Casper – nur liebe, immer. (Eklat Tonträger/Warner, 24.11.2023)

Nun  ist es also endlich so weit, Casper veröffentlicht sein sechstes Studioalbum “nur liebe, immer.” und setzt konsequent seine Weg fort, weg vom harten Rap mit rockigen Einlagen, hin zum sanften Sprechgesang mit großem Tiefgang.

Zeichnete sich der Weg allerspätestens mit dem letzten Album “Alles war schön und nichts tat weh” aus 2022 schon ein wenig ab, so ist er mit dem neuen Longplayer definitiv in seine 40ern angekommen – denn scheinbar hat ihn die Midlife-Crisis fest in den Fängen und lässt ihn aus dem Grübeln gar nicht mehr heraus kommen.

Na zumindest zeugen viele Songs auf dem neuen Album davon, dass er sich eine Menge Gedanken macht… über sich, über sein Leben, über Beziehungen… und schlussendlich über den Erfolg, den es nicht mehr aufzuhalten gilt, welcher aber auch seine Schattenseiten mit sich bringt.

Casper rechnet in “echt von unten” mit seiner schwierigen Kindheit und Jugend ab, der Zeit als er auf emotionalen Suche nach seinem Vater war, der weder physisch noch psychisch für ihn dagewesen ist. Gemeinsam mit seinen Dämonen geht´s dann aber ab ins Licht, denn er ist wieder “sowas von da“.

Ers einmal mächtig schlucken muss ich dann aber bei der nächsten Nummer. Ja okay, geschenkt… Casper hat schon so manches Mal gemeinsame Sache mit anderen Künstlern gemacht – hier sei nur die Mega-Nummer “XOXO” mit Thees Uhlmann, “Keine Angst” mit Drangsal (auf “Lang lebe der Tod“), “Betäub mich” mit Provinz oder auch das gemeinsame Album mit Marteria (“1982“) erwähnt.

Aber was ihn da geritten hat, dass er gemeinsam mit Cro dem “Sommer” huldigt, ich weiß ja nicht – für mich ist das ja nix!

Wegen der schönsten Sache der Welt ist man regelmäßig “immer noch nervös“, auch wenn man der Vergangenheit nicht zu intensiv nachtrauern sollte – aber man darf sich ja sicherlich zwischendurch Mal erkundigen, wie es dir geht, oder?!

Kommen wir nun zum für mich schönsten Song des gesamten Albums. “Emma” hat mich schon beim ersten Hören damals (die Nummer war die erste Single-Auskopplung auf “nur liebe, immer.”) richtig mitgenommen – mag es am Text, an den sanft gespielten Tönen, oder an dem Zwischenpart liegen, der mich an das gute alte “Hinterland” erinnert… na auf jeden Fall hat Casper mich hier wieder einmal richtig erwischt. Das sind die Songs, weswegen ich ihn so sehr in mein Herz geschlossen habe… und auch live beim Hurricane-Festival im Sommer funktionierte der Song extrem geil.

Früher war es oft “falsche zeit, falscher ort“, aber davon haben wir uns natürlich nicht abhalten lassen, am nächsten Tag direkt wieder die gleichen Fehler zu machen. Was passiert wenn man seine Beziehung nicht pflegt und kontinuierlich daran arbeitet, erfahrt ihr danach und ich denke wir alle haben in unserem Leben schon einmal laut “bist du noch da?” gedacht, oder?!

Mehr als nur einen “wimpernschlag” hat sich Casper mittlerweile aufgrund seines Erfolgs von seinem früheren Leben entfernt und natürlich erzeugt das nicht nur positives Echo und so manches Mal würde der gebürtige Bielefelder gerne einfach nur ein wenig “luft holen“.

Apropos Ostwestfalen… richtig auf den Sack geht ihm die Geschichte mit seiner Geburtsstadt, denn eigentlich ist er “verliebt in der stadt die es nicht gibt“, weshalb Casper am 15.06.24 auch als einziges Konzert des Jahres die ausverkaufte SchücoArena bespielen wird.

Wie mir das neue Album gefallen hat?

Eigentlich schon recht gut, wobei mir “XOXO”, “Hinterland” und “Lang lebe der Tod” um einiges besser gefallen haben. Die Entwicklung die der gute Benjamin in den letzten Jahren gemacht hat, gehe ich persönlich nur in Teilen mit – aber die Einblicke in die Tiefe seines Herzens werden mich wahrscheinlich trotzdem für immer Fan bleiben lassen! 😉

 

Titel:
1. intro
2. echt von unten / zoé freestyle
3. sowas von da (hellwach)
4. sommer (feat. Cro)
5. immer noch nervös
6. emma
7. falsche zeit, falscher ort
8. bist du noch da?
9. wimpernschlag
10. luft holen
11. verliebt in der stadt die es nicht gibt
12. outro

 

Foto: Küstenfuchs Photographie

HOMEPAGEFACEBOOK

4.2