Im Rahmen der „Leicht“-Abschiedstour haben sich Sven und Jens mit Michi und Steffen von Mikroboy getroffen und schon lange überfällige und neu angefallene Fragen gestellt. Hier das Interview:

 

Sven: 5 Jahre liegen jetzt zwischen eurem letzten Album und „Leicht“. Für mich und vermutlich viele andere Leute seid ihr aber trotzdem immer irgendwie da gewesen, trotz Funkstille.

Michi: Wir haben uns alle so ein bisschen so in diesem Business verstreut und andere Sachen gemacht. Steffen ist FOH und Monitormischer für mehrere große Bands, ich bin Tourmanager für mehrere große Bands. Und wir fahren halt trotzdem so durchs Land und verbringen unsere Zeit in Nightlinern und Hotels.

Sven: War das dann auch so eine geplante Auszeit oder wie kam es dazu?

Michi: Nee, überhaupt nicht. Das hat sich alles so ergeben. Durch räumliche Trennung und so. Wir haben, wenn wir uns getroffen haben, schon immer mal wieder zusammen gesessen und Musik gespielt, geschrieben und aber auch viel davon wieder verworfen. Wir haben auch schonmal angefangen das Album zu produzieren….

Steffen: Wir waren dann auch zwischendurch mal pleite… das war auch so ein wenig die Initialzündung.

Michi: Bei all der Zeit die wir da investieren und trotzdem kein Geld damit verdienen. Irgendwann geht es halt nicht mehr. Ich bin ja dann echt schon manchmal weinend eingeschlafen, weil ich dachte „Mann ey“ und nicht wusste wie ich meine Miete bezahlen soll. Bei allem Idealismus und aller Liebhaberei muss man irgendwann auch mal eine Entscheidung treffen. Fast schon gesundheitlich.

Steffen: Das ist aber keine Entscheidung von jetzt, sondern eine Entscheidung von damals

Michi: Genau. Nee nee, das war eine Entscheidung von damals. Deshalb haben wir dann die große Auszeit gemacht. Ich war dann auch fest angestellt beim Melt-Festival und hab da z.B. eine ganze Zeit gearbeitet. Dann haben wir aber auch immer schon wieder in Etappen was gemacht. Dann haben wir 3 Songs aufgenommen, das war uns aber zu elektronisch. Genau das war dann aber gut, weil wir dann gesagt haben, dass wir daraus eine Bandplatte machen wollen, bzw. das was wir live sowieso schon immer gemacht haben, auch auf die Platte bringen wollen. Weil die Platten waren schon immer viel weicher und elektronischer und live waren wir aber einfach schon eine Rockband. Und genau das wollten wir auf die Platte bringen. Das hat halt seine Zeit gedauert. Die Platte war dann schon ein ganzes Jahr fertig und dann mussten wir auch noch immer jemanden finden der sie rausbringt. Auf unser altes Label hatten wir alle nicht mehr so richtig Bock, wenn man das so sagen kann. Das waren halt einfach nicht die Labelstrukturen die wir wollten.

Steffen: Die haben uns aber auch ganz entspannt gehen lassen. 

Michi: Die haben das alles verstanden und respektiert.

Steffen: Die Möglichkeit gab es und bevor wir dann die dritte Rutsche so machen und wieder auf die Sachen stoßen, die da kommen werden, wie die Frage „Wollt ihr auf dem Dome spielen? Ihr könnt auf dem Dome spielen“. Nee, immer noch nicht. – Allgemeines Gelächter- Das ist so eine Kleinigkeit, aber da fühlt man sich einfach auch unverstanden. Da können die auch nix für, da können wir auch nix für. Ich will es einfach gar nicht erklären müssen.

Sven: Das passt auch irgendwie zu einer anderen Frage. Die wenigsten Musiker können ja nur von ihrer Musik leben. Ihr seid aber alle schon irgendwie in dem Bereich aktiv?

Michi: Ja, die anderen Beiden sind Schlagzeuglehrer und Gitarrenlehrer.

