Aus der Idee heraus, einige Künstler bzw. Personen aus dem öffentlichen Leben anzusprechen und diesen lieben Menschen einige Fragen zu deren Musikinteressen bzw. ihrem Verhältnis zur Musik im Allgemeinen zu stellen, ist damals die Rubrik „Handwritten meets…!“ geworden.

Nach einer längeren Durststrecke präsentiere ich heute das Interview mit dem liebenswürdigen Frenko Ghost aka Grant Gashi, der neben seinem eigenen Tattoo-Studio in Cuxhaven (und demnächst in zwei weiteren Städten) in den letzten Jahren die Möglichkeit hatte, die eine oder andere namenhafte internationale Punk- und Metalband kennen zu lernen und deren Musiker mittlerweile diverse Tattoos aus seiner Nadel auf dem Körper tragen. Um wen es sich hier handelt und was den lieben Grant sonst noch so auszeichnet…

… lasst euch überraschen! 🙂

 

Moin Frenko, schön dass du uns heute für ein Interview unserer Reihe „Handwritten meets…!“ zur Verfügung stehst, trotz der schwierigen Zeit!
Gerne… auch wenn es mit Abstand ist.
Ja genau, fürs Protokoll… wir sind auf 1,50m und gut desinfiziert

Magst du vielleicht zu Beginn ein bisschen von dir erzählen?
Gerne, also mein Name ist Grant Gashi – ich bin seit 6 Jahren ein professioneller Tätowierer mit einem eigenen Studio namens „Folterkammer Tattoo“ in Cuxhaven. Meine Spezialitäten sind Farbportraits, Portraits… und leider auch schon Cover-Ups.
Also ist Grant Gashi dein richtiger Name? Oder ist das ein Künstlername?
Ja genau, das ist mein richtiger Name… aber mein Künstlername ist Frenko Ghost – die Meisten in der Szene kennen mich unter diesem Namen.
Wie kam es dazu?
Tja, wie es dazu gekommen ist… das ist immer die Frage. Also, Frenko war eigentlich immer ein Spitzname von mir… schon von klein auf. Und Ghost… um ehrlich zu sein hatte ich früher immer sehr viel Angst vor Geistern – also richtig panische Angst. So hatte ich mir gedacht, dass passt gut. Und richtig ins Rollen gekommen ist das Ganze dann durch die Szene. Ich war früher viel mit Punks unterwegs… und dann irgendwann immer mehr in der Black Metal Szene, da ist der Name dann entstanden – und da entwickelte sich das dann alles auch mit „Folterkammer Tattoos“…
dem Name deines Studios
Ganz genau, das ist der Name – und damals habe ich mir dann auch überlegt, dass der Name passt. Gerade das Thema Schmerz zieht den Menschen einfach an. Und wenn man jemanden fragt, „wo warst denn du?“ und der andere antwortet „bei irgendeinem Tätowierer“ – aber wenn du dann zum Beispiel sagst, du warst bei der „Folterkammer“…
da weiß jeder Bescheid
… und das geht auch nicht mehr aus der Birne heraus. Ich will halt auch nicht so wie jeder sein – ich bin schon immer meinen eigenen Weg gegangen… das ist eher meins.

