Endlich ist es so weit, Turbostaat kredenzen uns am Freitag ihr neues (und damit bereits siebtes) Album „Uthlande“. Auch wenn letztes Jahr mit „Nachtbrot“ erst ein Live-Album der Flensburger im Regal der heimischen Platten-Dealer lag, so mussten wir alle geschlagene drei Jahre warten, bis nach „Abalonia“ ein neues Studioalbum bereit steht.

Gewohnt ungewohnt hört auch dieses Machwerk wieder auf einen recht eigenwilligen Namen – für alle unwissenden (wie mich zum Beispiel), „Uthlande“ ist ein alter Begriff für die Inseln, Halligen und Marschen vor dem nordfriesischen Festland.

Und irgendwie dreht sich im übertragenen Sinne alles um diese sogenannten Inseln, die wie ein Fels in der Brandung da stehen und unzähligen Stürmen trotzen, so wie jeder einzelne von uns immer wieder auf die Probe gestellt wird – Entscheidungen müssen getroffen werden, Gegenwind muss stand gehalten werden und selbst wenn man so manches Mal glaubt, dass einem nun endgültig der Boden unter den Füssen weggespült wird, am Ende des Tages geht man gestärkt aus jedem Sturm hervor.

Besonders eindringlich beschäftigen sich Turbostaat direkt beim Opener „Rattenlinie Nord“ mit der dunklen Vergangenheit und aber auch mit der aktuellen politischen Lage im Land – gilt es so, sich gegen das Vergessen zu wappnen und der neuen Rechten keinen Nährboden für ihr menschenverachtendes und unerträgliche Gehabe zu bieten…

Und was tut man eigentlich in der provinziellen Einöde, umgeben von endlosen Wassermassen? Man beginnt nachzudenken, über das Leben, die nie enden wollenden Tage – oder manchmal einfach über „Ein schönes Blau“. Chapeau, hier ist euch aber mal wieder eine ganz besondere Nummer gelungen!

Einen besonderen Eindruck hinterlassen hat übrigens neben der bereits erwähnten „Rattenlinie Nord“ auch der „Brockengeist„, bei welchem einen Jan und Co. erneut auf phantastische Weise von ihrem musikalischen Können überzeugen. Anfangs fast an die guten alten Boxhamsters erinnernd, bewegen sie sich auf dem schmalen Grad zwischen ausschweifender Verspieltheit und perfekter Inszenierung – und was soll ich sagen, JanTobertMartenRollo und Peter gewinnen gekonnt auch diese Herausforderung!

Überhaupt schaffen sie es wieder gekonnt kryptische Texte mit schwerem Tiefgang mit frickelig verspielten Melodien zu vereinen… aber genau das macht ja den typischen Turbostaat-Sound aus!

Ohne noch weiter endlos ausschweifen zu wollen, ob „Uthlande“ das beste Turbostaat Album geworden ist, darüber kann, will und werde ich mir hier kein Urteil erlauben – für mich zeigen die Fünf auf jeden Fall, dass sie die lange Zeit des Wartens gewinnbringend genutzt haben und man auch 2020 nicht an ihnen (als eine der besten Punk-Bands der Republik) vorbei kommt.

 

Titel:
1. Rattenlinie Nord
2. Meisengeige
3. Ein schönes Blau
4. Schwienholt
5. Stine
6. La Hague
7. Nachtschreck
8. Luzi
9. Heilehaus
10. Brockengeist
11. Hemmingstedt
12. Stormi

 

Hier gibt’s dann direkt die Tourdaten der “Rattenlinie Nord Tour“:

13.02.2020 Jena, Kassablanca
14.02.2020 Köln, Kantine
15.02.2020 Mainz, KuZ Kulturzentrum Mainz
19.02.2020 Hamburg, Markthalle
20.02.2020 Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.02.2020 Berlin, Festsaal Kreuzberg (Ausverkauft)
22.02.2020 Dresden, Tante Ju
03.04.2020 Bremen, Schlachthof
04.04.2020 Düsseldorf, Zakk
05.04.2020 Aschaffenburg, Colos Saal
07.04.2020 Marburg, KFZ
08.04.2020 AT-Wien, Werk
10.04.2020 Leipzig, Conne Island
11.04.2020 Rostock, M.A.U. Club
30.10.2020 Hannover, Capitol
31.10.2020 Münster, Sputnikhalle

Karten kriegt ihr hier

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Turbostaat - Uthlande (PIAS, 17.01.2020)
4.7Gesamtwertung