ole

Menge falsch macht! Wenn man zum Beispiel nach Rotterdam fährt – was sich die Architekten da trauen, das ist der Hammer, was die da bauen! Hier bei uns die Hafen-City, nur Büros und ab 18:00 Uhr ist da tote Hose. In Rotterdam, da hast du in der ganze Stadt – überall, auch in der Innenstadt – nicht nur Büros, sondern auch Wohnraum. Da ist überall buntes Leben und das finde ich total klasse.
Da baut Hamburg dann auch noch den 50er-Jahre-Charme der Reeperbahn ab. Der wird total kaputt gemacht. Damit tut man sich keinen Gefallen. Alleine schon, dass sie damals die Straßenbahn abgeschafft haben war ja schon schlimm! Straßenbahn ist doch das geilste, was man haben kann – da lebt die Stadt!
Aber trotzdem: Hamburg ist einfach gediegen! Hamburg ist cool!
Was mir in Hamburg auch gefällt ist, klar da hast du auch die totale Schere zwischen Arm und Reich, aber in Hamburg lässt man das nicht so raushängen wie in anderen Städten! Das finde ich angenehm.
Und noch was cooles aus Hamburg: Da kannst du auch mal Sascha oder Smudo oder alle möglichen  anderen fragen die hier wohnen. Du ziehst hier durch die Straße und wirst überhaupt nicht belästigt oder angesprochen. Das war auch so als ich mein Restaurant aufgemacht haben, da hieß es eher „Erst mal schauen ob der überhaupt kochen kann!“ als „Ahhh toll, ein Fernsehkoch – da muss ich hin!“ – Das empfinde ich hier als sehr angenehm.

Die „Rote Gourmet Fraktion“ hat das Tourleben vieler Bands nachhaltig verändert…
Da musst du bitte die Bands oder Crews fragen, die andere Tour-Caterer kennen. Das kann ich nicht sagen. Du hast da Lichttechniker, Tontechniker, die sind auf vielen verschiedenen Touren unterwegs und treffen sich gegenseitig, da es immer mehrere von denen auf einer Tour gibt.

Foto by Tim Hackemack

Als Tour-Caterer bist Du immer der einzige Tour-Caterer auf einer Tour. Deshalb kann ich gar nicht beurteilen, wie andere Caterer drauf sind. Ein paar trifft man zwischendurch natürlich mal, aber ich weiß nicht, wie die arbeiten! Deswegen muss diese Frage an die Kunden gehen.
Ich glaube was wir verändert haben ist, dass wir Essen auf Tellern anrichten. Das machen aber andere mittlerweile auch. Und dass wir Schau-Teller haben mit jedem Gericht anrichten (die wir nacher oft selber essen 🙂 ). Da kann man dann sagen „Das will ich haben.“, ohne eine Speisekarte lesen zu müssen :).
Dann frage ich demnächst mal Marcus Wiebusch… ich glaube mit dem arbeitet ihr aktuell nicht zusammen?! (Anmerkung der Redaktion: ich habe natürlich vergessen Marcus zu fragen 😉 !)
Den kenne ich aber ganz gut, mit Kettcar haben wir auch schon mal eine Aktion gemacht – ein Guerilla-Konzert mit Häppchen mitten in Westerland/Sylt. Das war sehr cool!

Wenn ich irgendwann einmal ganz viel Zeit habe werde ich…
(längere Pause)… reisen! Ganz viel reisen. Also das Reisen finde ich richtig stark. Mich zieht es überhaupt nicht nach Amerika, oder so superweit weg. Okay, als ich mit Oxfam in Südamerika war, da habe ich jetzt schon Blut geleckt, das finde ich schon sehr, sehr spannend, aber ich brauche jetzt auch nicht wirklich Asien oder Thailand. Ja okay, Japan würde mich dann vielleicht auch mal interessieren, aber eigentlich finde ich Skandinavien spannend! Oder auch den Osten, Polen und alles was irgendwie nah dran liegt. Vielleicht auch mal ganz in den Norden von Schweden. Das müsste dann auch mal sein, das möchte ich auch noch mal irgendwie hinkriegen! In Rumänien war ich mit meiner Frau, das war auch ordentlich.

