Alles neu macht der Mai

Ehemals als Finale des hiesigen Festivaljahres, eröffnete nun die diesjährige c/o pop unsere Festivalsaison. (Unsere persönliche Festivalsaison, hatte 2019 u.a. mit dem ESNS, Popsalon, Husum Harbour oder dem Hanse Song Festival bereits erste Festivalperlen.)
Zum neuen Zeitpunkt gesellten sich noch ein paar andere Veränderungen: so wanderte die Festivalzentrale aus dem beschaulichen Belgischen Viertel nach Ehrenfeld. Neue Konzertlocations wurden erschlossen (u.a. Bürgerzentrum Ehrenfeld, Gürzenich oder die Sartory-Säle) und aus dem SuperSamstag wurde c/o Ehrenfeld, ein Festival im Festival, ein Wochenende voll von Kultur und Konzerten. Und das sogar für lau.

Andere Traditionen blieben: So stand das Eröffnungskonzert erneut im Zeichen eines großen Namens: Scooter gastierte im Palladium. Auch wenn ich es mir vorab nicht gut vorstellen konnte, gab das Booking den Veranstaltern recht. Ich vernahm Gutes. Scooter fraternisierte sein Publikum und schaffte eine Dynamik, wie sie sonst nur bei Punk- oder HC-Shows herrscht. Seltsam…

Tags drauf wurde es dann musikalisch differenzierter. Ob bei Olli Schulz, Kelvyn Colt, Hauschka, Fjört oder Mine – ein jeder fand seine Nische. 

Freitags blieb die Qual der Wahl zwischen BHZ, Antje Schomaker, Dagobert, Tocotronic und den Mighty Oaks. Wir entschieden uns für Letztere.

Auch wenn Maike und ich es nicht zu c/o Ehrenfeld schafften, vernahmen wir nur Gutes. Der Umzug vom Belgischen Viertel nach Ehrenfeld schien vom Publikum dankbar angenommen worden zu sein. Bei dem sehr ambitionierten, facettenreichen und trotzdem kostenlosen Programm (u.a. mit Die Nerven, Mavi Phoenix, Milliarden, Ilgen-Nur, Kytes, Charlotte Brandi, The Mauskovic Dance Band, BLVTH, Allie Neumann, Novaa, Amilli, Neufundland, Luke Noa, Hope, Sea Moya oder Fatoni) ist dies wohl auch nicht sonderlich verwunderlich.

Während wir uns in die Einlass-Schlange vor den Sartory-Sälen reihten, verwunderten wir Konzertbesucher, das hiesige Partypublikum und waren mindestens ebenso verwundert über sie. Das Konzertpublikum passte schlichtweg nicht in den Mikrokosmos Friesenstraße. Während wir dort auf den Einlass warteten, drängte sich eine Stadtführung mit dem „Langen Tünn“ an uns vorbei. Das ist leider auch Köln, Geschichtsglattbügelung und Glorifizierung ehemals zwielichtiger Charaktere.
Die Sartory-Säle versprühen den Charme westdeutscher Nachkriegsarchitektur. Kölner assoziieren sie vorwiegend mit Karneval, wenngleich wir heute lernen, dass hier durchaus namenhafte Bands gastierten (u.a. Queen, Status Quo oder sogar AC/DC). Trotzdem blieb die Bierzeltassoziation. Schön ist anders, spannend war die Location aber allemal.
Es ist immer auch Konzept der c/o Pop ungewöhnliche Orte als Spielstätten zu erschließen.

Den Abend eröffnen The Manana People aus Bonn. Seitdem wir sie das letzte Mal gesehen haben (2017 auf dem Kölner Melodica Festival und letztes Jahr als Honig Support), veröffentlichten sie ihr Debütalbum „Princess Diana“ und erstellten ein eigenes Manifest, um dauerhaft ihre Musik möglichst innovativ und experimentierfreudig zu gestalten. Dies merkt man ihnen auch an. Sie passen in keinerlei Schublade: mal klingen sie folkig mit Banjo, mal fast schon nach psychodelischen Elektropop mit Synthesizer- und Orgelklängen. Als Inspirationsquelle scheinen die Bonner dabei B-Movies und Horrorfilme zu nutzen (so u.a. bei Antropophagus, für das sie auf Platte sogar auch Bonnie Prince Billy gewinnen konnten).

Heute ist der Saal bestuhlt und bereits – obwohl die Mighty Oaks erst im Februar diesen Jahres auf ihrer Akustik-Tour in Köln spielten – sehr gut gefüllt. Köln scheint, wie Ian Hooper später bemerkt, ein gutes Pflaster für die drei Wahlberliner („Köln, ihr wart immer gut zu uns.“). Überhaupt bleibt ihnen bei ihrem Auftritt viel Zeit für Kommentare zwischen den Liedern. Dabei verfällt Hooper bei seinen Erzählungen zwischen den Stücken immer wieder ins Englische oder mischt Deutsch mit Englisch. Beides versprüht Charme. Alle drei wirken dabei unheimlich sympathisch, bescheiden und fast demütig. Sie sind dankbar für die Chance, die ihnen die Musik eröffnet und sie scheinen mit Berlin an ihrem Ort angekommen zu sein.

Nach einer kurzen Umbauphase betreten dann die Mighty Oaks die Bühne. Kaum eine andere Band haben wir die letzten Jahre so oft gesehen. Und doch bekommen sie uns jedes Mal aufs Neue. So auch heute. Wir merken wie viele Hits („The Great Northwest“, „You Saved My Soul“, „Be With You Always“, „One Shot“ oder „Brother“) sie doch haben, erwischen uns wieder beim Mitsummen und sind glücklich ob des schönen Konzertes. Als Zugabe erfolgt dann noch „Seven Days“ vollkommen unplugged nur mit einem Mikrofon für alle drei.

Es war wunderbar.

Beide Bands könnt ihr dieses Jahr noch hier live sehen:

The Mañana People
01. – 04.08.2019 Freakstock Festival, Gut Herdecke

Mighty Oaks
25.05.2019 Sankt Pölten, Festspielhaus
01.06.2019 Gifthorn, Schloss Open Air
06.06.2019 Nürnberg, St. Katharina Open Air
27.07.2019 Feldkirch, Poolbar Festival
28.07.2019 Ludwigsburg, KSK musicOpen
13.08.2019 Oppurg, Rittergut Positz
14.08.2019 Ulm, Obstwiesenfestival (Pre-Show)
15.08.2019 Dresden, Weißer Hirsch
16.08.2019 Leipzig, Parkbühne Open Air
01.09.2019 Darmstadt, Golden Leaves Festival

Das c/o pop Festival findet 2020 vom 22. – 26. April in Köln statt.