Mit dem RaB 2019 endete für mich die Festivalsaison 2019 – und nicht nur das, irgendwie endete damit auch der Sommer. Auf jeden Fall war der Wettergott den Machern vom Wolfshagener Wölfi-Bad wolhlgesonnen und ließ Sonnenstrahlen en masse auf das feierwütige Publikum herab. Wo man vor zwei Jahren noch im Matsch badete, war es diesesmal eher eng im nassen Chlor! Aber genau dafür ist RaB doch gemacht!

Aber der Reihe nach: das RaB startete für die Handwritten-Crew bereits einen Tag früher, denn es ging im feucht-fröhlichen Reisebus der Awesome Scampis samt dem „Camp Awesome“ schon am Donnerstag los. Abends stand bereits das zweite Beer-Pong-Turnier auf dem Campinggelände auf dem Plan, wobei sich der sportliche Ehrgeiz in Grenzen hielt – Spaß hat es aber gemacht!

Der Freitag beginnt schon warm mit bestem Wetter und auf den Bühnen gibt es mit Traurig Aber Wahr und Gr:mm bereits gute Einheizer zu bewundern! Der erste Höhepunkt für mich gibt es aber auf der Poolstage zu bewundern: Die Reichen Söhne spielen Indie-Rock und koketieren mit ihrem imaginären Reichtum, der sich nicht nur im Bühnenoutfit, sondern auch auf die extrem witzigen Texte der Band wiederspiegeln! Klasse!

Metal war beim Rock am Beckenrand 2019 ein wenig unterrepräsentiert – aber mit For I Am King durchaus würdig vertreten. Die Niederländer legten einen großartigen Auftritt hin mit druckvollen Metal – wobei hier die Stimme der Sängerin mit ihren tiefen Growls das Publikum ins Staunen versetzt. Es war sichtbar, dass hier wahre Bühnenprofis die Mainstage bereichern !

Einen Ausflug in den Rap-Bereich gab es mit Kavfka, der jedoch mit klarem politischen Statement irgendwie doch nicht so recht ins Genre passen will. Sein Publikum und das am Beckenrand erreichte er mit klarer Botschaft gegen rechts, denn keiner mag Nazis! Recht hat er!

Erster Headliner des Festivals auf der Poolstage waren jedoch die Stammgäste der Ska-Punk Band Awesome Scampis, die inzwischen auf dem Rock am Beckenrand Kultstatus ob ihrer sehr kurzweiligen und spaßbehafteten Auftritte haben. Neben ein paar Songs, war dieses auch Roadie Dennis neu, der sein erstes Stagediving dank Ansage von Sänger Björn absolvierte – erst zum Bierstand, dann in den Pool! Vor der Bühne war es sehr voll und auch der Poolmoshpit hatte beachtliche Größe erreicht. Zum Abschluss musste jedes Bandmitglied ungeplant in den Pool befördert werden! Platsch – vermutlich sogar eine willkommene Abkühlung!

Auf der Hauptbühne ging es dann in das Abendprogramm:

Itchy waren zu Gast und spielten ihren letzten Gig des Jahres 2019 – ob sich da nicht neues Material ankündigt? Jedenfalls begeisterte Itchy wie gewohnt – Highlight war hier das Gitarrensolo von Sänger (und eben auch Gitarrist) Sibbi auf einem Koffer stehend im Publikum.

Herzhaften Punkrock von der Ostsee wehte dann an den Beckenrand hinüber: keine geringen als Dritte Wahl waren als Headliner für den Freitag gebucht – und sie spielten ein hervorragendes Set. Neben der Begeisterung für dieses Festival, was die Band vorher nicht kannte, wie sie selbst zugegen musste, war die Aktion für Seawatch der Highlight des Auftritts – manchmal muss halt die Musik in den Hintergrund treten, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Mit der Aussage, dass wir eine schöne Zeit genießen, während im Mittelmeer Menschen bei politischer Untätigkeit sterben, brachte es Sänger Gunnar treffend auf dem Punkt! Respekt für diese Aktion!

Der Tag endet aber letztlich nochmals mit einer großen Runde Spaß – mit Mr. Hurley und die Pulveraffen fand der Freitag einen würdigen Abschluss! Am Tag der Veröffentlichung ihrer neuen Platte „Leviathan“ brachten die Musikpiraten aus karibisch-Osnabrück nicht nur neues Liedgut und viel Seemansgarn an den Beckenrand, sie sorgten auch für beste Unterhaltung. Das Infield hat sich kaum geleert zu ihrem Auftritt.

Eine kurze Mütze Schlaf und schon ist Samstag – weiter geht es mit dem perfektem Sommerabschluss bei 33 Grad füllte sich nicht nur das Festivalgelände – auch im Becken wurde es richtig voll. Was soll man sagen, für solche Tage ist das Rock am Beckenrand gemacht – besser geht es nicht!

