Gut und gerne 20 Jahre gehe ich nun bereits in und um Köln auf Konzerte. Trotzdem gibt es immer noch Konzertlocations, die ich nicht kenne. Mal sind sie neu, mal werden sie aus besonderem Anlass für ein Konzert „zweckentfremdet“ (wie zuletzt die Sartory Säle bei den Mighty Oaks) und mal hat es sich einfach bisher nicht ergeben. So bei der Kantine. Da braucht es schon Pete Doherty, um mich nach Longerich zu bekommen. Der Laden vermittelt den Charme einer 90er Jahre Großraumdisco samt Außenbereich. Schön oder gar charmant geht jedenfalls anders; aber ich bin ja auch wegen der Musik hier.

Entgegen meiner spärlichen Informationen gibt es einen Support. Sie spielen knackige 30 Minuten ohne mich dabei groß zu berühren. Als Zugabe covern sie Toy Dolls‘ „Nellie The Elephant“ und bekommen mich doch noch in den letzten zwei Minuten mit der Sentimentalitätsnummer. Während des Wartens auf Pete Dohertys Auftritt erfahre ich von besser informierten Konzertgängern, dass es sich beim Support Am Jo Do And The Spangles um Dohertys Schwester samt Band handelt. (Musikalisches) Talent wird anscheinend nicht gerecht vererbt.

Nachdem Pete Doherty entgegen gewohnter Manier nur knapp 30 Minuten auf sich warten lässt, folgt ein etwa 60-minütiges Set vorwiegend aktueller Stücke. Adrett gekleidet spielt Doherty trotz „Cheatday“ ein solides Set. Einige neue Lieder wissen zu gefallen. An alte Babyshambles- oder gar Libertines-Hymnen mag das neue Material aber (noch) nicht reichen. Beim arg strapazierten Warten auf die Zugabe, versöhnen seine beiden letzten Titel (zuerst „The Paradise Is Under Your Nose“ und dann, nach erneutem Warten, „You’re My Waterloo“) mich dann dennoch mit dem Abend.