Metal-Franken ist doch immer eine Reise wert… mindestens zweimal im Jahr. In der Würzburger Posthalle findet im November stets das zweitätige Hammer of Doom statt und im Februar an selber Stelle sein kleiner Bruder, das eintägige Metal Assault. Angesiedelt ist das Ganze im Underground-Metal-Metier rund um das fast schön legendäre Keep It True, bei dem sich Teile des Organisationsteams überschneiden. Dieses Mal war das Programm einfach zu verlockend, so dass wir hochoffiziell bei der achten Ausgabe dabei waren. Titan Force mit Sänger Harry Conklin als Headliner, dazu die „jungen Wilden“ Air Raid, Visigoth, Mystik und Booze Control. Und nicht zu vergessen die alte Garde, die beiden holländischen Bands Emerald und Picture, sowie die wiederentdeckten Ashbury.

Letztere hatten es leider nicht nach Würzburg geschafft, da drei der Mitglieder krankheitsbedingt ausfielen, was zwar schade war, aber: Gesundheit geht definitiv vor! Da helfen auch keine unwürdige Unmutsbekundungen von Fans, die sich darauf gefreut hatten und im Internet den Veranstaltern deftig eins einschenken wollten. Ein tolles (Szene-)Fest wurde es natürlich auch so. Die weiträumige Posthalle ist eine gute Location dafür, um mit rund 1.000 Gleichgesinnten durch den Metalmarkt zu schlendern und lässige Bands anzuschauen. Nur die Verpflegung in und an der Halle lässt zu wünschen übrig. Wer die schlechteste Currywurst der Stadt sucht, wird zumindest hier fündig…

 

 

Aufgrund der Tatsache, dass ganz Südbayern im Laufe des Tags von einer dicken Schneedecke bedeckt wurde und wir uns durch das weiße Treiben kämpfen mussten (Unterfranken bliebt allerdings verschont davon!), schafften wird es leider nicht rechtzeitig zu den ersten Bands. Gerade zu den letzten Tönen der Polen CRYSTAL VIPER enterten wir die Halle. Marta Gabriel & Co. waren gut in Schwung und kamen live auf jeden Fall besser rüber als auf Platte, wo das Quartett reichlich bieder wirkt. Verpasst hatten wir die Braunschweiger BOOZE CONTROL sowie die Schweden-Newcomer MYSTIK. Die drei Mädels und der Typ sollen dem Vernehmen nach vor allem mit optischen Reizen gepunktet haben, während die Mucke noch ausbaufähig wäre. Nun denn…

… pünktlich zu EMERALD standen wir dann doch „Gewehr bei Fuß“. Nein, hier handelt es sich nicht um die gleichnamigen Schweizer, sondern um eine altgediente holländische Band. Eine, die vor über 30 Jahren eine Platte veröffentlichte und dann sehr lange in der Versenkung verschwunden war. Aber als eingerosteter Haufen präsentierte man sich gar nicht. Das hatte schon alles Hand und Fuß. Klassischer (natürlich altbackener) Metal war angesagt. Aktivposten waren Bassist André Wullems und Sänger Bert Kivits. Jener gab sich ziemlich engagiert, auch wenn seine Stimme mit der Zeit schon einen gewissen Nervfaktor hatte. Dafür wurde das Songmaterial im Lauf der Spielzeit besser und ansprechender. Sympathisch war die Truppe auf jeden Fall. Hat gepasst, auch wenn das Ganze irgendwie bald wieder vergessen war.

Länger im Gedächtnis blieb dagegen der Auftritt der Amis VISIGOTH. Die entwickeln sich gerade zu so etwas wie dem heißen Scheiß der Stunde. Etwas zu auffälliges bei den Vorbildern abgekupfertes Songwriting, auf Platte zu biedere, klischeehafte Ausstrahlung, teils übertriebene Gestik – alles richtig. Aber hey, live kommt das Ganze echt fett! „Epic as fuck“, wie man heute sagen würde. Hymnischer Metalstoff von einer engagierten, kraftvoll agierenden Band, die ein Händchen dafür hat, das Publikum mitzureißen. Mag der Aushilfs-Halford Jake Rogers abseits der Bühne ein kleines, unauffällige Bürschlein sein – auf ihr schafft er es die Massen zu dirigieren. Kein Wunder auch mit dem hymnischen Songmaterial. In Sachen Stimmung waren Visigoth jedenfalls der eindeutige Tagessieger. Der Metalmarkt war während der Stunde ziemlich leergefegt. Den Fünfer sollte man mal im Auge behalten. Den wird man sicherlich noch öfter sehen!

Dagegen anzustinken war für AIR RAID im Anschluss nicht so einfach. Mit den ersten Nummern wirkte die Band wunderlicherweise auch etwas hüftsteif. Ich habe die Truppe bisher dreimal gesehen und so kannte ich die gar nicht. Dafür ist man es mittlerweile gewohnt, jeweils einen neuen Sänger präsentiert zu bekommen. Frederik Werner heißt der aktuelle und der brachte mit seinem Auftreten und seiner Stimme ein wenig Hardrock-Feeling in den traditionsbewussten Stahl schwedischer Prägung. So sympathisch und mitreißend wie seine Vorgänger wirkte er nicht. Dafür gab das Gitarrendoppel Mild / Johansson ziemlich Gas. Wie die sich die Bälle zuspielen und in Posen werfen, fühlt man sich immer wieder ein wenig an Iron Maiden erinnert. Und das liegt nicht nur daran, dass beide Strats spielen. Mit der Zeit lief es dann allerdings doch recht flüssig und gelöst. Nur konnten Air Raid nicht die Massen so in Wallung versetzen wie die Band vor Ihnen. Liegt vielleicht aber auch etwas an den Songs selbst. Diese klingen zwar immer nett, setzen sich aber nicht derart in den Gehörgängen fest, was schade ist. Die Performance war jedenfalls wieder stark. Aber jemand hat wohl vergessen ihnen zu sagen, dass sie aufgrund des Ausfalls von Ashbury eine Viertelstunde länger spielen dürfen. So gab es im Anschluss eben eine verlängerte Pause.