Sven: Ihr seid ja eine der wenigen Bands, die diesen Spagat zwischen deutschen Texten, Pop und Ehrlichkeit schaffen, ohne dabei in belanglose Chartdudelei abzudriften. Macht ihr euch über Schubladen und Genregrenzen Gedanken beim Schreiben?

Michi: Nee, überhaupt gar nicht.

 

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Sven: In einem alten Interview hast du mal zum Songwriting gesagt, dass du die Songs schreibst und am Ende nur die Bandumsetzung mit der Band zusammen machst. Ist das noch immer so?

Michi: Genau. So haben wir das bei den ersten beiden Platten gemacht. Ich hab die Songs geschrieben, Demos rumgeschickt und am Ende haben wir aus den Studioversionen Liveversionen mit Band gemacht. Dieses Mal wollten wir das anders machen. Ich hab wieder die Songs geschrieben und Demos rumgeschickt, aber dann haben wir uns erstmal in den Proberaum gesetzt und die Songs zusammen gezockt und weiter ausgearbeitet. Das jeder so seinen Kram auch auf der Platte mit einbringen kann. Ich hab mich auch mit Felix mehrfach getroffen und viel Gitarrenarbeit gemacht, weil Felix einfach ein 10x besserer Gitarrist ist als ich. Wenn ich für irgendwas 3 Spuren gebraucht hab, kann Felix das halt in einem weg spielen. Wir haben das Album sogar live aufgenommen, standen also alle zusammen im Raum und haben gespielt. Aber über Genres und Stil denken wir dabei überhaupt nicht nach. 

Steffen: Du hast bei der ersten Platte damals so einen Satz gesagt: „Vor Pop hab ich keine Angst. Nur vor Schlager“. -Gelächter- 

Sven: Ihr seid erwachsen geworden und habt eure Geschichten geschrieben. Das hast du auf eurer Facebookseite zur Abschiedstour geschrieben. Geht es dabei um den Pathos, die Texte, die Art wie ihr Musik schreibt?

Michi: Da geht es eher um die Inhalte. Ich werd wohl nie einen Text schreiben der nicht pathetisch ist. Ich hab die ersten Texte geschrieben, da war ich 23. Jetzt bin ich 35. Es sind jetzt einfach auch andere Themen die einen beschäftigen. Außerdem entwickelt man sich auf die eine oder andere Weise auch weiter. Alle sind ein wenig ruhiger und reifer geworden und das spiegelt sich natürlich auch in den Songs wieder, die man schreiben will. Die Geschichte die dieses Projekt erzählen wollte, ist jetzt irgendwie auf eine schöne Art und Weise in so einem Bogen zu Ende erzählt. Mit einem echt schönen Gefühl und dem nötigen Respekt kann man jetzt so aus der Sache rausgehen. 

Steffen: Also hätten wir uns gestritten, hätte es das Album nicht gegeben.

Sven: In einem alten Interview wurdet ihr als „Coming of Age Sound zwischen Elektro und Kettcar“ angekündigt. (Gelächter von Michi) Ich hab euch aber irgendwie immer irgendwie in der Punkrockecke verortet, hab aber ständig in Interviews irgendwas elektronisches gelesen.

Steffen: Also immer wenn irgendwas geschrieben wurde, hat man sich da irgendwas gesucht. Wenn Leute Rezis schreiben, muss man halt immer irgendwie in eine Schublade stecken, um es den Leuten näher zu bringen.

– An dieser Stelle ploppen übrigens die Bierflaschen, weil kaltes Bier gereicht wird. Danke! –

Michi: Also ich kann das ein bisschen nachvollziehen. Weil wenn man Texte schreibt, die nicht ganz dumm sind, und auf deutsch, dann wird man automatisch erstmal so in diese Hamburger Kiste reingesteckt. Ich hab früher auch gern But Alive gehört. Aber bis auf die erste Kettcar-Platte, kann ich mit dem Rest z.B. gar nichts mehr anfangen. Aber ich weiß schon warum Leute sowas brauchen. Das hat uns jetzt auch nie so richtig gestört. Es haben auch welche „der deutsche Versuch Death Cab for Cutie zu sein“ geschrieben. Seh ich nicht so, aber ist ein netter Vergleich.

