Emopunk und das südliche Emsland sind erstmal zwei Dinge, die vielleicht nicht unbedingt was miteinander zu tun haben. Dass das aber doch ziemlich gut miteinander harmoniert beweisen uns Great Escapes auf ihrer neuen EP „Shivers and Shipwrecks“ ziemlich eindrucksvoll. Nachdem uns schon ihr Debütalbum „To My Ruin I’ll Go Gladly“ ziemlich gut gefallen hat (siehe dazu unsere Review), überzeugen sie mit dem neuen Werk noch mehr.

Optisch weiß die 5-Song EP direkt zu überzeugen, kommt „Shivers And Shipwrecks“ doch als einseitig bespielte Picture-12″-Vinyl mit schickem Screenprint. Da freut sich das Sammlerherz, wenn sich soviel Mühe gegeben wird. Aber was Anderes sind wir von Uncle M Music ja auch irgendwie nicht gewöhnt.

Musikalisch bleibt sich das Trio auf der einen Seite treu und wird immer noch Fans von Hot Water Music, Muff Potter und Samiam erfreuen, auf der anderen Seite spürt man aber deutlich, dass da noch mal eine mächtige Entwicklung nach Vorne stattfand. Es ist zwar mittlerweile schon etwas überstrapaziert und wird gerne inflationär benutzt, wenn man sagt, dass eine Band sich mit der neuen Platte noch mehr selbst gefunden hat, und ich würde auch nicht unbedingt sagen, dass sich die drei noch finden mussten. Vielmehr bekommt man beim Hören von „Shivers And Shipwrecks“ das Gefühl, dass sich Great Escapes jetzt noch mehr da wohlfühlen, wo sie schon mit „To My Ruin I’ll Go Gladly“ standen.

Die 5 Songs tragen allesamt eine eindeutige Handschrift und sind trotzdem abwechslungsreich genug, dass einem auf keinem Fall langweilig wird. Besonders das deutsche „Antiartikulation“ weiß richtig zu gefallen. Vor allem, weil es keinesfalls wie ein Sonderling zwischen den sonst englischsprachigen Liedern wirkt, sondern sich perfekt einfügt. Haben viele andere Bands sonst Probleme, wenn sie von Englisch auf Deutsch wechseln, wirkt hier alles wie aus einem Guss. Selbst die Rhythmik des Gesangs verändert sich zu den englischen Liedern nicht. Etwas, dass sonst oft auch sehr schnell holprig wirkt und irgendwie nicht so richtig funktioniert. Und dann weiß auch noch der Text wirklich zu gefallen.

Und so kann ich mein Fazit von „To My Ruin I’ll Go Gladly“ eigentlich nur wiederholen: „Abwechslungsreich, eigenständig und doch irgendwie vertraut und mit einer gehörigen Portion Ohrwurmcharakter.“ Und ich weiß auch, dass „Shivers And Shipwrecks“ noch für längere Zeit durch meine Kopfhörer und aus dem Autoradio dröhnen wird.
Shivers And Shipwrecks

Great Escapes – Shivers And Shipwrecks

01. Walking Deadline
02. Noisy
03. Let It Ache
04. Antiartikulation
05. Doves Of Winter

Great Escapes - Shivers And Shipwrecks (Uncle M Music, 02.03.2018)
4.0Gesamtwertung