Von der jungen Generation (auch wenn sie alt klingt), nun wieder in die „Seniorenabteilung“. Die Holländer PICTURE sind die wohl älteste, ernstzunehmende Metalband ihres Landes. Dieser Abend stand ganz im Zeichen ihres vierzigjährigen Jubiläums. So weilte auch die komplette Originalbesetzung (plus Zweit-Gitarrist Appie de Gelder als Ergänzung) auf der Bühne und zockte sich durch ihre Oldies. Wer was mit dem britischen Schlachtross Saxon anfangen kann, ist bei Picture auch richtig, denn die blasen in ein ähnliches, riffgetriebenes Horn. Optisch wirkte das alles recht bieder. Aber die Band überzeugte mit viel Elan und Laune. Besonders der zurückgekehrte Sänger Ronald van Prooijen gab einen guten Spielmacher ab, dem man anmerkt, dass er gerne auf der Bühne steht. Große Songwritingkunst war hier nicht geboten, dafür bodenständige, eingängige Nummern, die gemacht sind für die Live-Situation. Bereits in der ersten Hälfte haute man seine Highlights „Heavy Metal Ears“ und „Eternal Dark“ raus, so dass es am Ende etwas dünner wurde. Macht aber nix. Die Stunde war echt unterhaltsam und damit schoben sich Picture auf Platz 3 der Tageshighlights.

Nach so viel „Standardstoff“ war es dann auch mal Zeit für einen ordentlichen Schlag in die Fresse. Dafür hatte man die weitgehend unbekannt gebliebenen AT WAR engagiert. Immer wieder verwunderlich, wo die Veranstalter solche Acts ausgraben. Vor drei Jahrzehnten (als das Trio erstmals aktiv war) hat sich dafür wahrscheinlich kein Schwein interessiert. Dafür gab es heute einen Sound, der das Primitivste von Slayer, Sodom und Motörhead in sich vereinigt. Songs ohne Spielereien, dafür voller Karacho und ohne große auszuholen in die Fresse. Filigran geht definitiv anders. Ist aber auch nicht Ziel der Mucke. Wer ‘nen ordentlichen Abriss möchte, ist bei At War wohl richtig. Mir ganz persönlich fehlten trotzdem irgendwie die Wucht und das Massive. Ich trau mich sogar zu sagen: das war äußerst bieder. Wenn das mal nicht ein negatives Adjektiv für Thrash Metal ist… Wer wollte, konnte sich an einer rumpeligen Version von Motörheads „The Hammer“ erfreuen. Wirklich auf fiel das im produzierten Gleichklang nicht. Man vermochte auch nicht gerade die Massen vor der Bühne zu versammeln. Dann stehe ich wohl mit meiner Meinung nicht ganz alleine da.

Schluss jetzt aber mit dem Krach! Zum Abschluss gab es Metal der Königsklasse. Die Veranstalter konnten die Amis TITAN FORCE dazu bewegen eines ihrer seltenen Konzerte hier zu spielen. Und man bekam 90 Minuten absolute Qualitätsarbeit – super Musiker mit sympathischem Auftreten, klasse Songs, glasklarer Sound. Das Quintett konnte in allen Belangen überzeugen. Man pickte sich nicht nur die Highlights der beiden Studioalben heraus, sondern hatte auch noch was Besonderes mit im Gepäck. Nämlich: einen neuen Song! Dieser hört auf den Namen „In The End“ und erwies sich als würdig. Sollte das restliche, versprochene Album dieses Niveau halten, braucht man keine Angst davor haben, dass es veröffentlicht wird. Ansonsten reihte man ein bekanntes Highlight an das nächste. Vom eröffnenden „Small Price To Pay“, über „Eyes Of The Young“, „Fields Of Valor“ und „Shadow Of A Promis“, bis zu den beiden Schlussnummern „Only The Strong“ und „Blaze Of Glory”. Die Band dabei als nur gut eingespielt zu bezeichnen, wäre fast schon untertrieben. Es war wirklich faszinierend, mit welch traumwandlerischer Leichtigkeit und mit feinen Akzentuierungen gespielt wurde. Das ist so viel mehr als simpler Haudrauf-Metal und im Tagesvergleich schon fast „progressiv“. Und da wäre dann natürlich noch der Gesang von Harry Conklin. Dieser gab sich zu keiner Sekunde der Show eine Blöße und sang regelrecht göttlich. Ein echter Meister seines Fachs. Man nehme bespielhaft eine Viertelstunde im letzten Drittel des Konzerts. Nach den beiden Stimmungshämmern „Chase Your Dream“ und „Master Of Disguise“ kündigte man den niemals live gespielten Titel „Dream Escape“ an, welcher ganz geschmeidig in das Black-Sabbath-Doppel „Falling Off The Edge Of The World“ / „Over And Over“ überging. Ein echter Hinhörer, bei dem Ronnie James Dio gedanklich anwesend zu sein schien. Der Tagessieger stand hiermit ganz eindeutig fest, auch wenn sich die Reihen mittlerweile schon etwas gelichtet hatten.

Zusammenfassend war es mal wieder eine feine Veranstaltung, die es sich immer wieder lohnt zu besuchen. Wir danken Anja und Oli, dass wir dabei sein durften!

 


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