Sven: Darauf gekommen bin ich übrigens über das „live your heart and never follow“

Michi: Ja, witzig. Also Nicholas von Von Brücken hat auch schon so gefragt „Geht es da um mich?“. Nee, leider nicht. Ich komme aus dem Saarland und verbinde mit dieser ganzen Zeit, JUZ, DIY-Punkszene und so halt einfach noch total viel. Also eigentlich geht es um das Saarland.

Sven: Kmpfsprt hatten am selben Tag Release und haben das Hot Water Music Zitat auch in einem Song verarbeitet.

Michi: Wirklich? Krass. Das wusste ich gar nicht. Aber das ist genau diese alte Zeit, die alte Szene mit der ich das verbinde.

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Sven: Auf dem Album geht es ja wieder textlich sehr melancholisch zu. Seid ihr privat auch so ruhige Vertreter und habt ihr nie Bock mal ein „Verpiss dich und halt dein Maul“-Text zu machen?

Michi: Überhaupt nicht. Wir sind alle totale Kasper. Aber vermutlich gehört das alles zusammen. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Es gibt einfach eine bestimmte Stimmung in der ich Lieder schreibe. Das sind die Momente wo ich es brauche Lieder zu schreiben. Ich mach das ja auch als Selbsttherapie. Wenn ich gut gelaunt bin komm ich nicht auf die Idee Lieder zu machen. Und wenn ich wütend bin ehrlich gesagt auch nicht. 

Steffen: Ich brauch auch niemanden mehr der mich anschreit. Ich komm auch nicht nach Hause und schmeiss irgendwie eine Metalcorescheibe rein oder so.

Sven: Gibt es für euch im Nachgang einen besonderen Moment, einen Höhepunkt in den ganzen Jahren Mikroboy?

Michi: Schwer zu sagen. Da gibt es verschiedene Sachen. So große Sachen waren halt so Bundesvision oder Hallensupport. Also für mich persönlich war das so… also erstmal das wir Support für die Get Up Kids waren, find ich total geil. Und für mich das Hauptding war so, auch wenn es nie viel Geld eingebracht hat, dass so alle deutschen Musiker die mir was bedeuten mich kennen und sich mit meiner Musik beschäftigt haben. Das so Leute die einen Beeinflusst habe, mit denen man sich identifizieren kann, von denen Probs kriegt und sagen „Das ist gut was du machst“. Das ist mehr wert als alles Geld das man verdienen kann.

Sven: Gibt es für nach Mikroboy denn jetzt schon Gewissheit wo für euch die Reise so hingeht?

Michi: Das kann man so konkret noch nicht sagen. Also wir werden mit Sicherheit irgendwie Musik machen. Ich muss auch immer Musik schreiben. Was daraus wird, muss man mal sehen. Jetzt machen wir erstmal das zu Ende.

Sven: Und an dieser Stelle kommen ein paar Stichwörter, auf die ihr möglichst spontan anworten müsst.

Wilhelmshaven!

Michi: Halbe Heimat

Tomte!

Michi: Die bessere von beiden Bands

Gras!

Michi: Großes Thema in meinem Leben seit ich 15 bin

Elektro!

Michi: Weiß nicht was das Wort bedeuten soll. Inflationäres Quatschwort

Hipster!

Michi: Genauso. Bin ich laut Definition vermutlich selber. Aber irgendwie bin ich da außen vor so.

Steffen: Das ist so eine Sache das die Leute immer für alles ein Wort brauchen. So wie Emo 1997 was anderes war als 15 Jahre später.

Michi: Emo geht von Rise of Spring bis Tokio Hotel

Pegida

Michi: Nazis raus