30 Jahre The Seer. Das gibt es dieses Jahr zu beklatschen. Eigentlich im Rahmen zahlreicher Konzerte. Das wird ja leider derzeit nix. Aber zumindest feiert sich der Fünfer jetzt etwas selbst und vertreibt über seine Homepage eine Jubiläumsveröffentlichung, welche sich voll und ganz an den langjährigen Fan richtet: „Rewind“.

Eine Veröffentlichung im Geiste der beiden Raritätensammlungen „Retrospective“ (2003) und „Retrospective Vol. 2“ (2006), welche damals streng limitiert und recht schnell vergriffen waren. Denn „Rewind“ enthält ausschließlich Songs von vor dem gerade im Rahmen der Classics-Kategorie besprochenen Debütalbum „Across The Border“. Also zwischen 1990 und 1995 entstandene Nummern, ihrer alten Kassetten-Veröffentlichungen „TIR“ und „Land Of Legend“ sowie bisher unveröffentlichte Demos. Einiges davon war bereits auf den beiden „Retrospective“-CDs enthalten, einiges hat man extra aus den Archiven hervorgekramt und das Ganze digital entstaubt und remastert.

The Seer gewähren damit einen interessanten Blick in ihr „Vor-CD-Zeitalter“. Dieser reicht sogar bis ganz zu den Anfängen zurück, als die Brüder Shook (Gesang, Gitarre) und Peter (Keyboards) noch als Trio mit Schlagzeuger Stephan Daffner unterwegs waren und noch auf der Suche nach sich selbst. Auf „If Mirrors Could Talk“ meint man gar jemand ganz anderes singen zu hören. Auch „The Fox“ und „Dance This Dance“ sind noch zwei etwas naiv klingende, aber nicht ganz uninteressante Songs, welche den Weg von The Seer nachzeichnen.

Mit dem Einstieg zuerst von Schlagzeuger Michael Nigg und Bassist Jürgen Nils Müller und später Multiinstrumentalist Jo Corda, kristallisierte sich recht schnell ein eigener Sound heraus, welcher über die Jahre nur etwas verfeinert wurde. Mit der Hinzunahme von Corda fanden erstmals deutliche Folkbezüge Einzug bei The Seer, was in Song wie dem schmissigen „Letter To Ireland“ oder der atmosphärischen Ballade „Irish Summer“ mündete, die beide zu den Klassikern der Band zu rechnen sind, obwohl sie den Weg auf ein Studioalbum fanden. Schade eigentlich. Das gilt auch für das aufpeitschende „Fire In My Heart“, das ebenso feurig klingt, wie es heißt. Schön auch „Wonderful Day“ mit seiner Sonnenaufgangstimmung oder der unplakative, typische Seer-Rocker „Flower Of Rose Street“.

Wie sich Songs im Laufe der Zeit und mit Hilfe von Studioprofis am Mischpult entwickeln können, kann man gut anhand der Demoversionen von „Killing Fields“, „Man Behind Your Sky“ und „The Man Who Sailed The 7 Seas“ nachvollziehen, welche später auf „Across The Border“ oder dem Nachfolger „Own World“ teilweise ganz anders klangen.

Mit „Rewind“ haben The Seer ihren Fans ein interessantes Geschenk gemacht, welches sich auch Inhaber der beiden genannten „Retrospective“-Alben ohne groß nachzudenken ins Regal stellen können.

 

Trackliste:
1. New Land
2. Hidden From You
3. Dance This Dance
4. Flower Of Rose Street
5. Fire In My Heart
6. If Mirrors Could Talk
7. Wonderful Day
8. November Rain
9. The Fox
10. Winter
11. The Man Who Sailed The 7 Seas
12. Killing Fields
13. Letter To Ireland
14. Man Behind Your Sky
15. Irish Summer