Zur Festivalfrühschicht um 13:30 auf der Poolstage traten Pictures of Souls an. Trotz der frühen Uhrzeit haben diese doch schon einige Leute vor die Bühne bzw. in den Pool gelockt – sie legten einen tollen energiegeladen Auftritt an den Beckenrand!

Katapulte mitbringen ist eigentlich verboten laut Festival-ABC – die Catapults durften dennoch auftreten. Im Rahmen ihrer „Greyscale“-Tour die wir präsentiert haben, legten sie ebenso einen tollen Auftritt hin. Auch bei ihrem Auftritt füllte es sich schon ordentlich vor der Bühne, zur Überraschung der Band selbst – aber das hatten sie sich auch verdient!

Kontrastprogramm dann auf der Poolstage: Mit Spnkk folgt Hip-Hop. Für mich der Zeitpunkt zum Durchschnaufen (wir sind ja bekanntlich ein Metal- und Punkrockmaganzin 😉  )

Mit den alten Bekannten von Kmpfsprt folgte dann wieder ein Act aus dem Punkrockbereich – die Kölner betonten, dass für das Rock am Beckenrand-Festival dem Karneval in den August (wusste bis dahin nicht, dass es sowas auch gibt) vorverlegen – und haben damit genau die richtige Wahl getroffen. Sie begeisterten das Publikum und auch wenn der Weg von der Hauptbühne zum Becken ein wenig weiter ist, ging Bassist Dennis samt Kleidung und Instrument baden. Erfrischend, angesichts der Temperaturen!

Lucas Uecker – auch bekannt von Liedfett nutzte seine ohnehin geplante Anwesenheit mit einem Singer-Songwriter-Set auf der Poolstage. Natürlich zog dieses schon viele Liedfett-Fans in den Bann, die so doppelt auf ihre Kosten gekommen sind.

Mit unbändiger Spielfreude sorgten die Blackout Problems für einen Höhepunkt des Samstags – im wahrsten Sinne des Wortes: denn während des Sets kletterte Sänger Mario mal eben die Bühne hoch. Zuvor begab er sich ins Publikum, um dort in einer kreisförmigen Sitzgruppe zu performen – ein wahrhaft toller Auftritt.

Partytime auf der Poolstage: Tequila und die Sunrise Gang – auch im Bereich Ska beheimatet – sorgten als Headliner dieser Bühne für einen vollen Beckenrand und einen noch volleren Pool. Großartig!

Das Abendprogramm auf der Hauptbühne beginnt mit dem eigentlichen Headliner des Festivals, denn die Vielzahl der Liedfett-Fans beim Rock am Beckenrand ist ja hinlänglich bekannt – nicht umsonst sind auch sie Stammgäste auf diesem Festival. Das Publikum nimmt es dankbar an und bügelt rein – beides zahlreich!

Adam Angst vervollständigen das Abendprogramm mit gepflegtem Punkrock!  Auch hier eine klare Botschaft pro Seawatch, die dieses Jahr mit einem eigenen Stand am Beckenrand ihre Projekte vorgestellt haben!

Headliner des Festivals waren die Antilopen Gang, die dann nochmal für ein Publikumwechsel vor der Bühne sorgten. Auch wenn sie teilweise ihren Set ein wenig Richtung Punkrock verschoben haben – meiner Ansicht nach nicht sonderlich gelungen – war dieser Auftritt für die Hip-Hop-Freunde auf dem Festivalgelände. Das wiederum führte dazu, dass sich die Reihen vor der Bühne doch deutlich gelichtet haben, im Vergleich zu den Headlinern des Vortages und der Vorjahre.

Dennoch das RaB 2019 war ein perfekter Festivalabschluss mit herausragendem Wetter. Es ist das Festival für alle Leute, die einfach das Festivalfeeling lieben und wo an mancher Stelle das Line-Up vielleicht in den Hintergrund tritt.

Um dieses Gefühl zu erreichen, reißen sich viele Ehrenamtliche des Rock am Beckenrand e. V. Jahr für Jahr den Hintern auf und sorgen immer wieder für neue Ideen: neben der Wohnzimmerbühne im Vorjahr und dem Beer-Pong-Turnier war dieses Jahr der Campingsupermarkt neu sowie die beleuchteten IBC-Tanks am Eingang als auch auf dem Campingplatz selbst. Das Vereinsmitgliederzelt mit Aufladestation sorgte ebenso für einen höheren Festivalkomfort!

Daher kann man in dieser Stelle nur Wiederholen: Besten Dank, liebe Beckenrandrocker – wir sehen uns 2020!

Fotos: Ruhrwurf – Fotografie