Wie kommt man dazu Tätowierer zu werden? Man hat ja auch Eltern und die sagen möglicherweise „mach etwas vernünftiges“ – war das schon immer dein Wunsch, oder hast du früher ganz anderes gemacht?
Ob du es glaubst oder nicht, aber ich wollte irgendwie schon immer Tätowierer werden. Mit sechs Jahren habe ich das entdeckt… da haben wir YouTube geschaut und da habe ich gesehen, wie einer gerade eine Maschine hiel und irgendwelche Lines gezogen hat. Da hat es mich direkt richtig geflashed – so als ob ich irgendetwas genommen hätte. Da habe ich mir gedacht, dass spricht mich an – das wird mein Leben sein. Natürlich hatte ich am Anfang viele Schwierigkeiten mir vorzustellen, wie ich das alles überhaupt machen soll – gerade auch finanziell, dass war nicht immer ohne!
Dann habe ich mit 15 Jahren eine Lehre angefangen als Restaurator, ich habe Ölgemälde ausgebessert bis ich ungefähr 18 Jahre alt war. Zu der Zeit habe ich dann angefangen privat ein wenig zu tätowieren, sodass man nebenbei noch was verdienen konnte – und dann hat alles irgendwie angefangen. Auch wenn ich das nicht so sagen darf, aber ich habe die Ausbildung eigentlich nur genutzt um Tätowierer zu werden. Meine Geschwister und meine Mutter waren sehr dahinter… mein Vater eher nicht. Er ist sehr konservativ und sagte „mach eine Lehre und geh dort  bis du alt bist arbeiten“ – ich hatte das aber nie als meine Erfüllung gesehen. Ich bin eher ein Mensch, wenn ich das nicht mache was mein Leben ist, dann kann ich nicht leben… dann bin ich komplett down und habe keinen Bock auf gar nichts. Ich bin früher in armen Verhältnissen aufgewachsen, die Eltern haben sich leider getrennt und dann haben wir immer ein bisschen hier und dort gelebt, da waren wir eigentlich immer unterwegs. Ich habe mich nie richtig irgendwo angekommen gefühlt. Und da habe ich mir für mein Leben das Ziel gesetzt Tätowierer zu werden und mehr zu schaffen.

Räumlich aktuell angekommen bist du in Cuxhaven, du kommst eigentlich aus Wien, oder hast zuletzt in Wien gelebt.
Ganz genau, seit gut 1 ½ Jahren bin ich jetzt hier
Wie kommt man aus der Großstadt Wien in die niedersächsische Provinz?
Ich hatte einen Bekannten hier, mit dem ich zusammen gearbeitet habe – dann ging es in die Brüche, aber das ist ein anderes Thema. Dann habe ich meine Freundin Thalina kennengelernt und sie hat vorgeschlagen, dass wir hier ein Studio aufmachen. Ich war am Anfang noch ein wenig skeptisch und habe nicht gedacht, dass hier in Cuxhaven der Bedarf da ist, aber es hat sich alles zum positiven entwickelt. Es kommen in der Zwischenzeit ziemlich viele Leute… manche sogar extra aus Dessau, Hamburg, oder Berlin.

Momentan planst du ja sogar dein nächstes Studio, dieses Mal in Duisburg…
Richtig, in Duisburg machen wir jetzt den zweiten Laden auf und ich expandiere dann noch ein weiteres Mal – wann, das steht noch in den Sternen, aber ich plane noch ein Studio in Oldenburg zu eröffnen. Da mache ich dann die „Folterkammer 2.0“ auf. Da müssen wir aber noch schauen und ein wenig die ganze Corona-Entwicklung abwarten.
Es ist scheinbar gerade viel Zeit für Ideen!
Ja, trotz alledem tut es in der Seele weh das man aktuell auf eine Art „eingesperrt“ ist – das man nicht dahin essen gehen kann wo man möchte usw.

Wie läuft das Ganze eigentlich aktuell… klar, dass Studio ist wegen Corona geschlossen – wie gehst du persönlich mit dem Thema um? Vor allen Dingen weil man ja auch nicht weiß, wann und wie es weiter gehen kann.
Also ganz ehrlich, dass geht mir richtig auf den Sack! Ich kann meine Leidenschaft nicht weiter ausführen, das nervt kolossal. Und viel schlimmer, es geht um Existenzen – klar, wir kommen über die Runden. Aber Gastronomen, Fotografen, oder Künstler, Bands… die verdienen gar nichts. Das tut extrem weh und auch wenn wir uns alle gegenseitig unterstützen… aber nehmen wir mal speziell die Tattoo-Szene, hier ist es leider eher nicht so das man groß zusammen arbeitet.
Also eher Konkurrenz, als Gemeinschaftsgefühl…
Ganz genau
Nicht so wie bei Bands? Da ist es ja sogar so, dass gerade aktuell sehr viele Künstler zusammen halten und gemeinsam Songs aufnehmen
Leider ist es in unserem Gewerbe nicht so, das Geschäft ist hart! In den ersten beiden Studios wo ich gearbeitet habe, da wurde mir die Farben verdünnt, Nadeln manipuliert usw. – und das nur, weil man dann vielleicht ein wenig besser stechen konnte als der andere. Ich denke, so etwas ist leider bei uns der Alltag, Neider gibt es viel zu viele.
Das gibt´s im Musikbereich nicht… da gibt man eher noch seine letzte Gitarren-Saite an den Kollegen ab.
Das ist da natürlich viel besser. Aber auf der anderen Seite denke ich, dass die Solidarität nach Corona in vielen Bereichen leider auch wieder massiv nachlassen wird – dann geht leider wieder jeder seinen eigenen Weg.

