Im Rahmen der heutigen Handwritten-Classics-Reihe, beschäftige ich mich mit dem (vermutlichen) Opus magnum der schottischen Band Travis: The Man Who. Ein Album zum Liebhaben, Traurigsein und Immer-Wieder-Hören.

Wir schreiben das Jahr 1999. Das Jahr, das durch die Napster-Revolution und den aufkommenden illegalen Internettauschbörsen die Musikindustrie für immer verändern sollte. Die Ära des Britpop wurde bereits 1997 inoffiziell, wie auch eindrucksvoll durch das Album „Urban Hymnes“ von The Verve um Frontmann Richard Ashcroft beendet und auch Radiohead hatten die einfachen Songstrukturen und Anlehnungen an den Britpop abgelegt, um vollends der Melancholie zu frönen. Inspiriert durch Oasis und dem neuen Sound von Radiohead auf „Ok Computer“, veröffentlichten Travis in diesem prägenden Jahr für die Musikindustrie das Album „The Man Who“. Dieses wurde auch ausgerechnet noch von Nigel Godrich produziert. Dem Mann, der Radiohead auf „Ok Computer“ einen deart anderen Anstrich verpasste, dass niemand es mehr zu wagen vermochte Radiohead dem Britpop zuzuordnen. Ähnliches hatten sich vermutlich auch die Schotten um Frontmann Fran Healy versprochen. Auf ihren Debüt-Album „Good Feeling“ (1997) herrschte mitunter noch der gefragte Britpop-Sound und so recht wusste die Band wohl nicht wo sie hin wollte. Und so engagierten Travis für „The Man Who“ mit Godrich den zur damaligen Zeit weltweit wohl gefragtesten Produzenten. Es sollte sich auszahlen, denn ähnlich wie auf „Ok Computer“, schaffte es Godrich der Band soundlich ein neues Gesicht zu verpassen, der den Songs der Schotten eine neue Dimension und Tiefe verleihen sollte. Mit „Why Does It Always Rain On Me“, „Writing To Reach You“, „Driftwood“ und „Turn“ hatte das Album nicht nur vier erfolgreiche Singles, sondern erreichte auch die Spitze der britischen Charts. Im Jahr 2000 gewannen Travis darüber hinaus den Brit-Award als beste Newcomer und „The Man Who“ wurde als besten Album ausgezeichnet. Das ausschließlich aus langsamen oder Mid-Tempo-Songs bestehende Album schien melancholische Musik endgültig salonfähig gemacht zu haben. Es ist daher kaum verwunderlich, dass kurz nach dem massiven Erfolg von Travis auch Coldplay auf der Bildfläche auftauchten. Beide Bands prägten zu dieser Zeit die Ära des Post-Britpop.

Ich stieß erst im Jahr 2003 auf diese Perle der Popmusik, als Travis gerade die neue Single „Re-Offender“ aus dem Album „12 Memories“ veröffentlicht hatten. Ich war sofort verliebt und begann mich ausgiebiger mit dieser Band zu beschäftigen. Mir waren die Singles von „The Man Who“ zwar allesamt bekannt, aber vermutlich war ich 1999 und mit zarten 11 Jahren noch nicht alt genug, um mich vollends auf die Musik von Travis einzulassen. Und so arbeitete ich mich langsam aber sicher durch die noch überschaubare Diskographie der sympathischen Schotten. Mittlerweile ist diese Diskographie auf insgesamt acht Studioalben herangewachsen und auch wenn sich mein favorisiertes Album über die Jahre immer mal wieder geändert hat, komme ich immer wieder auf „The Man Who“ zurück. Rückblickend ist es einfach das Album, was die Band am besten auf den Punkt bringt und definitiv in jeden Plattenschrank gehört. Und schaue ich aktuell so aus dem Fenster und sehe das triste Herbstwetter, so kann ich mir aktuell auch kein Album vorstellen, das besser zu dieser Jahreszeit passt.

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Titel:

01. Writing To Reach You

02. The Fear

03. As You Are

04. Driftwood

05. The Last Laugh Of The Laughter

06. Turn

07. Why Does It Always Rain On Me?

08. Luv

09. She’s So Strange

10. Slide Show

Hidden Track: Blue Flashing Light