In der zweiten Ausgabe von „Where We Practice“ geben uns die Skate-Punks Insert Coin eine Führung durch ihren Proberaum in Recklinghausen und erzählen, wieso er für sie ein geradezu magischer Ort mitten im Ruhrgebiet ist.

„Kennste eins kennste alle“ – Rote Backsteinbauten sind im Ruhrgebiet ungefähr so selten wie Sand am Strand. Man muss nicht zwingend aus dem Pott kommen, um monströsen Zechengebäuden einen gewissen Charme zusprechen zu können. Eine alte Halle der Zeche König Ludwig in Recklinghausen gehört allerdings nur auf den ersten Blick zu den gewöhnlichen Sandkörnern. Hinter einer der vielen Türen versteckt sich unser heiligster Raum, den wir euch jetzt etwas näher vorstellen wollen.

Auf den langen Gängen reiht sich Tür an Tür, man kennt sich, man grüßt sich, es wird gequatscht und auf dem Flur geraucht. Langjährige Raumnachbarn werden zu Freunden und so ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich ’ne Stunde lang verquatscht, neue Songs vorspielt oder zusammen in Ruhe ein entspanntes Bier trinkt. Ansässig sind Recklinghäuser Bands wie Astrolaut, M-Pulse, Layment, Pink Pony in Danger und und und… es ist allerdings keine Seltenheit, dass Bands aus dem näheren Umfeld oder aus anderen Ruhrgebietsstädten den Weg in Kauf nehmen, um in trockenen Proberäumen 24 Stunden am Tag Musik machen zu können. Sogar die Klos sind sauber.

Die Tür zum Paradies wie man sie sich vorstellt: grau und ungelenk verziert. Bei jeder Gelegenheit erinnert uns unser Vermieter – und Initiator der ganzen Anlage Erich Scharfenberg – freundlichst daran, dass wir doch bitte nichts auf die Türen kleben sollen. Da wir allerdings wie seit Jahren immer noch nicht beabsichtigen den Raum zu verlassen, genießen wir scheinbar so etwas wie Welpenschutz was eine der wenigen eisernen Regeln angeht. Nur andersrum. Sesam öffne dich.

Erst mal ankommen. Kein Proberaum wäre ein Proberaum ohne eine halbwegs ranzige Couch und einen noch ranzigeren Tisch, liebevoll „die Niere“ genannt. Hier sitzen wir vor und nach der Probe zusammen, besprechen extrem wichtige Dinge oder erholen uns einfach nur kurz. Funfact: Unser Timing ist beim Mucke machen definitiv besser als beim Treffen, was zugegeben und vielleicht etwas ausredesuchend getrost dem Verkehr geschuldet sein sollte. Aber sind wir mal ehrlich, was gibt es schöneres als nach der Arbeit auf der A43 zu stehen und einen halbwarmen Cheeseburger zu verdrücken? Siehste, nichts. Muss man aber von hier für sein.

Naaaa bitte! Direkt das nächste Proberaum-Klischee erfüllt: Poster und sonstige Devotionalien von vergangenen Shows an den Wänden soweit das Auge reicht. Plakate von den ersten eigenen Konzerten und unseren persönlichen Support Highligts für z.B. Pennywise oder No Use For A Name, Backstagepässe, aber zum Beispiel auch rudimentäre Dinge wie die Durchfahrtsgenehmigung von unserem ersten, durchaus unvergesslichem Rock-Am-Ring-Wochenende.

Übrigens, und so gar nicht Klischee: wir haben sogar ein Fenster das sich öffnen lässt.

Bei gefühlten 42 Grad in einem geschlossenen Raum kann man schonmal auf die Idee kommen ein Video zu drehen. Man kann sich dafür auch ein paar Freunde einladen die sogar Bier mitbringen. Das kann man auch sonntags machen. Klappt alles wunderbar. Hier ein kleines Rätsel aus gegebenem Anlass. Was passt nicht in die folgende Aufzählung: 35 Leute auf 20 m², laute Musik, Bier, ausgelassene Stimmung, sauberer blauer Teppich, werksneu, klebefrei?

Mal ein bisschen Techtalk, da wir hin und wieder drauf angesprochen werden.

Helges Gibson SG hängt an einem Marshall JCM 900 mit 4×12 Marshall AX Cabinet.

Didschu spielt eine PRS SE Singlecut an einem Mesa Boogie Dual Rectifier mit 2×12 Mesa Boogie Cabinet.

Stephans Sterling Music Man läuft über einen Warwick Amp Head 150 an einer Ampeq SVT-Classic 6×10.

Cickas Schießbude kommt aus dem Hause Rockstroh und setzt sich zusammen aus 22“ Basedrum, 14“ Snare, 12“ Tom Tom, 16“ Standtom mit A Custom Beckensatz 14“ Hi-Hat, 16“ China, 16“ Crash, 18“ Crash, 22“ Ride von Zildjian.

Damit wir uns nicht zu sehr langweilen hat Helge irgendwann eine Dartscheibe angeschleppt, die regelmäßig mit 180er Würfen bombardiert wird. Wir haben, dem Kühlschrank sei’s gedankt, auch schon mehrere feucht-fröhliche Dart- oder Fifa-Turniere veranstaltet, natürlich standesgemäß mit Lostrommel, Rundenphase, Spiel um Platz 3 und anschließender Siegerehrung samt Pokal. Vielleicht hat’s auch deswegen mit dem letzten Album einen Tag länger gedauert, sorry an dieser Stelle.

Falls ihr also mal in der Nähe seid, klopft doch einfach an und kommt uns besuchen.

Bier steht kalt, bis bald.

 

 

Das neue Album von Insert Coin, „Way Out“, erschien im September über Uncle M, in den nächsten Wochen geht die Band zudem auf Deutschland-Tour.

05.10. Braunschweig – B58
06.10. Chemnitz – Zukunft
31.10. Marl – Hagenbusch
03.11. Wermelskirchen – AJZ Bahndamm
09.11. Bochum – Rotunde
24.11. Alfeld – Alfeld Rock Café
08.12. Karlsruhe – Z10