Glaubst du nicht, dass wir doch aus dieser Pandemie lernen können und es einen engeren Zusammenhalt geben wird… bei bestimmten Leuten zumindest?
Also bei einigen bestimmt! Bei meine Freunden in Russland, in England und Amerika denke ich schon, aber die meisten Leute hier haben Angst das ihnen die Kunden wegbleiben – dahingehend bin ich leider eher der Realist.
Das Schlimme ist auch, dass die Medien alles puschen und man sich im Moment ja gar nicht mehr traut, abends die Glotze anzumachen – das macht mich alles traurig und auf eine Art auch aggressiv. Besonders das Ungewisse macht einen mürbe.
Wie du schon sagst, Tätowierer habe da ja zumindest noch den Vorteil, dass die Kunden eigentlich nicht ausgehen, das ihr sagen könnt „wir haben immer Arbeit“… aber wie lange kann man sich trotz alledem selbst über Wasser halten, Monate lang ist so etwas ja auch nicht realisierbar.
Ich gehe nicht davon aus, dass wir dieses Jahr nochmal öffnen werden (mittlerweile wurde der Teil-Lockdown sogar bis in den Januar verlängert) – es tut mir auch echt in der Seele weh, den Leuten sagen zu müssen, dass ich nicht weiß wann es weiter geht.
Harte Zeiten, aber wenn sich alle zusammen reißen wird es irgendwann ja hoffentlich wieder besser!
Sollen sich alle an die Regeln halten, dann wir das schon passen!
Und dann hast du ja bis dahin vielleicht sogar drei Studios am Bein – das macht Arbeit!
Das stimmt, aber dafür habe ich auch gute Leute! Zum Beispiel Benny, meine Freundin Thalina, das zukünftige Team in Duisburg.
Also mehr Familie als Angestellte?
Ja genau… ich möchte und kann auch gar nicht so der Boss sein – schließlich kacken wir alle auf das gleiche Klo!

Eine gelungene Kurve zum nächsten Thema… zu dem was unser Magazin ausmacht, die Musik nämlich – und somit auch gleich meine erste Frage dazu: Was war damals eigentlich deine erste Platte?
Meine erste Platte war von The Who, nämlich die „Who Are You“. Danach war ich voll geflasht. Ich habe zwar früher auch viel HipHop gehört, Eminem, 50Cent, 2Pac… die typischen Sachen halt. Aber nachdem ich über meinen Vater mit The Who in Berührung gekommen war, da habe ich mich voll in die Musik verliebt. Danach ging es dann direkt mit den Sex Pistols, AC/DC usw. los – kurz darauf kam ich dann zu Hatebreed, Korn und Five Finger Death Punch… und dann ging es langsam über den Heavy Metal weiter ins Extreme.
Und von The Who dann in die Black Metal-Szene? Das ist ja nochmal ein ganz harter Schnitt – vom Rock und Punk in diese Richtung…
Ein Kumpel hatte mir mal einen Link für einen Film über Metal geschickt… und da ich wissen wollte, was die Leute so an Bands wie Mayhem usw. begeistert, da habe ich mir das angeschaut. Und da ich ja ursprünglich Angst vor Geistern hatte und auch abergläubisch bin, mich für Magie und Hexerei interessiere, was sich auch bei der Einrichtung meines Studios widerspiegelt – Hexerei, Verfluchungen, eine Satanische Bibel habe ich dort stehen, hat mich das Ganze so gefesselt, dass ich dort hängen geblieben bin. Der Black Metal hat mich so gekriegt, fast so wie eine Pest… selbst meine Freundin, die eher HipHop usw. gehört hat, hört mittlerweile den übelsten Black Metal. Das kann ich gar nicht beschreiben… ich habe in meinem Leben viel durchgemacht, die Musik ist irgendwie so etwas wie ein Spiegel für mich!
Also quasi eine Form von Therapie…
Ja, kann man so sagen… Trauer, Verlust, alles das spiegelt sich dort wieder – deshalb auch die ganze Aus- und Einrichtung im Studio. Deswegen stehen auch viele Folterinstrumente und Masken bei mir. Besonders die Angst zieht die Menschen in ihren Bann – Menschen haben Angst vor etwas, wollen ausbrechen… können aber nicht. Deshalb auch der Name „Folterkammer“… man stellt sich dort irgendwie seiner Angst. Jeder hat seine inneren Dämonen zu bekämpfen – und egal mit welchen Problemen unsere Kunden kommen, wir sind da und teilen uns quasi die Angst gemeinsam.
Also siehst du dich selbst auf eine Art und Weise ebenfalls irgendwie als Therapeut?
So ungefähr. Man muss sich vorstellen, als Tätowierer macht man mit den Kunden etwas sehr intimes – man kann es fast als spirituelle Vereinigung mit den Menschen ansehen. Mit uns kann man über alles reden… vielleicht sogar über Sachen, über die man nicht einmal mit engsten Freunden sprechen würde.
Denkt jeder Tätowierer so?
Leider nicht! Die meisten sagen „leg dich hin, ich tätowiere dich – dann legst du mir das Geld auf den Tisch“… das ist sehr schade! Okay, manche Kunden wollen auch nicht reden… natürlich ist das auch in Ordnung, kein Problem. Oder es kommen Kunden, die wegen unserer Musik irritiert sind und selber ganz andere Sachen bevorzugen – sich dann aber im Studio wohl damit fühlen, weil es einfach zu der Situation passt.
Man gibt als Kunde (das kann ich aus eigener Erfahrung sagen) ganz viel von sich – man ist ja auch auf eine Art ausgeliefert… man muss sich komplett hingeben und vertrauen, dass ist sehr intim!
Normalerweise kommt Angst ja schnell und unerwartet… wir bringen dir das Ganze langsam und dosiert nahe.

