Das kleine melancholie maritim Festival in Cuxhaven hatte in diesem Jahr wieder geladen. Und zwar zu Seehunden, Songwriter und Dosenbier. Als Besonderheit ging es dieses Mal schon um 13:00 Uhr im Hafen mit einem Hutkonzert von Herr Lehmann, Wood & Valley und Citizen Tim los. Ursprünglich sollte das Ding im Außenbereich direkt im Hafen starten, so dass auch rumrennende Touristen angelockt und zum Mitsingen animiert werden können. Wetterbedingt war man dann aber zunächst in eine angrenzende Galerie ausgewichen, was sich als durchaus geil erweisen sollte.

 

Denn so zwischen der Ausstellung in der rustikalen ehemaligen Fischhalle war nicht nur der Sound ziemlich geil, sondern auch die Atmosphäre hat dann doch den einen oder anderen Gast  zum glücklichen Spenden im Hut gebracht.  Auf Grund der Wetterlage hat sich der Ansturm der zufällig vorbeikommenden Touris natürlich in Grenzen gehalten, aber die intime Stimmung hat alles rausgerissen. Und so spielten Citizen Tim & Herr Lehmann im Atelier zwei wunderschöne kleine Konzerte.

 

 

Um dem Wettergott doch noch den Stinkefinger zu zeigen, wanderte man mit Akustik-Amp und Gedöns für Wood & Valley dann doch noch nach draußen und mit Blick auf den Alten Fischereihafen, leichtem Nieselregen und Bierchen spielte auch der gute Lukas ein großartiges kleines Set. Auf jeden Fall hatte diese kleine Einlage am Mittag was Besonderes und sollte im nächsten Jahr wiederholt werden.

 

Dann ging es auch schon bald auf dem Schiff „Jan Cux 2“ los und als sich um 18:00 Uhr alle Gäste eingefunden hatten und man die erste Schleife aus dem Hafen gedreht hatte, ging es wieder mit Wood & Valley weiter, bevor Citizen Tim und Herr Lehmann ihre Songs vor knapp 100 Leuten spielten. Warum es nicht mehr waren? Weil das melancholie maritim immer nur 100 Karten macht. Kein Wachstum ist in diesem Fall sehr schön. Die Menschen waren zum Teil aus Hamburg und Bremen angereist und schon im letzten Jahr dabei, was es zu einer Art Familientreffen mit Bier, Grill und guter Musik machte. Insbesondere bei Herr Lehmann merkte man die kleine Cuxhavener Fanbase, da er nicht nur schon im letzten Jahr auf dem Schiff dabei war, sondern auch so ein bisschen der Dortmunder der Herzen in Cuxhaven ist. Textsicher und mit Herzchen in den Augen wurde Herr Becker, äh Lehmann da abgefeiert.

Aber auch Citizen Tim war großartig sympathisch. Nicht nur in seinen leisen Songs, sondern auch in seinen Ansagen und seiner Art die Leute in Bierlaune für sich zu gewinnen. Wenn man emotionale Songs schreibt und Menschen sich auf dem Schiff ein wenig zurückziehen, weil ihnen das „zu nahe“ geht, drückt das schon eine Menge aus.

Ich wurde übrigens an diesem Tag 3x auf Wood & Valley angesprochen. Auf ihn und seine Stimme. Auch das spricht wohl Bände. Ausdrucksstarker Akustik-Folkpunk mit einer Stimme wie 30 Jahre Bühnenerfahrung. Großes Tennis!

 

 

Mit ein bisschen zeitlichem Verzug stand dann auch schon Jawknee Music aus Trier auf der Bühne. Also auf dem Schiff. Am Mikro. Der Songwriter, der erst kürzlich mein Herz mit „Atmosphere“ und dem Samiam-Cover „Mexico“ zum Schmelzen gebracht hat, war für mich persönlich auf jeden Fall ein Highlight. Und so verwundert mein hoher Bierkonsum an dieser Stelle wohl auch nicht. Folkige Songwritersongs mit einer Stimme zum Niederknien.  Und dann auch noch so symphatisch rübergebracht. Danke für die großartige Musik und die lange Anfahrt!

Den Abschluß der musikalischen Butterfahrt mit Bier lieferte Grillmaster Flash aus Bremen. Und was mit Kümmerling startete, wurde wie es alle erwartet hatten. Eine Mischung aus witzigen Texten wie „Bud Spencers Bart“, große Ansprachen zu Johannes Strate (mit Zwischenrufen meinerseits) und Bremen und der einzig echten Heavy-Metal-Hauptstadt „Sottrum“. Grilli hatte gute Laune, glaub ich. Das weiß man nicht immer so genau. Aber er war angetrunken, laut und lustig. Und das hat eine Menge Abwechslung und den krönenden Abschluss gebracht.

 

 

Das Fazit des Tages wurde später bei der inoffiziellen Aftershowparty in der Döser Börse gezogen. Mit viel Schnaps und Bier. Dabei konnte in Erfahrung gebracht werden, dass es im nächsten Jahr auf jeden Fall eine Neuauflage geben wird. Tickets dafür sollte man sich schnell sichern, wenn der Vorverkauf startet. Denn das melancholie maritim bleibt wie es ist: klein und schön. Prost!

 

Bilder: melancholiemaritim.de