Liebes Handwritten-Mag-Universum,

als ein alternatives Musikmagazin haben wir mit Veranstaltungen, wie den Grammys, EMAs/VMAs oder sonstigen musikalischen Preisverleihungen an sich nicht viel im Sinn. Als uns jedoch Jan Böhmermanns Beitrag zum Echo 2017 erreichte, waren wir uns dann doch schnell einig dies nicht unkommentiert zu lassen.

Christian und ich haben uns zusammengesetzt und ließen die Geschehnisse, sowie Jim Pandzkos Song „Menschen, Leben, Tanzen, Welt“ nochmals Revue passieren. Die Kernaussage von Jan Böhmermann wurde, wie von ihm gewohnt, humoristisch und sarkastisch verpackt. Dabei lässt er kein gutes Haar an der aktuellen deutschen Pop-Kultur oder der dafür verantwortlichen Musikindustrie. Zurecht, wie wir finden. Bis vor wenigen Jahren war für Christian und mich das Programm der etablierten Radiosender das reinste Grauen. In der Regel ging es die Top-40-Leiter der Charts hoch und runter. Das bis dato eindringlichste Erlebnis in diesem Zusammenhang war, als wir an einem einzigen Tag „Catch & Release“ von Matt Simons innerhalb weniger Stunden insgesamt sieben Mal ertragen mussten. Dies ist ein Beispiel aus unserer Sicht, wie die Musikindustrie versucht ihre Erzeugnisse zu vermarkten und wer hier denkt, dass Radiosender doch unabhängig agieren, lebt womöglich in einer anderen Welt. Jan Böhmermann geht hier sogar noch einen Schritt weiter und zeigt mit welchen einfachen Mitteln es möglich ist heutzutage ganze Massen zu begeistern. Tim Bendzko, Max Giesinger oder Andreas Bourani, deren Gesangstalent wir jetzt nicht in Abrede stellen wollen, sind die lebenden Beweise par excellence. Ein kleiner Discobeat, eine harmonische Ballade oder sogar beides in einen Topf geschmissen, mit seichten Texten vermischen und fertig ist der nächste Popsong.

Selbstverständlich darf es auch nicht an Schleichwerbung von Produkten fehlen, deren Hersteller „möglicherweise“ an der Finanzierung des Videos oder der Produktion beteiligt waren. Das Traurigste an der ganzen Sache ist dann allerdings, wenn es der Sänger/Künstler noch über sich bringt, das Erzeugnis als Eigenkreation darzustellen.

Hier hat Böhmermann sich etwas Geniales einfallen lassen, indem er verschiedene Werbeslogans, Phrasen und kurze Textzeilen aus deutschen Pop-Songs aufgestellt hat. Diese hat er von fünf Schimpansen aus dem Zoo zufällig auswählen lassen und diese in der, von den Schimpansen, gewählten Reihenfolge als Songtext verpackt. Innerhalb eins Nachmittages wurde dazu eine passende Melodie erstellt sowie ein kurzes Musikvideo. Das Ergebnis ist der Song „Menschen, Leben, Tanzen, Welt“, den euch Christian im nächsten Abschnitt ein wenig näherbringen wird.

Ein neuer Stern steht am Pop-Himmel. Mit „Menschen Leben Tanzen Welt“ beschert uns Jim Pandzko den wohl gefühlvollsten und ehrlichsten Song des Jahres. 

Pandzko hat keine Probleme damit seine innersten, persönlichsten und wahrsten Gefühle in seinem Songtext der Welt mitzuteilen. Er singt über das Menschsein und wie wir in dieser Welt zusammen tanzen und leben und verbindet dies mit einer wundervoll gefühlvollen und eingängigen Melodie. Der Refrain hat absoluten Ohrwurmcharakter und steckt so voller Tiefgang. 

                Menschen, Leben, Tanzen, Welt

                O-eo-o, o-o-ehooo!

                Menschen, Leben, Tanzen, Welt

                O-eo-o, o-o-ehooo!

                Menschen, Leben, Tanzen, Welt

                O-eo-o, o-o-ehooo!

Man merkt vom ersten Ton an wie viele Emotionen in diesem Song stecken. Und man nimmt es ihm ab, weil er authentisch ist. Das sieht man vor allem in dem Video zu dem Stück, wo der Text mit absolut authentischen Bildern untermalt wird und die Strahlkraft des Songs nur noch verstärkt. 

                Versucht jeden Tag ein Stück mehr ihr zu sein

                Today is gonna be the day

                Die Welt stürzt auf mich ein

                Strom ist gelb

                Eine Allianz fürs Leben

Es absolut einzigartig. Der Text ist so viel authentischer und individueller als alles andere, was ich bisher gesehen und gehört habe. Es wird für Jim Pandzko unglaublich schwer sein, dieses Meisterstück, das er mit seinem Debüt abgeliefert hat, noch einmal zu wiederholen.

Wie man sieht war Christian ganz aus dem Häuschen bei so viel Gefühl und Tiefe. Wer es nicht so genau nimmt, wird keine Schwierigkeiten haben zwischen „Menschen, Leben, Tanzen, Welt“ und anderen Songs innerhalb der deutschen Popmusik „kleine“ Gemeinsamkeiten festzustellen. Da verwundert einen doch die peinliche Aussage eines Campino (Die Toten Hosen) bei der Echoverleihung 2017, wo jeder sofort erkennen sollte, wo der Vorzeige-Punk heutzutage steht. Wir können Jan Böhmermann nur applaudieren, dass er uns auf so eindringliche Weise zeigt, wie viel Herzblut, Kreativität und Sensibilität in jedem Song der deutschen Popindustrie steckt, die jeden Künstler unterstützt, so dass er alles Erlebte, und nur das „wirklich Selbsterlebte“, in Songs verpacken kann, die ein ganzes Land von den Stühlen reißt.

Zum Abschluss sei gesagt, dass wir niemandem seinen Musikgeschmack vermiesen wollen, lediglich wollen wir zum Nachdenken und Hinterfragen anregen, wenn zum Beispiel in einem Musikvideo plötzlich ein bekanntes Produkt aus Werbung und Supermarkt auftaucht oder ein Künstler alle paar Wochen eine neue Single mit Video veröffentlicht, dazu die Aussage alle Songs selber zu schreiben.

In diesem Sinne vielen Dank für die Aufmerksamkeit, keep on rockin !!