Black Metal ist quasi deine Religion – wie sehr beschäftigst du dich persönlich mit Satan? Ich frage mal ganz provokant, ist Satan der bessere Gott?
Jein… man soll es halt nicht übertreiben mit ihm. Ich möchte an sich nicht schlecht gegen die Religionen an sich sprechen, aber manchmal denke ich, wenn es wirklich einen Gott geben würde, dann würde er uns in diesen Zeiten auch manchmal helfen. Leider passiert so viel schlimmes auf der Welt – das Böse gibt es überall, deshalb glaube ich eher an das Böse als an das Gute!

Nun aber wieder zurück zur Musik! Du hast irgendwann mal, wie auch immer, die Chance bekommen einige namenhafte amerikanische Bands persönlich kennen zu lernen. Wen… und wie ist es dazu gekommen?
Ein Kumpel von mir hatte mich 2015 mit auf ein Konzert von Bring Me The Horizon im Gasometer in Wien genommen und als ich irgendwann aufs Klo musste, da bin ich durch den Backstage-Eingang auf die Toilette dort gegangen. Als ich da mitten beim Verrichten der Notdurft war, da schaute ich nach rechts und sah den Sänger Oliver direkt neben mir stehen. Dann sind wir ins Gespräch gekommen, er hat mir ein Bier angeboten und so haben wir uns quasi auf dem Klo kennengelernt. Als er hörte das ich Tätowierer bin und ich sowieso gerade in einem Studio zu Gast war, da kam es dazu das ich ihn direkt am nächsten Tag bereits tätowiert habe.
Also übers Pinkeln ist das damals los gegangen…
Ja genau! Danach war dann erst einmal drei/vier Monate lang nichts mehr- außer das ich der Band auf Instagram gefolgt bin. Zu der Zeit hatte ich mal ein Bild vom Korn-Drummer Ray Luzier geliked und seine Sachen kommentiert und dann hat er mich irgendwann angeschrieben und mir gesagt, dass er meine Arbeiten mag. Erst wollte ich gar nicht glauben, dass er bei den ganzen Millionen Fans ausgerechnet mir schreibt. Dann ging das ein bisschen hin und her und dann hat er gesagt, dass der Gitarrist Brian Welch wohl ganz gut zu mir passen würde – als ich dann als Tätowierer in Prag zu Gast war, da hatten Korn zufälligerweise gleichzeitig einen Gig dort. Dann haben wir uns verabredet und auf einmal stand die komplette Band dort vor der Tür… geplant war eigentlich um 20:30 Uhr – sie kamen aber erst um 00:30 Uhr, natürlich keiner mehr wirklich nüchtern. Ja und dann habe ich alle tätowiert… Brian in die Finger, an der Seite und an den Rippen, JD hinten an der Schulter, Munky wollte sich auch stechen lassen – da hatte ich nicht so wirklich Bock drauf, der war nämlich zu dem Zeitpunkt schon in einer anderen Welt.
Und nächstes Jahr wenn sie die Tour wieder starten, dann wollen sie zu mir ins Studio kommen.
Nach Cuxhaven?
Ja genau, dann schauen wir mal das die Fans ein paar Selfies machen können, oder die Jungs dann eine Autogrammstunde geben können!
