Zum Ende des Jahres haben BMG unter ihrem Noise-Banner noch einen rausgehauen. Für seinen nächsten Schwung an Wiederveröffentlichungen nahm man sich einen deutschen Klassiker vor: Tankard. Die Frankfurter Schluckspechte haben zwischen 1986 und 1995 auf dem ehemaligen Label Noise Records sieben Studioalben und zwei EPs veröffentlicht, welche jetzt wieder ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden. Als erstes erscheinen das Debüt „Zombie Attack“ (1986), „Chemical Invaision“ (1987) und das dritte Album „The Morning After“ (1988), zusammen mit der EP „Alien“ (1989) auf CD und als LPs. Der Rest folgt dann am 26. Januar. Die CD-Versionen kommen (wie üblich) als Digipacks mit ausführlichen Liner-Notes daher. Frontmann Gerre gibt hier einiges zur Geschichte der Band und zu den Inhalten der Songs zum Besten. Das fehlt bei den Vinyl-Versionen. Dafür bekommt man diese nicht im schnöden Schwarz, sondern jeweils in einer anderen Farbe.

Zusammen mit ihren ehemaligen Labelkollegen Kreator, Destruction und Sodom zählen Tankard zu bekanntesten und beliebtesten deutschen Thrash-Metal-Bands. Im Gegensatz zur Konkurrenz geht es bei den Hessen nicht wirklich ernst zu. Auch wenn man immer wieder Anflüge von Ernsthaftigkeit herauslesen kann, steht bei den Texten eindeutig der Spaß im Vordergrund. Das Thema Bier und Suff zieht sich wie ein roter Faden durch die Songs der Truppe. Kein Wunder, wenn man sich „Bierkrug“ nennt. Zum Lachen sollte man also nicht unbedingt in den Keller müssen, wenn man eine Platte von Tankard auflegt.

„Chemical Invasion“ war mit 30.000 verkauften Kopien durchaus ein Szene-Erfolg für die Band. Endgültig als feste Größe sollte man sich mit dem dritten Album „The Morning After“ etablieren. Abermals zierte das Ding ein Cover von Zeichner Sebastian Krüger. Ein lustiges, detailreiches Bild, das eben den Titel standesgemäß wiedergibt. Musikalisch ging man den Weg des Vorgängers geradewegs weiter. Kleine Unterschiede waren aber trotzdem zu erkennen. So klangen die Songs tatsächlich etwas heavier, meist waren sie noch ein wenig zackiger/schneller. Und Frontmann Gerre überraschte mit einer noch aggressiveren Stimme.

Die Eröffnung „Commandments“ ist ein gutes Beispiel dafür. Ruppiger und wilder Thrash mit schweren Gitarren und einem Slayer-mäßigen Solo. Es braucht nicht mal eine echte Hook um da mitgerissen zu werden. Das hat erstmal gesessen. „Shit-Faced“ und „Desperation“ hauen in dieselbe Kerbe, nur, dass es hier etwas mehr zum Fäusterecken gibt. Während sich „TV Hero“ mit Effekten und Tempowechseln verwinkelter gibt, ist der Titeltrack 100 % typischer, immer wieder gern gehörter Tankard-Stoff mit einer satten Ladung Humor. Lustig sind auch das irre „F.U.N.“ und die Blasbeat-Blödelnummer „Mon Cheri“. Dem Punk wird mit dem Spermbirds-Cover „Try Again“ gehuldigt.

Am Ende bleibt ein rasantes, verhältnismäßig abwechslungsreiches Album, das ziemlich Laune macht und Tankard in bester Verfassung zeigt.

Als Bonus liegt auf einer zweiten CD die ein paar Monate später veröffentlichte EP „Alien“ bei. Zu hören gab’s da drei neue Songs, ein eher bloß nettes Cover von Rose Tattoo („Remedy“) sowie ein Neueinspielung des Debüt-Klassiker „(Empty) Tankard“. Jenen hat man im stampfenden Schlusspart um einen weiteren Refrain ergänzt, was besonders in der Livesituation cool rüberkommt. „Live To Dive“ ist flotter, routinierter Prügelstoff, „Alien“ ein auch heute noch gern gespielter Song mit einem stark angetriebenen, eingängigen Refrain und mit „666 Packs“ hat man eine „Satanisten-Nummer“ eingespielt – natürlich ganz auf den Tankard-Humor gemünzt. Das kann sich alles hören lassen und am Ende ist die EP mehr als nur ein bloßer Bonus.

 

Trackliste:

CD1: The Morning After
1. Intro
2. Commandments
3. Shit-Faced
4. TV Hero
5. F.U.N.
6. Try Again
7. The Morning After
8. Desperation
9. Feed the Lohocla
10. Help Yourself
11. Mon Cheri
12. Outro

CD2: Alien EP
1. Alien
2. 666 Packs
3. Live to Dive
4. Remedy
5. (Empty) Tankard