Normalerweise kümmere ich mich nicht um solch vollmundige Sachen wir Mundart oder Kölsche Töne, aber heute mache ich da gerne mal eine Ausnahme – bin ich doch eher zufällig an Max Biermann geraten, der am Freitag, dem 28.09. sein Debüt-Album „Dä Draum vun Köllefornia“ veröffentlicht hat. Max ist quasi ein echter „Kölsche Jung“… trotz alledem stellt sich die Frage, wie und warum sich sein Musikgeschmack über die Jahre von Nirvana bzw. Kurt Cobain zur kölschen Mundart gewandelt hat – Antworten dazu findet ihr hier…

… na dann mal viel Spaß!

 

Moin Max, um das Interview mal recht abgekühlt nordisch zu starten. Wie begrüßt man sich eigentlich bei euch im Rheinland?
Ne schöne Daach! Aber bei aller Traditionspflege und ausgeprägtem Dialekt, kommt man mit nem „Hallo“ und einem Lächeln im Gesicht in Köln auch immer sehr weit! 😉

Mit „Dä Draum vun Köllefornia“ hast du ja gerade erst dein Debüt-Album veröffentlicht… was dürfen wir denn auf diesem – für unser Magazin doch recht ungewöhnlichen – Album erwarten?
Sprachlich gesehen ist es, für euer Magazin gesprochen, sicherlich, sagen wir mal unkonventionell! Musikalisch und textlich, wenn man das Kölsch versteht oder übersetzt bekommt, würde ich es auch für euer Magazin als durchaus spannend bezeichnen. Texte mit vielen lustigen Wortspielen zum Schmunzeln, ich versuche Geschichten zu erzählen. Also inhaltlich gesehen weniger dem Party-Karnevalsklischee entsprechend.
Musikalisch würde ich es in jedem Fall als handgemacht, ehrlich und authentisch bezeichnen, bis auf den E-Bass mit akustischen Instrumenten, ohne Sampler, Midifiles, Auto-Tune oder sonstige Tricksereien. Und ein gutes Beispiel, dass Kölsche Musik sowohl stimmungsvoll, aber halt auch nicht nur auf das Karnevalsgeschäft ausgerichtet sein muss.

Kölsche Mundart ist ja nun nicht gerade jedem geläufig – hast du im Booklet eigentlich eine Übersetzung der Texte beigefügt… so nach dem Motto „Deutsch-Kölsch/Kölsch-Deutsch“? 😉
Nein. Weil es ein Booklet im klassischen Sinne gar nicht gibt und sich „nur“ auf meiner Website befindet. Und weil ich das Album bewusst eher auf die Zielgruppe Kölsche (also Kölner) ausgerichtet habe. Viele der aktuell erfolgreichen kölschen Bands sind inhaltlich eher darauf ausgerichtet, das kölsche Lebensgefühl aus Köln nach Deutschland zu transportieren. Als Kölner kommen mir die wirklich kölschen Themen mittlerweile ein bisschen zu kurz. Also zum Beispiel den Ebertplatz zu besingen, anstatt wie Jeck und toll wir Kölner sind und wie schön der Dom ist…

Inhaltlich beschreibst du Themen deiner Heimatstadt, in vielen Songs also auch die Liebe zu deiner Heimatstadt Köln. Hier bist du geboren und groß geworden… hattest du noch nie den Wunsch auch mal woanders sesshaft zu werden?
Ich habe tatsächlich schon mal ein halbes Jahr in den USA und über drei Jahre in Berlin gewohnt. Als ich in meiner Zeit in Berlin dann aber festgestellt habe, dass ich eigentlich nur mit nach Berlin gezogenen Rheinländern unterwegs bin, musste ich mir doch einen sehr hohen Grad an Heimweh eingestehen… Das mag zwar immer etwas komisch klingen, aber ich bin tatsächlich froh, dass ich wirklich sagen kann, dass ich weiß wo meine Heimat ist!

Früher Grunge und Rock, heute Mundart… wie kam es zu dem krassen Wechsel – oder bevorzugst du privat immer noch die Nummern von Nirvana, den Foo Fighters oder anderen Rockbands?
Das Verrückte ist, dass ich immer schon beides gehört habe. Ich wär tatsächlich damals mal innerhalb von 14 Tagen auf dem Konzert von The Offspring und den Bläck Fööss. In Köln wächst man mit der Mundart anders auf. Kölsche Musik ist halt sehr facettenreich und geht über die reinen Stimmungs-Hits an die ihr jetzt vielleicht spontan denkt hinaus. In vielen der BAP und Bläck-Fööss-Liedern, mit denen ich sozusagen aufgewachsen bin, steckt musikalisch schon deutlich mehr drin als drei Akkorde und ne Pappnase. Ich höre aber natürlich auch immer noch die Foo Fighters und die alten Nirvana-Sachen. Ich höre aber auch gerne klassischen Reggae oder Gentleman (ist ja auch ne kölsche Jung 😉 ) oder Jack Johnson. Wenn es ehrliche Musik mit echten Instrumenten ist, bei der es nicht um schnelle Hits geht, bin ich grundsätzlich immer offen!

