Mit „Transcendence“ und der drauf folgenden Tour hat Devin Townsend sein Project (vorerst) in Rente geschickt. Keine so schlechte Idee, hatte sich doch etwas Gleichförmigkeit eingeschlichen. Der quasi Neustart mit dem spannenden „Empath“ entpuppte sich im Anschluss als kleine Frischzellenkur.

Mit der dazugehörigen Tour bewies der Kanadier schon verhältnismäßig viel Mut: wo sonst viel Unterstützung von Clicktrack und Samples notwendig waren, sollte es jetzt mal etwas lockerer und zu 100 % live zugehen. So standen am Ende zehn ausgezeichnete Musiker und Sänger-/innen (u.a. ex-Zappa Mike Kenneally, Markus Reuter der Stick Men, Kaipa-Schlagzeuger Morgen Agren, Haken-Keyboarder Diego Tejeida und die wunderbare Che Aimee Dorval) auf der Bühne, um einen etwas anderen Devin Townsend zu präsentieren.

Ganz klar, dass man diese Konzertreise wieder in Ton und Bild festhalten wollte. Mit „Order Of Magnitude: Empath Live Volume 1“ kann man sich das jetzt in verschiedenen Konfigurationen nach Hause holen. Uns lag die reine Tonkonserve vor. Und alleine diese ist schon ziemlich fein, wenn auch das Videomaterial dazu noch eine Ecke spannender gewesen wäre. Die Grundstimmung kommt aber auch so gut rüber.

Und jene schwankt irgendwie zwischen euphorisch und wahnsinnig, zwischen Dunkelheit und Strandbar. Dabei machte es sich der Musiker nicht so leicht und grub neben den aktuellen „Empath“-Songs auch mal etwas tiefer, wobei er unter anderem vier Stücke von „Ki“ zutage förderte. Die klingen nach wie vor nach angezogener Handbremse und sind nicht gerade der Stimmungshöhepunkt des Auftritts. Was davor und danach passiert ist dafür außerordentlich fein.

Devins Musik klingt gelöst und lebendig wie selten, was Songs wie „War“ oder „Kingdom“ einen ganz neuen Dreh verleiht. Mit solch guten, überwiegen im Jazz geschulten Musikern ist es auch kein Wunder, dass sich mal ein etwas anderes Hörerlebnis ergibt. Die zusätzlichen Gesangsstimmen sorgen dabei für viele Gänsehautmomente – insbesondere bei „Why?“ und vor allem „Spirits Will Collide“. Glücklicherweise hat man auch die Ansagen drin gelassen. Und so ist es eine wahre Freude, wie der Kandier mit dem Publikum spielt und es mit seiner positiven Art unterhält.

„Order Of Magnitude: Empath Live Volume 1“ ist eine wirklich schöne und über weite Teile spannende Angelegenheit. Wenn es irgendwann mal wieder geht, darf es gern einen zweiten Teil geben!

 

Trackliste:
1. Borderlands
2. Evermore
3. War
4. Sprite
5. Gigpig Jam
6. Coast
7. Gato
8. Heavens End
9. Ain’t Never Gonna Win
10. Deadhead
11. Why?
12. Lucky Animals
13. Castaway/Genesis
14. Spirits Will Collide
15. Disco Inferno
16. Kingdom

 

Devin Townsend - Order of Magnitude: Empath Live Volume 1 (InsideOut Music, 23.10.2020)
4.3Gesamtwertung