Manchmal ist es ja so, dass man nur wegen der Vorband zu einem Konzert geht. So war das bei mir tatsächlich auch, als ich am Samstag ins FZW in Dortmund ging, um mir Razz anzuschauen. Die Vorband war Yukno, gesprochen [juːnoː] , sozusagen „you know“, so richtig verstanden hab ich das mit dem Namen immer noch nicht. Mit einer Verspätung von gefühlten 30 Minuten, kam Yukno auf die Bühne. Doch das Brüder-Duo aus der Steiermark überzeugte mich, nicht zum ersten Mal, mit ihren tanzbaren Songs. Lässig spielten sie sich durch ihr Set, die Atmosphäre war angenehm, ich hatte durchaus Bock zu tanzen. Die anderen irgendwie nicht so. Das war schade, denn Yukno lieferten eine wirklich gute Show ab. Doch das Publikum war für die eher ruhigen Songs nicht wirklich aufnahmefähig, man merkte, dass alle hauptsächlich zum Tanzen gekommen waren. Es wurde ständig getuschelt, der deutsch-sprachige Elektro-Pop von Yukno ging irgendwie unter. Trotzdem haben sich die beiden nicht unterkriegen lassen und hatten sichtlich Spaß auf der Bühne.

Auf Razz musste dann nochmal eine Ewigkeit gewartet werden. Das Publikum hat das jedoch nicht gejuckt, die Jungs aus dem Emsland kamen auf die Bühne, es wurde es wurde getanzt, es bildete sich ein Moshpit. So ging das dann immer weiter. Die Leute waren anscheinend auf einmal wach und völlig euphorisiert, von Song zu Song wurden sie ausgelassener. Generell steigerte sich die Stimmung bis zum Ende. Höhepunkt des Gigs war der Gastauftritt von Fred, dem Sänger der Giant Rooks (die deutschen One Direction, nur in Indie), welcher mit Razz den Song „Another Heart/Another Mind“ performte. Kreischende Mädchen zückten ihre Handys und schmachteten die durchaus ansehnlichen Frontmänner an. Gut, das hört sich etwas übertrieben an, aber die meisten konnten ihr Glück kaum fassen und freuten sich, dass sie nach dem Konzert noch fleißig Selfies schießen konnten.

Man merkte durchaus den Einfluss der Giant Rooks bei „Another Heart/Another Mind“, der Song ist viel ruhiger und hebt sich deutlich von den anderen Razzsongs ab. Razz hatten das Publikum völlig im Griff, es klatschte wenn es zu klatschen hat und auch die Band hatte sichtlich Spaß auf der Bühne. Razz spielten lauten Indie-Rock mit Refrains, die sich einprägten. Irgendwie klang auch viel gleich, Ecken und Kanten haben die Songs nicht, aber das kommt an. Der Sänger Niklas Keiser war sichtlich gerührt, als er zum zweiten Mal erwähnte, dass das Konzert AUSVERKAUFT sei. Verrückt. Die letzten Lieder, die Razz spielten, sind tatsächlich auch die bekanntesten. Bei „Let It In, Let It Out“, „Turning Shadows“ und „Youth & Enjoyment“ rastete das Publikum komplett aus, es wirkt, als hätten alle auf diese Songs gewartet. Ich muss gestehen, ich auch.

Ein wirklicher Razz-Fan war ich nie, werde ich wahrscheinlich nie sein, aber live hat die Band mich wirklich überzeugt. Obwohl das Publikum anfänglich sehr verhalten war, ist die Stimmung noch richtig gut geworden. Razz scheinen auch unterschiedliche Altersklassen anzusprechen, das Publikum war ziemlich durchmischt. Vielleicht war es auch deshalb so schwer für die Konzertbesucher in Stimmung zu kommen, eben weil das Publikum so heterogen war. Anfänglich schienen die Leute auch ein wenig irritiert, da Yukno mal so völlig andere Musik als Razz machen. Es kann natürlich auch sein, dass ich in der komplett falschen Reihe stand und nur die Menschen um mich rum so komisch geguckt haben. Mir hat der gesamte Abend jedenfalls sehr gut gefallen. Wahrscheinlich werde ich die letzten Alben von Razz ab jetzt mal intensiver hören. Das Album von Yukno, welches am 02.02. erscheinen wird, werde ich mir definitiv kaufen.