Auf jeden Fall ist damals so alles ins Rollen gekommen. Nach Prag war ich dann bei der Vans Warped Tour tätig – einmal quer durch die Staaten… mit BMX Fahrern, Skatern und coolen Bands. Da habe ich viele Skater tätowiert… und dort habe ich dann auch Five Finger Death Punch kennen gelernt. Einem von den Jungs habe ich dort das Misfits-Logo auf das Schienbein gestochen.
Und dann wurde es quasi ein Selbstläufer – wen hast du alles tätowiert?
Viele! Fast alle von Korn, alle von Five Finger Death Punch, Hatebreet, den Sänger von Hercules, den Drummer und den Sänger von Puddle Of Mudd – bei dem habe ich zum Beispiel gar nicht gewusst wer das war. Das sind zum großen Teil Bands, die habe ich gehört als ich klein war – und jetzt quatsche, chille und mache sonst was mit denen. Mittlerweile ist das echt krass, viele Künstler und Tattoo- bzw. Musik-Magazine markieren mich – da denke ich manchmal, ich bin in einer Traumwelt! Ich hatte selten Glück in meinem Leben… aber das ist jetzt vielleicht der Lohn für alles?!

Gibt es denn schon Anfragen für die Nach-Corona-Zeit?
Wir schreiben immer mal zwischendurch und es gibt die eine oder andere Anfrage, aber aktuell haben die Bands selber genügend andere Sachen – teilweise machen sie gerade neue Musik. Dann der Tod von JDs Frau, das sind die aktuellen Themen. Mit System Of A Down hatte ich auch zu tun, speziell auch mit Serj – ein sehr netter Typ, aber auch sehr konservativ und religiös. Von denen habe ich noch keinen tätowiert, aber mit dem Bassisten stehe in deswegen noch in Kontakt.

Wahnsinn, da gibt es ja jetzt schon genügend Geschichten für deine Kinder oder Enkelkinder… wenn du mal welche haben möchtest meine ich.
Das Thema ist recht klar für mich, denn in der heutigen Welt sehe ich das mit Kindern echt kritisch – man muss sich nur umschauen was überall los ist, das ist nicht die beste Zeit um entspannt groß zu werden.
Alleine wenn man schaut, was in den letzten Jahren und aktuell in Amerika los ist… erstrecht jetzt wo Trump verloren hat.
Das ist Wahnsinn! Ich habe da ja teilweise gelebt und habe viele Freunde in Kentucky oder Nashville. Gerade in den Südstaaten, da fahren alle auf Trump ab. Jetzt kommt Biden, dann wieder jemand anderer – das ist irgendwie immer wie ein Rad.
Es stellt sich ja immer auch die Frage, wer ist besser? Trump geht gar nicht, aber wird es jetzt besser ist die Frage!
Eben! Ohne jetzt irgendwen angreifen zu wollen, aber viele Politiker reden einfach nur. Okay, sie machen auch nur ihren Job, aber meistens kommt unter dem Strich nicht viel dabei heraus. Barack Obama oder George Bush haben viel versprochen, aber nicht wirklich viel davon eingehalten bzw. umsetzen können – Trump hat seine Wahlversprechen eingehalten, so unpopulär sie waren… ob man das am Ende gut finden oder nicht.

