Die frühen 2000er hatten Musikmäßig einiges zu bieten – ich könnte vermutlich jede Classics mit einem Album aus der Zeit füllen – und heute widme ich mich der „Sing The Sorrow“ von AFI. Das 6. Studioalbum der Band um Davey Havok hat mich damals direkt aus den Puschen gehauen, wie man bei uns in Westfalen so schön sagt, und auch heute kann ich meine Füße kaum stillhalten, wenn ich einen der Songs höre. Irgendwo zwischen Punk und Horrorpunk, Goth und einem Einschlag Hard- und Emocore. Teils epochale Songs, vermengt mit verspielten Songstrukturen und dazu Davey Havoks Gesang mal clean, mal fast schon kreischend. Backgroundchöre und Refrains zum Mitsingen, harte, schnelle Gitarren und treibendes Schlagzeug, die zum Tanzen anregen. Und zwischendurch dann mal ein kurzer Ausflug in elektronische Gefilde. Oder ein verhältnismäßig ruhiger Song. Ein wilder Ritt irgendwie. Und perfekt genau so wie es ist. Und wer AFI zur damaligen Zeit mal live gesehen hat, weiß, dass sie das auch 1:1 auf die Bühne übertragen haben. Ich erinnere mich noch an die Show auf der Tour zur „Sing The Sorrow“ damals in Köln, als die 4 ohne Vorband direkt auf die Bühne sind, den Laden in Schutt und Asche gespielt haben und erst nach fast 2h wieder von der Bühne sind.

Für mich kamen AFI mit ihrer ersten Platte auf Dreamworks zumindest genau zur richtigen Zeit. Ich hatte grade dank The Spook den Horrorpunk für mich entdeckt, war aber auch immer noch tief in Punk und Hard-/Emocore versunken. Über einen guten Freund hatte ich schon die älteren Platten des Quartetts aus Kalifornien kennengelernt, die ja teilweise noch deutlich Hardcore-lastiger sind. Und dann kam die erste Single aus der „Sing The Sorrow“: „Girl’s Not Grey“. Mega catchiger Song, Lyrics, die man quasi sofort mitsingen kann und das Ganze dann auch noch tanzbar – gut, das hat mich damals eher kalt gelassen 😀 Aber die Vorfreude auf’s Album war mehr als geweckt und wurde mit dem Release nur noch gesteigert und auch Heute kann ich mir das Album 4-5 Mal direkt nacheinander anhören und es wird nicht langweilig. Und wenn dann „The Leaving Song Pt. II“ oder „Girl’s Not Grey“ mal im Club laufen wenn ich Feiern bin, sieht man mich definitiv freudig grinsen und danach laut mitsingen.

Mit der „Sing The Sorrow“ haben AFI für mich ihr stärkstes Album abgeliefert. Und auch der kommerzielle Erfolg gibt dem Ganzen Recht. Durch den Wechsel von Nitro Records zu Dreamworks wurde das Album direkt nochmal einem größeren Publikum zugänglich und diverse Chartsplatzierungen von Album und Singles bezeugen, dass das Publikum das Album auch mehr als Dankbar angenommen hat und die Band avancierte schnell zu Stars der Szene, bzw auch darüber hinaus. Die Hallen wurden immer größer, was dann mit dem Nachfolgealbum „Decemberunderground“ nochmal deutlich gesteigert wurde. Danach sank leider die Qualität der Alben etwas ab, erst mit dem letzten Album „Burials“ haben die 4 wieder zu alten Stärken zurückgefunden.

Darum gehört die „Sing The Sorrow“ definitiv in die Handwritten Classics Reihe. Und ich höre sie mir jetzt noch 3-5 Mal an.

 

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AFI – Sing The Sorrow
01. Miseria Cantare – The Beginning
02. The Leaving Song Pt II
03. Bleed Black
04. Silver And Cold
05. Dancing Through Sunday
06. Girl’s Not Grey
07. Death Of Seasons
08. The Great Disappointment
09. Paper Airplanes (Make Shift Wings)
10. This Celluloid Dream
11. The Leaving Song
12. …But Home Is Nowhere
13. This Time Imperfect (Secret Track inklusive Spoken Word)