Schaut man in deine Bio, dann kommt schnell raus, dass dein Vater ehemaliger Sänger der Bläck Fööss ist – wie sehr hat das deinen Stil geprägt und hat der gewisse Bekanntheitsgrad beim Start deiner Musiker-Karriere geholfen?
Sagen wir mal, es geht und ging mir grundsätzlich nicht um Erfolg um jeden Preis. Und diese „der Sohn von“-Nummer kann man ja verschieden behandeln. Vor allem auch verschieden sympathisch oder auch nicht. Ich das Thema immer so gespielt, wie ich es auch für mich „genutzt“ habe. So gut wie gar nicht.
Das erste Konzert auf dem ich war, war von den Bläck Fööss, im Kölner Millowitsch Theater, da war ich 8. Das hat mich sehr geprägt, Tommy Engel als Frontmann, ein unglaublicher Entertainer. Lieder die musikalisch richtig was zu bieten haben, tolle Texte… Mein Vater hat zehn Jahre später dann dort als Sänger angefangen. Auch das hat meinen Stil geprägt, vor allem aber den Mut zu haben, dass weniger auch mehr sein kann! Diese Idee hatte mir Nirvana bereits vermittelt. Man muss nicht der absolute Über-Musiker sein, um gute Lieder zu machen.

Ist es eher Fluch oder Segen, Sohn eines bekannten & berühmten Musikers zu sein?
Irgendwie beides. Es werden im Kölner Raum sicherlich mehr Leute, Presse und Veranstalter schneller auf einen aufmerksam und befassen sich mit dir. Die Messlatte liegt dadurch aber auch höher, da in jedem Fall alle ein bereits fertiges, perfektes Gesamtpaket erwarten. Die Zeit zu wachsen ist dadurch deutlich verkürzt. Sei es im Songwriting, bei Studioaufnahmen oder was Technik, Equipement und Live-Performance anbelangt.

Ist es eigentlich außerhalb von Köln schwierig, mit deiner Art von Unterhaltung Fuß zu fassen? Mal unter uns… wie sehr wird man im Vorfeld von Veranstaltern ernst genommen? Heißt es bei Booking-Anfragen nicht oft, „ach der… das ist doch der Karnevals-Typ aus Köln“?
Ehrlich gesagt habe ich das bisher weder versucht, noch darüber nachgedacht. Ich kann mir aber ziemlich gut vorstellen, dass man da zumindest erstmal belächelt würde. Wobei ich mir aber recht sicher bin, dass wir als Dreier-Combo, mit Mandoline/Akustikgitarre, Kontrabass, kleinem Schlagzeugset und Gesang einige echt positiv überraschen würden. Kölsche Texte hin oder her!

Hattest oder hättest du nicht auch Lust eine Rock- bzw. Punkband zu gründen und deine Songs auf andere Art und Weise einer breiteren Hörerschaft zugänglich zu machen?
Der aktuelle Trend in der Kölschen Musikszene ist ja gerade alles ziemlich rockig und partymässig zu arrangieren. Meine Lieder würden dadurch aber eher verlieren, da die Geschichten dadurch zu weit in den Hintergrund rücken. Also nicht falsch verstehen, denkt mal so ganz grob an die ersten Mumford & Sons-Sachen, die waren ja nicht rockig aber trotzdem ziemlich nach vorne.

Du bist ja nicht nur alleine auf der Bühne, sondern ihr treibt euch auch zu dritt durch die Locations – wie hast du deine Mitmusiker gefunden und wie sehr sind sie in das Schreiben der Songs eingebunden?
Ich kenne die beiden schon seit über 15 Jahren. Der Bassist, Marcel Richard, war auf der selben Schule, eine Stufe über mir. Und wir haben damals schon mal in einem kurzen Bandprojekt zusammen gespielt. Marcel spielt auch richtig gut Schlagzeug und singt auch noch richtig gut. Mit Ben Argandona habe ich zur Jahrtausendwende in ner Rockband gespielt und 2001 in einer Musikalband. Er ist noch ein super Perkussionist und kann auch singen. Beides absolute Profis und auch noch kölsche Jungs. Ich bin super froh, dass beide wirklich mit Herzblut dabei sind und genauso viel Spaß haben wie ich. Das steht bei uns über Perfektion! Die beiden geben meinen Songs in der Umsetzung immer noch mal einen sehr schönen Kick! Aber die Songs schreibe ich in der Regel alleine.

