Wie kommt man als bayrischstämmiger Orchestermusiker eigentlich zu Kraftwerk,  „den“ Pionieren des deutschen Elektropop und wie sehr wurden selbige nachhaltig durch das Mitwirken von Karl Bartos beeinflusst?

Genau diese Fragen gilt es heute zu klären und was könnte da besser helfen, als seine gerade erschienene Autobiographie, welche die Band noch einmal von einer ganz anderen Seite beleuchtet und sich natürlich darüber hinaus mit dem umfassenden Werk Bartos‘ beschäftigt, der nach seinem Ausstieg 1990 mit unzähligen anderen Künstlern und Bands – wie zum Beispiel Johnny Marr (The Smiths), Bernard Sumner (New Order), oder auch Deine Lakaien – zusammen gearbeitet und sogar an der Universität der Künste in Berlin gelehrt hat?

Angefangen hatte alles 1952, als er in Berchtesgaden geboren wurde und schon in jungen Jahren mit der Musik in Kontakt kam… mit Marius Müller-Westernhagen gründete er schon früh die Band Sinus, nach seinem Studium in Düsseldorf wurde er dann jedoch 1975 von den Kraftwerk-Leuten – die bis 1973 sogar noch aus Krautrock-Combo unterwegs waren – „entdeckt“ und somit begann seine beachtliche Karriere.

Während seiner Bandzugehörigkeit entstanden die meisten der bekannten KraftwerkSongs und ohne Bartos hätte es  Nummer wie „Das Model“, „Die Roboter“, „Computerwelt“ oder auch „Tour de France“ nicht, oder zumindest in dieser Form, nie gegeben.

Mit der Autobiographie „Der Klang der Maschine“ blickt Karl Bartos nun zum Teil hinter die Kulissen einer Band, die immer als undurchsichtig, geheimnisvoll und verschroben galt und deren Einflüsse  – auch wenn sie selbst zuletzt 2003 ein Studioalbum herausgebracht haben – immer noch in vielen Bereichen der heutigen Musikwelt zu finden sind.

Aber auch die anderen Projekte – wie bereits beschrieben – und das Privatleben des Karl Bartos kommen hier keineswegs zu kurz und er gibt auch hier bereitwillig Auskunft über seinen Werdegang, sein Leben und seine Sicht vieler Dinge… aber immer mit dem Hauptaugenmerk auf die Musik. Denn das ist es wofür er lebt, was er sich als Aufgabe für sein Dasein auserkoren hat – beeindruckend, schräg und liebenswürdig!

Genau wie seine Autobiographie, die ich persönlich gerne gelesen habe – auch wenn mir die Musik von Kraftwerk  von jeher zu elektronisch, zu abgedreht, zu experimentell war… mir hat „Der Klang der Maschine“ das Ganze ein wenig näher gebracht.

Amüsant auch die enthaltenen Fotos, die einen Querschnitt seines künstlerischen Schaffens bieten und einige schräge Momente eingefangen hat – ob es nun Familienfotos, Bilder von Auftritten diverser früher Bands, oder Fotos der „Neuzeit“ sind…

Erschienen ist die Autobiografie am 25.08.2017 über den Eichborn Verlag und für 26,- € könnt ihr das gute Stück mit dezenten 605 Seiten als Hardcover-Ausgabe bekommen. Wer auf die neuen Medien steht, kann sich „Der Klang der Maschine“ auch als E-Book gönnen.

Wer sich dann doch lieber vorlesen lassen mag, der ist am 16.09.2017 ab 19:00 Uhr im Hamburger Übel & Gefährlich gut aufgehoben, dort findet nämlich dann im Rahmen des Harbour Front Literaturfestivals eine Lesung von Karl Bartos statt.

 

Kraftwerk Alben mit Karl Bartos:
1975 Radio-Aktivität
1977 Trans Europa Express
1978 Die Mensch-Maschine
1981 Computerwelt
1986 Electric Cafe/Techno Pop
1991 The Mix (wurde erst nach seinem Austritt veröffentlicht)

 

Aktuelles Album – Off The Record
1. Atomium
2. Nachtfahrt
3. International Velvet
4. Without A Trace Of Emotion
5. The Binary Code
6. Musica ex machina
7. The Tuning Of The World
8. Instant Bayreuth
9. Vox humana
10. Rhythmus
11. Silence
12. Hausmusik

Foto: Al Overdrive

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