Mittlerweile ist es schon eine gute Tradition, dass Brainstorm rund um die Veröffentlichung eines Albums ein besonderes Konzert oder gar eine kleine Tour spielen, um diese Tatsache ausgiebig zu feiern. Dann gibt es nicht nur die neuen Songs das erste Mal live zu hören. Man hat die aktuelle Platte (in diesem Fall „Midnight Ghost“) am Merchandising-Stand dabei, präsentiert Shirts zum Sonderpreis oder spezielle Fanpakete, die es nur bei dieser einzelnen Gelegenheit gibt. Eine feine Sache! Dieses Mal sind es gleich fünf Konzerte, die man gemeinsam mit den Kollegen von Mob Rules runterreißt, die ihrerseits auch ein brandaktuelles Scheibchen am Start haben. In den jeweiligen Veranstaltungsorten darf auch noch eine lokale Supportband ran.

Für das Handwritten-Team war es keine Frage, einen der Tourabstecher zu besuchen. Und die Wahl, welches Konzert es sein soll, liegt nicht nur aufgrund der Nähe auf der Hand. Denn Brainstorm gastierten in ihrer quasi Heimatstadt Heidenheim an der Brenz und die Heimspiele der Band sind immer etwas Besonderes – egal ob beschaulichen Rock It in Aalen, der Verlegensheitslösung in Giengen damals oder heute eben im Lokschuppen. Das alte, direkt am Hauptbahnhof gelegene Backsteingebäude ist zudem ein recht schmuckes Ding und sorgt für ein Plus an Atmosphäre. Also, wohl alles richtig gemacht.

 

 

Als lokale Unterstützung verdingte sich an diesem Abend der einheimische Fünfer MISSION IN BLACK, welcher erst im Mai sein Debütalbum „Anthems Of A Dying Breed“ beim Label von Brainstorm-Gitarrist Torsten Ihlenfeld, El Puerto Records, veröffentlicht hat. Die Truppe hat sich vor kurzem neu formiert und spielt einen thrashig angehauchten Powermetal, der vor allem durch Sängerin Steffi Stuber speziell wird. Die attraktive Dame wechselt zwischen giftigen Growls und kraftvollem Klargesang. Besonders letzterer hat biete jede Menge Power und es wäre gar nicht nötig künstlich auf böse zu machen. Aber hier geben die Vorlagen leider nichts anderes vor. Es reißen vor allem die Hooks und Melodien mit. Die geradlinige Powermucke kam deswegen auch recht gut beim sich so langsam sammelnden Publikum an und die bis auf die Frontfrau recht blass wirkende Band wurde ihrer Anheizerrolle durchaus gerecht.

 

Den Anheizer zu spielen haben Nordlichter MOB RULES eigentlich nicht mehr nötig. Aber ein solches Angebot schlägt man dann doch nicht aus. Rund eine Stunde hatte man Zeit das Publikum mit seinem äußerst melodischen Powermetal zu verwöhnen. Und das gelang der souverän auftretenden Truppe ziemlich gut. Zehn Songs gab man zum Besten, von denen der Großteil von den letzten beiden Alben „Tales From Beyond“ und „Beast Reborn“ stammt. So sehr sich Mob Rules auch als Einheit präsentierten, so muss man doch sagen, dass hier auf der Bühne doch alles mit dem Sänger steht und fällt. Der in einem Art Piratenlook auftretende Klaus Dirks war Dreh- und Angelpunkt der Show. Ein Charismatiker, ein echtes Rampentier und zudem auch noch ein starker Vokalist, der seine Songs ansprechend präsentiert. Das Energielevel war beständig hoch und die Begeisterung stieg von Song zu an. Man muss auch sagen, dass das Ganze live ein bisschen knackiger und vor allem mitreißender als vor der heimischen Stereoanlage rüberkommt. Das hymnische Potenzial der Nummern entfaltet sich hier richtig, besonders beim abschließenden „Hollowed Be Thy Name“. Am Ende war die Halle gut gefüllt und brandender Applaus war der Band gewiss. Starker Auftritt, das muss man schon sagen!