Bis man dann auf der Bühne steht ist es ja durchaus ein recht langer Weg… kam nicht irgendwann auch mal der Moment, wo du dich nach dem Sinn des Ganzen gefragt hast und dann einfach das Gefühl hattest, alles hinschmeißen zu müssen?
Tatsächlich bisher nicht und ich hoffe das wird auch so bleiben! Ich mache das ja freiwillig, habe dafür sogar anstatt eines richtig gut bezahlten Jobs eine halbe Stelle angenommen. Und es macht mir riesig Spaß, selbst wenn ich mal vor wenig Leuten spiele, ich kann da immer sehr viel positives für mich ziehen!

Neben der Musik bist du aber auch ein großer Fußballfan… was ist denn nun wirklich damals aus den Häßler-Millionen geworden?
Hahahaha. Tja, das können ernsthaft wohl nur Christoph Daum und der damalige Präsident Dr. Arzinger-Bolten beantworten. Es hat den 1. FC Köln in jedem Fall zu einem der unterhaltsamsten Fußballvereine Deutschlands gemacht, weil der Verkauf von Thomas Häßler damals (mit der nebulösen Entlassung von Christoph Daum, beides im Sommer 1990) der Auslöser für ein herrliches jahrzehntelanges durcheinander war. Was die Süddeutsche Zeitung vor knapp sechs Jahren zu einem Kommentar über die Stadt Köln und den FC bewegt hat, der die Überschrift „Das Neapel Deutschlands“ hatte. Wenn man jetzt Musik, mit gerne mal lustigen Aufhängern, macht, kann man dafür fast schon dankbar sein. In jedem Fall habe ich das schwer gefeiert! Schließlich gibt es mehr als genug Regionen in Deutschland in denen es viel zu ernst und seriös zugeht… 😉

Gerade auch weil dir der Humor – nicht nur in deinen Songs – sehr wichtig ist und du ja auf der Bühne versuchst, den Gästen für die Dauer eines Gigs einmal die Sorgen und Nöte aus den Köpfen zu blasen, so ist ja aktuell wahrlich nicht alles toll um uns herum. Wie schwer fällt es dir, den ganzen politischen Kram und die anderen dramatischen Themen auf den Punkt abzuschütteln und dann einfach den lustigen Max Biermann zu geben?
Ich bin eine Frohnatur, mich zieht sowas nicht runter, sondern motiviert mich eher. Humor und Musik sind immer ein gute Ventile, um den Kopf etwas freier zu bekommen. Das ist doch ein schöner Ansporn, sowas vermitteln zu können.

Apropos Bühne, welcher war eigentlich bisher dein beeindruckendster Gig – dein eigener und bei welcher fremden Band, die du gesehen hast?!)
Ich bin mal mit einem Freund von mir auf ein Mambo-Kurt-Konzert in der Kantine in Köln gegangen. Den hatten wir beim Ringfest in Köln auf der Bühne der Stadt Köln gesehen, da hat er ca 5.000 Leute im wahrsten Sinne des Wortes gerockt! In die Kantine passen mindestens 500 Personen und es waren insgesamt 12 Leute da. Er ist zu Beginn von der Bühne runtergegangen, hat sich jedem der 12 Leuten mit Handschlag vorgestellt und dann 1,5 Stunden lang durchgezogen. Das fand ich damals schon extrem beeindruckend, heute sogar noch mehr!

Zum Ende eines Interviews schmeiße ich immer gerne noch ein paar Worte in den Raum, was fällt dir denn eigentlich ein zu…

… Köln? Bunt, offen, tolerant, Heimat (leider nicht am Meer).
… Kurt Cobain/Nirvana? Hat mein Leben komplett verändert!
… #wirsindmehr? Wir sind wirklich mehr! Aber wir müssen alle auch verstehen, dass weder ein Hashtag noch ein Social-Media-Post auch nur ansatzweise irgendeinen Beitrag zum Erhalt der Demokratie beisteuern. Das MÜSSEN wir im echten Leben tun!
… wieviel Mett ist eigentlich gesund? Hahahaha, wie bei so vielen Sachen würde ich hier „leider“ sagen, „alles in Maßen“… 😉
… DiY? …nicht viel…
… Kölsch oder dann doch lieber richtiges Bier? 😉 Natürlich Kölsch! Aber gerne heimlich auch mal ein anderes gutes Bier, zumindest so lange es nicht dunkel ist. 😉
… welche Überschrift würdest du gerne irgendwann auf der Titelseite der Zeitung lesen?
Die Kölner Stadtstrände sind nach Haialarm wieder zum Surfen geöffnet.

Möchtest du unseren Lesern abschließend vielleicht noch etwas mit auf den Weg geben?
Wer jeden Tag lachen kann, hat ein schöneres Leben!

Vielen Dank, das war’s schon – viel Erfolg mit dem Album… vielleicht sehen wir uns ja irgendwann bei einem Gig mit den Punk-Versionen von „Dä Draum vun Köllefornia“?! 😀
Hahaha, auch dann wieder sehr gerne! Bis bald, un maat et joot!