Ganz oben angekommen scheinen die Herren von Trixsi mit ihrer ersten Scheibe schon zu sein, denn aus welchem Grund sonst nennt man sein Debüt-Album provokant „Frau Gott“ – gibt es doch bekanntlich in Hamburg nur einen G.Ott (Vorname: Rainer, Funktion: „GHVC Mädchen für Alles“)… oder?

Aus diesem Grund gilt es heute einmal ganz genau zu prüfen, ob die Hamburger denn wirklich das halten, was sie aufgrund ihrer namenhaften Besetzungscouch versprechen. Angefangen bei dem liebenswürdigen, aber bisweilen immer auch ein wenig chaotischen Sänger und Hobby-Autor Jörkk Meckenbier, der neben Love A und Schreng Schreng & La La auch immer wieder den einen oder anderen Song bekannter Künstler (Kettcar, Antilopen Gang, Frittenbuden usw.) gesanglich verfeinert, über Paul Konopacka (Schlagzeug) und König Wilhelmsburg (Gitarre) von der Hamburger Indierockband Herrenmagazin, bis zum Findus-Gitarristen Kristian Kühl und Klaus Hoffmann, der damals bei Jupiter Jones ein Leben als Star-Bassist genossen hat.

Die in einem Bericht aus dem letzten Jahr liebevoll als „Supergroup am Schnaps“ benannte Combo rockt sich auf „Frau Gott“ dreckig, rotzig und auch ein wenig gemein durch elf Nummern, die schonungslos den Kampf mit dem Leben aufnehmen, um am Ende dann doch am Rande des Abgrunds zu stoppen… wobei sie gelegentlich den Anschein machen, bereits einen Schritt weiter zu sein.

Als ganz besonderes Highlight der Platte möchte ich hier „Trauma“ erwähnen – die Nummer (die mich übrigens irgendwie an die lieben Menschen von Schrottgrenze erinnern) hat mich schon beim Wir Sind Lauter #3 im November im Kliemannsland begeistert. Überhaupt hat der Gig beim Festival zugunsten der Seenotrettung ganz viel Bock auf mehr gemacht, weswegen das Album gerade häufiger in die Rotation geht.

Ja okay, einige Kritiker sprechen hier von „Altherrenrock“ mit wenig Tiefgang und nöligem Gesang – aber ehrlich Leute, wer genau das nicht erwartet hat, der kennt Jörkk erstens schlecht und zweitens stimmt dieser Mumpitz eh nicht, denn die Nummern klingen für mich recht frisch und alles andere als altbacken und rückschrittig!

Zugegebenermaßen muss man sich schon auf „Frau Gott“ einlassen, denn Easy-Listening ist hier inhaltlich gesehen nicht wirklich groß geschrieben – denn „Menschen“ verzweifeln am Alltag und „Ab Morgen“ mache ich alles was du willst.

Auf der „Autobahn“ des Lebens gibt es viele Ausfahrten und wenn man die „7 oder 9“ nimmt… ob es die richtige Entscheidung ist und was am Ende dabei raus kommt, wer kann das schon sagen? Man weiß ja rückwirkend eh nicht, ob und wie es anders gelaufen wäre.

Wenn man sich dann zum Schluss noch in den „IroCityExpress“ begibt und musikalisch minimalistisch einen gelungenen Abschluss feiert, dann wird das Ganze durchaus rund.

Wäre „Frau Gott“ meine Nachbarin, dann würde ich sie als humorvoll, ernst, zynisch, punkig, bedrohlich, liebevoll, rockig, hübsch, ängstlich, reizvoll, melancholisch, verkopft, sanftmütig, aber immer auch ein wenig verrückt bezeichnen!

Also genau die Art von Mensch, die man gerne als Nachbarin hätte, oder?!

 

Titel:
1. Jana Lüttich
2. Trauma
3. Ab Morgen
4. Frau Gott
5. Autobahn
6. Stetig/Redlich
7. 7 oder 9
8. Wannabe
9. Menschen
10. Dagn Dagn
11. IroCityExpress

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Trixsi - Frau Gott (Glitterhouse Records, 26.06.2020)
4.5Gesamtwertung