Als James Osterberg 1947 zur Welt kam und in einem Trailerpark in Michigan aufwuchs, hat vermutlich kein Mensch daran gedacht, dass aus dem kleinen Jim mal der „Godfather of Punk“ Iggy Pop werden sollte.

Mit den Stooges veröffentlichte er zwischen 1967-1974 drei Studioalben, die in der Szene für Aufsehen sorgten, jedoch ihrer Zeit zu weit voraus waren, als das die Welt zu dem Zeitpunkt mit Punkmusik etwas anfangen konnte.

gettyimages-88314528-93d788cb-fd7f-4ef5-97c6-2cc1a1dec3adNach dem Ende der Stooges schien es auch um Iggy Pop nicht sonderlich gut bestellt. Drogen und Alkohol zollten ihren Tribut, ehe sich David Bowie Iggy Pop annahm, in die Rolle des Mentors schlüpfte und ihn 1976 mit nach Berlin nahmen. Dort nahm Iggy mit Bowie zuerst „The Idiot“, das erste Soloalbum von Iggy Pop und später „Lust For Life“ auf, die als Iggy Pops bestes Album bis heute gilt und mit einer Reihe an Hits aufwartet.

Das Album startet mit dem gleichnamigen Titelsong, „Lust For Life“. Spätestens seit „Trainspotting“ weltbekannt, vor allem aber wegen des Songs. Bowie schrieb hier, wie auch bei fast allen Songs von Iggy während ihrer Berlin-Zeit die Musik, während Iggy Pop sich den Texten widmete.

Bowie half seinem Freund auch auf die Beine indem er das zum Großteil von Pop geschriebene „China Girl“ veröffentlichte, wodurch Iggy enorme Einnahmen durch Tantiemen verbuchen konnte.rs-224316-GettyImages-92787504

Die „Lust For Life“ und allen voran der Song „The Passenger“ festigten Pops Ruf als seriöser Künstler. Inspiriert durch ein Gedicht von Jim Morrison und durch die vielen Fahrten mit der Berliner S-Bahn entstand mit dem Arrangement und dem prägenden Gitarrenriff von Ricky Gardiner und Bowies prägnanten „La-La-La“ ein, für mich zumindest, Welthit der auf keiner Party, auf keinem Mixtape fehlen darf (persönlich halte ich es tatsächlich so).

Aber das Album wartet auch mit weiteren Hits auf, für mich ist jeder Song auf „Lust For Life“ ein Hit. Das Album begleitet mich nun schon seit mehreren Jahren und es war die erste Scheibe die ich mir auf Vinyl gekauft hatte, nachdem ich endlich wieder einen Plattenspieler besaß.

Das treibende Schlagzeug von „Lust For Life“ begleitet mich quasi als Hymne wenn ich eine Rolltreppe hinauffahre und ich mich in die belebte Innenstadt meiner Heimat Dortmund stürze. „The Passenger“ höre ich bei drückender Hitze, im Park liegend und den Trubel um mich herum beobachtend. „Success“ bei, passenderweise, Erfolgserlebnissen. Wenn es mal schlecht gehen sollte und man sich mit Reue plagt sei „Turn Blue“ empfohlen. Um das Tanzbein zu schwingen empfiehlt sich „Neighborhood Threat“ und so weiter und so fort…

Das „Rock Iguana“ war vermutlich nie so gut wie 1977. Auch wenn die „Post Pop Depression“, sein jüngstes Werk, ein sehr gutes Album ist. Diese Mischung aus Rock, Punk, Jazz(!) gepaart mit einer gewissen Rohheit aber auch mit prägnanten fantastischen Melodien ist in Iggy Pops Schaffenszyklus einmalig. „Lust For Life“ hat Iggy vermutlich vor der kompletten Selbstzerstörung gerettet. Bowie sei Dank.

 

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Lust For Life:
1. Lust For Life
2. Sixteen
3. Some Weird Sin
4. The Passenger
5. Tonight
6. Success
7. Turn Blue
8. Neighborhood Threat
9. Fall In Love With Me

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