Ja, da ist er wieder dieser – ehemals – durchgeknallte Kanadier, der die Musikwelt bereits mit so manchem Schätzchen überraschte. Nicht ganz zwei Jahre sind seit seinem letzten Doppelschlag „Z²“ vergangen und schon wieder steht er mit einer neuen Project-Platte auf der Matte.

„Transcendence“ soll sogar eine Kooperation mit seiner seit vielen Jahren erprobten Liveband gewesen sein. Auch außenstehender Knöpfchendreher durfte ebenfalls sein Glück probieren. Das ist ja ein ganz neuer Wind, der aus dem Hause Townsend herüber weht! Aber mal ruhig bleiben. Denn so richtig macht sich das nicht bemerkbar. Denn da wo Devin Townsend draufsteht, ist Devin Townsend drin. Nicht mehr, nicht weniger.

Fremde Einflüsse wird man kaum wahrnehmen. Das Album ist eine recht genaue Fortsetzung von „Epicloud“ und „Sky Blue“ (der zweiten Hälfte von „Z²“). Wen diese beiden Platten also zum Gähnen brachten, wird auch hier nicht wirklich glücklich werden. Alle anderen bekommen etwas mehr desselben Stoffs, dem der Hauch des frischen zwar abgeht, der der aber über weite Strecken Unterhaltungswert hat.

Was geboten wird? Leicht angeproggter, eigenwillig klingender Metalstoff mit großem Cinemascope-Sound, nerdigem Bombast, viel Getöse und Geflirre, fetten Riffs und schweren Grooves und teilweise unkonventionellem Songwriting. Alles da, was das (Fan-)Herz begehrt. Der Ton ist ein relativ heller, selbst wenn es z.B. bei „Higher“ auch mal recht dramatisch wird. Dieser Track präsentiert auch die proggige Seite Townsends. Das Wandeln zwischen schwebend-ruhigen Parts, derben Abstürzen und wilden Abfahrten funktioniert gut und mündet am Schluss in ein großes harmonisches Ende. Das fetzt. Ebenfalls nicht zu verachten sind das fein fließende „Stormbending“ und das etwas melancholischere „Failure“.

Damit hätten wir schon einmal die Highlights rausgepickt. „Offer The Light“ funktioniert als positiv aufschwingender und schwungvoller Weckruf, während das Album gefühlt mit dem reichhaltig melodischen „Form The Heart“ schon fast heimelig zu Ende geht. Doch da wäre noch das Cover der Nerdrocker Ween, das irgendwie nur wie ein Bonustrack wirkt. Auch das Eigencover „Truth“ ganz am Anfang erstaunt etwas und entkräftet nicht gerade den Vorwurf der ständigen Eigenzitate. Die Nummer diente schon der verrückten „Infinity“-Scheibe von 1998 als Eröffnung und schlug dort besser ein.

Mit „Transcendence“ bietet Devin nicht wirklich etwas Neues, sondern eben „more of the same“. Ob man den Schritt mitgehen möchte, muss jeder selbst für sich entscheiden. Das Album hat definitiv seine tollen Momente. In die Reihe der Highlights wird es sich eher nicht eingliedern. Dazu ist es nicht wagemutig genug.

Devin Townsend Project - Transcendence

Trackliste:
1. Truth
2. Stormbending
3. Failure
4. Secret Sciences
5. Higher
6. Stars
7. Transcendence
8. Offer Your Light
9. From the Heart
10. Transdermal Celebration

Devin Townsend Project - Transcendence (InsideOut Music, 09.09.2016)
3.8Gesamtwertung