Wenn man nach dieser Buchbesprechung denkt, dass danach alles KLARA für einen wird, dann habt ihr euch gehörig geschnitten.

Aber fangen wir doch einfach von vorne an… oder das, was ich für vorne halte… oder bisher für vorne gehalten hatte… oder aber… ach, lassen wir das!

„Herzlich Willkommen auf der Reise in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele… an die Orte, in welche man sich aus gutem Grund bisher nicht hingewagt hatte – dort wo ein kleiner Funke reicht um alles zum Flächenbrand werden zu lassen, wo die Fratze des Wahnsinns versucht die Überhand zu gewinnen…

… herzlich Willkommen bei KLARA!“

Dirk Bernemann – Foto©: Peggy Dittrich

So könnte es auf dem Buchrücken des literarischen Werks heißen, welches ich seit Freitag in meinen Händen halte – und mir in diesem Zusammenhang immer wieder dieselbe Frage stelle… die nämlich, ob mit den Herren Off, Bernemann und Mechenbier alles in Ordnung ist, oder ob sie über die normale Tablettengabe hinaus weitere Hilfen in Anspruch nehmen sollten?!

Die beiden Literaten Dirk Bernemann (z.B. „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“, „Ich hab die Unschuld kotzen sehen – Und wir scheitern immer schöner“) und Jan Off (z.B. „Ausschuss“ oder „Vorkriegsjugend“) haben sich nämlich mit dem bisher eher im harten, unbarmherzigen Musikgeschäft rotierenden Jörkk Mechenbier (Love A, Schreng Schreng & La La) zusammen getan und der Protagonistin KLARA – in drei kurzen, aber nachhaltigen Geschichten – ein… zwei… sogar drei Denkmäler gesetzt.

Jörkk Mechenbier

Anmutig und voller Liebe werfen sich die Herren in Abenteuer, aber innerhalb kürzester Zeit herrscht Chaos und Verderben, landen die geschundenen Körper blutüberströmt auf dem Asphalt des Lebens… und immer wieder erscheint KLARA als vermeintliche Retterin, um den Opfern dann schlussendlich doch den Todesstoß zu versetzen!

Ohne groß spoilern zu wollen… selten habe ich ein Buch so schnell „vernichtet“, aber hat auch zweitens ein Machwerk so viel Verstörung bei mir hinterlassen! – und plötzlich ist nichts mehr klar!

Jan Off

Vielmehr blicke ich verwirrt zurück… zurück auf 184 Seiten voller verwahrlosender Zerstörung meines Hirns, aber auch auf sechs Stunden intensiven Lesespaßes.

Und jetzt mal ehrlich… kennen wir sie nicht alle? Diese Beziehungen & Begegnungen, die uns zerstören und in den Untergrund reißen – egal ob sie nun KLARATorben, SabineKurt, oder Tabea (hier darf übrigens jeder gewünschter Name eingetragen werden – und nein, bei mir persönlich war es keiner der Genannten, sondern…!) heißen?!

Gönnt euch das Buch und holt euch einen lieben Menschen ins Haus… nur eins ist sicher, KLARA wird’s nicht!

 

Hardcover
184
Mai 2018
18,00 €(D)
Ventil Verlag
ISBN 978-3-95575-095-4

 

Leseprobe
»Es wird später, die Biere mehren sich, die Distanz wird geringer. Schnaps kommt dazu. Wie etwas, das die Lockerheit einfach nochmal vergrößern soll, wenn zwei Unbekannte sich begegnen. Die kleinen dickwandigen Gläser stehen auf unserem Tisch herum und wir machen daraus Familienaufstellungen. Irgendwann stellen wir die Gläser, die wir sind, nebeneinander und gießen jeweils Schnapsreste von einem ins andere Glas. Nach dieser Vermischung unserer Alkoholika schweigen wir. Dann küssen wir uns. Sehr langsam, ganz ohne Hektik. In absoluter Folgerichtigkeit. Ich zahle, ohne dass wir uns loslassen, wir rennen los, ohne zu wissen, in welche Richtung es gehen soll.«

 

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