Ich habe mal wieder einen Abend damit verbracht meine Musiksammlung zu analysieren um dann wiederum vor der Qual der Wahl zu stehen, welches Meisterwerk ich für unsere Rubrik Handwritten-Classics auswählen sollte. Die Entscheidung fiel dann auf das dritte Studioalbum von Apocalyptica mit dem Tilel „Cult“. Das Album erschien am 2. Oktober 2000.

Es war eine Zeit in der ich eigentlich eher Nu Metal hörte und Bands, wie Korn, Limp Bizkit und Papa Roach bei mir im Vordergrund standen. Leider erinnere ich mich auch nicht mehr so gut daran, wie und wo ich auf Apocalyptica aufmerksam wurde. Allerdings weiß ich noch, dass es der Song „Path“ war, welcher irgendwann zu Beginn des Jahres 2001 mein Interesse weckte und ich dachte, wow, was für ein krasser Gitarrensound.

Etwas später sah ich das Musikvideo zu „Path“ im TV, welches nur auf VIVA Zwei lief. Verwirrt stellte ich fest, KEINE Gitarren. Ich konnte nicht begreifen, dass auf vier Cellos ein derart heftiger Sound entstehen konnte. Das klassische Instrumente verwendet wurden, war mir bewusst, aber als Teenager, der keine Ahnung hatte, hielt ich es für eine oder zwei Violinen, welche wohl irgendwo im Hintergrund spielten. Nachdem ich mir „Cult“ gekauft hatte und wieder einmal sehr dankbar darüber war, dass mein Discman eine Repeat-Funktion hattte, lief „Path“ rauf und runter. Erst nach und nach hörte ich mich in den Rest des Albums ein.

Auf „Cult“ setzten Apocalyptica, im Gegensatz zu ihren beiden Vorgängeralben, vermehrt auf eigene Songs. Coverversionen gab es nur zu Edvard GriegsHall of the Mountain King“, sowie den beiden Metallica-Songs „Until it Sleeps“ und „Fight Fire with Fire“. Auch der Sound auf „Cult“ bekam mit den Perkussions-Effekten eine neue Note. In den Tracks „Path“, „Hyperventilation“, „Kaamos“ und „Hall of the Mountain King“, in denen bereits eine grundlegende Dramatik vorliegt wird diese dadurch noch intensiviert. Auf „Hope“ ist genau das Gegenteil der Fall, beginnt der Song schnell, hart und intensiv wird er mit zunehmender Dauer sanfter und entwickelt sich dann zum Refrain hin wieder zu einer kraftvollen Melodie, die man heute in den Bereich Epic Music einordnen würde.

Auch für Freunde des gepflegten Mosh-Pits ist etwas dabei. Den bereits erwähnten Coversong des Metallica-Klassikers „Fight Fire with Fire“ interpretieren die vier Jungs aus Finnland in ihrem ganz persönlichem Stil. Dabei begeben sich Apocalyptica zurück zu den Wurzeln von Metallica und deren damaliger Ruf, die schnellste Band der Welt zu sein, mit dem dazugehörigen Thrash- und Speedmetal-Sound.

Als Apocalyptica ihren Track „Path“ nochmals mit Sandra Nasić (Guano Apes) als Sängerin aufnahmen und daraus „Path Vol. 2″ machten, war ich froh, dass ich diese Version nicht zuerst gehört hatte, sonst wäre Apocalyptica zu dieser Zeit an mir vorbei gegangen. „Path Vol. 2″ ist lyrisch keine Sahneschnitte und Sandra Nasićs Gesang dezimiert die Qualität erheblich, da dieser nicht recht zum Sound bzw. zur Melodie von „Path“ passen will. Spätere Kooperationen mit Ville Valo (HIM) und Lauri Ylönen (The Rasmus) wiesen dabei ein weitaus höheres Maß an Professionalität und Qualtät auf.

„Cult“ war und ist für mich eine der bahnbrechendsten Alben aus meiner Jugend. Eine großartige Horizonterweiterung in meiner damals kleinen Welt, wo auch das musikalische Denken noch fast monotheistisch war und man selten genreübergreifende Gemeinsamkeiten im Freundes- und Bekanntenkreis fand.

 

 

  1. Path
  2. Struggle
  3. Romance
  4. Pray!
  5. In Memoriam
  6. Hyperventilation
  7. Beyond Time
  8. Hope
  9. Kaamos
  10. Coma
  11. Hall of the Mountain King
  12. Until it Sleeps
  13. Fight Fire with Fire

https://www.apocalyptica.com/en/