Auf die aktuelle Lage hier bezogen, was die Verantwortung der Politik betrifft – wieso übernimmt die Regierung nicht einfach noch mehr die Verantwortung und unterstützt die kleinen Unternehmen und die Künstler endlich in einem vernünftigen Maß? Schließlich müssen diese auch ihre Familien ernähren, Miete zahlen usw.!
Wieso muss man Großkonzerne mit Milliarden unterstützen, wenn es die „Kleinen“ viel nötiger hätten?
Ganz genau, gerade wir kleinen Leute müssen täglich ums Überleben kämpfen, müssen Steuern zahlen – die Großen drohen im Ernstfall mit Schließungen und schon bekommen sie die Hilfen, die sie haben wollen. Es ist gerade sehr schade wie es läuft.

Du warst nicht nur in Amerika unterwegs, du hast auch einige gute Kontakte in Deutschland…
Ja genau, mit Jennifer Rostock bin ich befreundet – und aktuell bin ich mit Raf Camora in Kontakt. Der hat gerade ein Tattoo-Studio in Wien aufgemacht und da reden wir gerade über einen Gast Spot in der Zukunft.
Das ist ja nicht gerade unsere Musik, aber…
… ich mache ja beim Tätowieren mein Ding und wenn das irgendwie passt, dann ist das schon okay!
Gibt es denn Grenzen, was du nicht machen bzw. nicht stechen würdest?
Ja, die ganze Symbolik aus dem Zweiten Weltkrieg zum Beispiel.

Mittlerweile hast du ja schon einige Sponsoren gewinnen können, welche sind das und wie kam das zustande?
Durch meine Arbeiten sind zum Beispiel Firmen wie Crocart aus London, Dr. Pickles aus Australien und Emalla Tattoo aus Russland auf mich aufmerksam geworden und haben mich dann direkt angeschrieben – das ist schon alles Wahnsinn, wie sich die Sache gerade immer weiter entwickelt.

Zurück zur Musik, du hast auch Kontakt zu den Wacken-Machern und hast auch schon dort tätowiert?
Ja, ich habe dort schon so einige gestochen. Es war eine lustige Zeit, ich vermisse die Zeit – ich war auch privat viel beim Wacken… bei Rock am Ring, Rock im Park. Ich habe mich auch schon wieder mit Thomas Jansen besprochen, dass ich beim nächsten Mal wieder gerne dabei sein möchte.

Wie sieht deine Freizeit aus – gibt es überhaupt freie Zeit für dich? Oder gibt es immer Nadel, Farbe…
… ja kann man so sagen – Freizeit gibt es für mich eigentlich nicht, möchte ich aber auch nicht – mein Beruf ist quasi mein Leben. Ich habe viel investiert, musste auch viel aufgeben… deshalb stecke ich mittlerweile alle Energie in das Tätowieren.
Gerade sind mir ein wenig die Hände gebunden, deshalb habe ich auch wieder angefangen zu Malen. Es ist zwar eigentlich noch eine Überraschung, aber ich kann es ja trotzdem verraten… aktuell male ich ein paar Tierbilder für das Helios-Krankenhaus – als Motivation für die Patienten, auch vor allen Dingen für kranke Kinder. Damit sie in dieser schwierigen Situation und Zeit etwas positives, etwas schönes sehen. Bilder erzählen tausend Geschichten und jeder kann sich die Energie draus ziehen, die er benötigt – und gerade Tiere geben eine besondere Form der Bindung.
Wie bist du darauf gekommen, wieso nicht zum Beispiel das Kinder-Hospiz oder andere Einrichtungen – gibt es eine Verbindung zum Krankenhaus?
Nein, überhaupt nicht! Ich fange jetzt erst einmal mit dem Krankenhaus an… das Kinder-Hospiz wird dann als nächstes kommen – da möchte ich dann auch einen Spendenaufruf incl. Tattoo machen und das Ganze den Kindern zur Verfügung stellen. Oder auch das Tierheim hier in Cuxhaven, dass wir auch hier ein wenig unter die Arme greift.
Du möchtest also gerne dein „Können“ nutzen um etwas positives und sinnvolles weiter zu geben…
Ja, das habe ich damals schon von meinen Eltern gelernt – Leuten helfen, denen es nicht so gut geht. Und da sollten die, die mehr haben einfach auch etwas abgeben! Normalerweise denkt jeder nur an sich, kreist in seinem kleinen eigenen Kosmos – und am Ende des Lebens ist man wenn es blöd läuft ziemlich alleine.
Cuxhaven ist zwar nicht total konservativ, aber sozial sehr trocken… da ist es meiner Meinung nach wichtig, auf die Leute zuzugehen…
…hier ist viel Tourismus, hier wohnen viele ältere Menschen
Aber für die meisten die hier wohnen passiert leider nicht viel.