Setlist Mob Rules:
Ghost of a Chance
Somerled
Black Rain
Sinister Light
My Kingdom Come
The Last Farewell
Children’s Crusade
On the Edge
(In the Land Of) Wind and Rain
Hollowed Be Thy Name

 

Aber die Herren des Hauses waren trotzdem ganz eindeutig die Lokalmatadore BRAINSTORM. Anspannung und Vorfreude waren groß, als das Licht ausging und das Intro erklang. Dosenöffner des Abends war (wie auf dem aktuellen Album) „Devil’s Eye“. Die Band, allen voran Frontmann Andy B. Franck, explodierte richtig und die im Vorfeld latente Aufregung war wie weggeblasen. Selbstsicher und mit jeder Menge Power knallte das Quintett seine Songs den Fans entgegen. Anfangs noch ohne echten Pause, haute man gleich noch das kräftige „Worlds Are Comin’ Through“ sowie (überraschenderweise) den eigenen Überhit „All Those Words“ hinterher. Komisch, den Song gleich hier und nicht ganz am Ende zu hören. Man merkte: Brainstorm hatten wohl noch einiges vor.

Später blieb aber zwischen den Songs noch genug Zeit für Franck mit dem Publikum zu schäkern und den einen oder anderen lockeren Spruch rauszuhauen. Da man ja quasi zu Hause war, geschah dies auch noch im tiefsten Schwäbisch. Sehr schön, mehr Authentizität geht eben nicht. In Portugal würde man den stimmgewaltigen Herren damit noch besser verstehen, als Norddeutschland, meinte er süffisant. Dieses Pfund Lokalkolorit ist es auch, welches die „Heimspiele“ der Band besonders macht. Ein Treffen unter Freunden auf Augenhöhe, plus dem Quäntchen mehr an Spiellaune, welches die heiß aufgeladene Band fast zum Bersten bringt. Zu spüren war die Freude vor allem dann, wenn man die neuen Songs präsentierte. Vor allem das Epos „Jeanne Boulet (1764)“, der Power-Hammer „The Pyre“ und der hymnische Knaller „Ravenous Minds“ kamen astrein rüber und wurden von den Fans auch entsprechend beklatscht. Premiere somit gelungen.

Trotzdem hatte man natürlich auch Bock auf ein paar „Oldies“. Selbstläufer wie „Falling Spiral Down“, „Fire Walk With Me“ und „Shiva’s Tears“ hatte man selbstverständlich mit an Bord. Mit „In These Walls“ wurde ein etwas seltener zu hörender Titel aus der Mottenkiste gezerrt. Zwischen den zackigen Nummern war das durchaus eine nette Abwechslung. Ein paar Briketts mehr legte man dafür zum Ende hin nach. Und so war bei der lauthals geforderten Zugabe keine Schunkelei angesagt, sondern man haute nochmals ordentlich einen raus. In diesem Fall „Highs Without Lows“ und „Doorway To Survive“.

Danach konnte wohl kaum noch was kommen. Und das tat es auch nicht. Nach rund 90 Minuten kraftvoller Musik und ausgelassener Feierstimmung hatte dieser tolle Abend sein Ende gefunden. Brainstorm hatten abgeliefert – was man ehrlich gesagt auch gar nicht anders erwartet. Wer nicht die Chance hatte, bei dieser Minitour dabei zu sein, sollte im Januar/Februar Ausschau halten. Denn da legen die Schwaben mit einer weiteren Rundreise nach. Und das sollte man sich mit dieser starken, aktuellen Platte in der Hinterhand, nicht entgehen lassen!

Setlist Brainstorm:
Devil’s Eye
Worlds Are Comin‘ Through
All Those Words
Revealing the Darkness
Fire Walk With Me
The World to See
Firesoul
Falling Spiral Down
The Pyre
Shiva’s Tears
In These Walls
Jeanne Boulet (1764)
Erased by the Dark
Ravenous Minds

Highs Without Lows
Doorway to Survive