Wäre ich Musiker, dann würde ich gerne (welches Instrument) spielen…
Ich denke ich würde grölen. Ich wäre vielleicht der Sänger. Das wäre vielleicht nicht sonderlich melodisch, aber auch

KPND

nicht wirklich Grotte. Vielleicht gibt’s ja nochmal die Gelegenheit? Wäre ein ganz schickes TV-Format, mit einer Band die mich mal einen richtigen Song singen lässt und mir vorher mir zeigt wie das geht. Ich performe auf der Tour dann irgendwie einen Song und im Gegenzug kann der Sänger mal einen Tag das Catering leiten. Wäre vielleicht ganz witzig. Ich weiß zwar nicht ob sowas jemand sehen will oder nur mich das interessiert.

In meiner Freizeit darf es auch gerne mal Fast-Food sein, ja/nein…
Klar, natürlich! Was mich tatsächlich nervt ist, ich probiere halt das konventionelle Fleisch wegzulassen. Wenn es einen geilen Falafel gibt bin ich sofort dabei, ich mag auch Döner gerne. Wenn es den in Bio geben würde, das würde mich echt freuen. Currywurst zum Beispiel, bietet die Berliner Imbiss „Curry 36“ schon in Bio an. Ich bin ja so drauf, dass ich überall wo ich eine Currywurst-Bude sehe frage, ob die auch Bio-Wurst haben. Die meisten gucken mich schräg an. Aber wenn wirklich alle ganz viel fragen, hat man die dann vielleicht irgendwann auch soweit. Dann zahle ich da gerne einen Euro mehr für. Aber Currywurst ist schon eine wichtige Mahlzeit für mich!

Der FC St. Pauli wird dieses Jahr zweitklassig bleiben…
Tja… (längere Pause)… da muss man sich einfach mal die Spiele angucken! Ist nicht St. Pauli immer erstklassig, auch wenn sie in der zweiten Liga spielen?
Das Schöne am FC ist ja, dass, egal in welcher Liga er spielt, seine Fans treu sind und die Fans auch nicht nur in Hamburg zu finden sind, sondern verteilt über die ganze Republik. Überall siehst du Leute mit St.-Pauli-Klamotten und deswegen freue ich mich natürlich wenn sie irgendwie aufsteigen, aber selbst in der dritten Liga würde ich die Truppe noch mögen.

 

Vielen Dank für das ausführliche und interessante Interview! Möchtest du unseren Lesern noch etwas auf den Weg mit geben?

Wenn Du mir hier schon die Gelegenheit gibst, hole ich mal den „politisch-denkenden Ole“ raus :):

Leute: Echauffiert Euch! Demonstriert! Geht auf die Barrikaden! Die Welt gehört uns allen (allen Erdbewohnern!), nicht der Industrie und irgendwelcher verstrahlter Despoten! Engagiert Euch! Es reicht nicht, Nazis oder ähnliches Pack aus der Facebook-Freundesliste zu löschen! Es reicht nicht, um sich sein Gewissen rein zu waschen, hier und da mal Bio- oder Fairtrade-Produkte zu kaufen! Macht Druck! Eine Studie von Oxfam hat ermittelt, dass die 8 reichsten Menschen der Welt soviel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung! Die meisten (milliardenschweren) Konzerne zahlen kaum Steuern!

Wir sind in der Mehrheit – dass müssen wir zeigen!

Danke, Euer Ole

 

Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen!!!

Außer den einen oder anderen schicken und wichtigen Link… klickt reichlich, hier verbergen sich nämlich nur gute Sachen 😉 :

Oxfam – Für eine gerechte Welt. Ohne Armut.

Sea Watch – Zivile Seenotrettung

Ole Plogstedt – Rote Gourmet Fraktion

 

Titelbild: Christoph Creutzburg