Gibt es eigentlich noch irgendwelche Personen, die du gerne kennenlernen bzw. tätowieren würdest?
Ja, ich würde gerne den Sänger von Meyhem kennen lernen. Der Bassist folgt mir bei Instagram und mit dem schreibe ich auch privat. Er hat auch schon gesagt, dass er sich gerne von mir tätowieren lassen möchte – und das wäre für mich der Hammer. Die Erfinder des Black Metal, direkt aus Norwegen hier in die Provinz. Die Jungs haben eine eigene Ära geschaffen… und das wird immer bleiben – daher möchte ich ohn bzw. sie gerne treffen.
Aber mein absoluter Favorit wäre immer noch Chester Bennington, den hätte ich gerne kenne gelernt.
Das wird schwierig!
Vielleicht im nächsten Leben… dann könnte ich seine Flammen noch ein bisschen ausbessern. Da steche ich ihm das sogar umsonst.
Ehrlich gesagt siehst du ihm ja sogar ein wenig ähnlich – apropos nächstes Leben, glaubst du an die Wiedergeburt?
Auch wenn es jetzt komisch klingt, aber mir kommt es manchmal so vor, als wenn ich schon einmal gelebt hätte. Manchmal passieren Dinge, bei denen ich denke das ich sie schon einmal erlebt habe – aber nicht so wie ein DeJaVu, irgendwie anders. Ja, ich glaube an die Wiedergeburt!
Oder auch an das Gute und das Böse…
es wird einem ja auch suggeriert, dass es mehr Schlechtes als Gutes gibt – wer will denn auch schon das Gute im Fernsehen sehen oder hören… das ist ja eher langweilig in unserer sensationsgeilen Welt, oder?!
Ja richtig… wobei ich wirklich denke, dass es da draußen mehr Böses als Gutes gibt. Schau dir Trump an, was er alles zerstört oder kaputt gemacht hat und wie sehr der künstlerische Bereich unter der momentanen Situation überall leidet. Also wenn ich einmal Politiker werden sollte, vielleicht im nächsten Leben, dann würde sich hier einiges ändern – das verspreche ich dir. Dann würde ich die Kunst und Kultur ziemlich loben und unterstützen.

Es ist ja aktuell auch so, dass viele aus dem Kultur- und Kunstbereich sagen, ohne uns wird’s still..
… das stimmt! Gerade die Musik drückt sehr viele Emotionen aus, sehr viele Gefühle… Angst, Motivation, Trauer, Lust – es gibt auch Tätowierer, die haben einen bestimmten Rhythmus in dem sie stechen… die müssen Musik hören, damit sie „laufen“.
Das habe ich manchmal auch, ich muss Musik hören – so dass ich in den Flow komme. Wenn keine Musik im Studio läuft, dann bekomme ich die Krise, ich mag einfach nicht die Stille.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Ich möchte dann, wenn es gut läuft, vier Studios haben und dann zwischen den einzelnen Städten switchen – bei mir ist es so, dass ich nicht so auf Gewohnheit stehe. Ich muss immer etwas anderes sehen, etwas neues machen… ich muss immer unterwegs sein. Aber viel wichtigrt ist, dass alle um mich herum gesund bleiben – denn Gesundheit ist das A und O.

Und wenn dann irgendwann doch mal das Licht ausgehen wird, was soll von dir übrig bleiben – was sollen die Leute später über dich denken bzw. von dir in Erinnerung behalten?
Die Leute sollen später sagen „schau mal hier das Tattoo, das habe ich von Grant!“. Die Menschen die sich von mir haben tätowieren lassen, die haben einen Teil von mir…
irgendetwas bleibt von dir!
Immer! Es wird immer ein Markenzeichen von mir bleiben.

Ein cooler Abschluss für dieses sehr intensive und sehr persönliche Interview… vielen Dank hierfür!
Ich bedanke mich sehr für die Einladung!

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